Bauen

Über 6500 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügt die neue Filiale. (Foto: Globetrotter)

15.04.2011

Vom verpönten Pelz- zum angesagten Outdoor-Laden

Das Unternehmen Globetrotter eröffnete in der ehemaligen Rieger-City am Münchner Isartor eine neue Filiale

Am 5. März 2011 eröffnete in der ehemaligen Rieger-City am Münchner Isartor eine neue Filiale von Globetrotter Ausrüstung. Einige der Highlights der neuen Erlebniswelt sind das Kanubecken mit Gegenstromanlage, die Höhen-Kältekammer sowie die Kletterwand und Regenkammer.
Über 12 Jahre hatte man in München, der heimlichen Outdoorhauptstadt der Republik, nach einem geeigneten Standort für die südlichste Filiale der Outdoor-Spezialisten gesucht und so einige Optionen besichtigt – und wieder verworfen. „Wir suchen ja für unsere Filialen stets nach gescheiterten Immobilien, die darauf warten, dass man ihnen neues Leben einhaucht“, schmunzelt Thomas Lipke, Geschäftsführer von Globetrotter Ausrüstung. „Danach entscheiden wir, ob wir ein Gebäude so hin bekommen, dass es für unsere Zwecke funktionell umgestaltet werden kann.“
Der Umbau des glamourösen Pelz-Palastes zur Outdoor-Erlebniswelt war auch für den Hamburger Architekten Holger Moths, federführend auch bei den Umbauten der übrigen Globetrotter-Filialen, eine besondere Herausforderung. „Es war schwierig die 32 verschachtelten Ebenen auf vier Etagen zu reduzieren. Wir haben das Gebäude nahezu komplett entkernt und wie bei einem Kartenhaus Ebene für Ebene ausgetauscht.“
Im Zuge der Umgestaltung waren eine Entkernung sowie eine komplette Umstrukturierung im Inneren des Gebäudes vorgesehen. Um die ehemals auf mehrere Ebenen verteilte Verkaufsfläche zu größeren Einheiten zusammenzuschließen, wurden die Geschossdecken zwischen Untergeschoss und erstem Obergeschoss zum Teil entfernt und auf veränderter Höhenlage wieder eingebaut. Dies bedeutete einen massiven Eingriff in die Gebäudeaussteifung. Zudem wurden neue Ebenen eingezogen, sodass vorhandene Stützen verstärkt werden mussten. Der komplette Umbau erfolgte im geschlossenen Zustand des Gebäudes sowie unter laufendem Betrieb der benachbarten Einheiten.
Doch nicht alles musste komplett erneuert werden. In der Planung der technischen Gebäudeausrüstung bot sich die Gelegenheit, auf vorhandene Strukturen zurückzugreifen. So waren im ehemaligen Riegerbau die vertikalen Lüftungskanäle in Hohlstützen integriert gewesen, sodass sie innerhalb der Konstruktion verborgen waren und optisch nicht in Erscheinung traten. Dieses architektonische Konzept wurde beibehalten und bei den Umbauplanungen berücksichtigt.
Von den Stützenköpfen aus erfolgt die horizontale Verteilung über Weitwurfdüsen, welche die Zuluft auf den Geschossebenen verteilen. Zusätzliche horizontale Lüftungskanäle, Rohrleitungen, Kabeltrassen sowie auch Beleuchtungsschienen mit Einzelstrahlern wurden sichtbar an der Decke verlegt und der Deckenfarbe angepasst, sodass sie Teil der Gebäudearchitektur werden und das innenarchitektonische Konzept der Ladeneinrichtung davon unberührt bleibt. Nur in Teilbereichen wurde eine abgehängte Decke angebracht. Für die Tragwerksplanung sowie die Planung der technischen Gebäudeausrüstung inklusive der Elektroplanung zeichnte die Münchner Planungsgesellschaft Obermeyer verantwortlich.
Richtig fertig war die 6500 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassende Filiale erst einen Tag vor der Eröffnung. Viele der 120 Mitarbeiter und auch viele Angestellte aus den Filialen in Hamburg, Köln, Frankfurt, Berlin und Dresden waren nach München gekommen, um den „Laden“ für den großen Tag fit zu machen. Nach einer durchgemachten Nacht wurde etwa die weltgrößte Schuhwand im Untergeschoss erst in den frühen Morgenstunden fertig. 350 verschiedene Schuhmodelle werden auf der 60 Meter langen Wand präsentiert, die, gefüllt mit verschiedensten Sedimenten, eigentlich schon ein Kunstwerk für sich ist.
Insgesamt finden sich in Münchens neuem Outdoor-Mekka 25 000 verschiedene Artikel von rund 700 Herstellern. 120 Mitarbeiter kümmern sich um die Beratung und den Service. Und das alles in der Nachbarschaft berühmter Münchner Institutionen: Zu Fuß zum Hofbräuhaus sind es gute fünf Minuten. Zum Deutschen Museum braucht man kaum länger. Und der Viktualienmarkt ist nur einen Katzensprung entfernt. Acht Millionen Euro hat Globetrotter in den Umbau des Riegerbaus am Isartorplatz gesteckt, in dem noch vor vier Jahren teure Persianerpelze verkauft wurden.

Wasseraktionsfläche
mit Gegenstromanlage


Eine der Hauptattraktionen ist die 125 Quadratmeter große und in zwei Bereiche unterteilte Höhen-Kältekammer. Raum 1 simuliert Höhe, Wind und Temperaturen aus dem Trekking-Bereich. Hier kann auf verschiedenen Fitnessgeräten unter fast realen Bedingungen trainiert werden. Wer’s noch frostiger mag, findet in der zweiten Kammer einen optimalen Platz für das Arktis- oder Expeditionstraining: Wer an große Höhen gewohnt ist, wird hier im Express bei bis zu minus 25 Grad auf 6000 Meter Höhe katapultiert.
Ohne extreme Höhensimulation eignet sich die Kältekammer dank Wärmebildkamera hervorragend, um Schlafsäcke und Bekleidung auf mögliche Wärmebrücken zu überprüfen. Der Kunde hat so die Möglichkeit, die Ausrüstung und Bekleidung vor Ort zu erproben und kann sich zusätzlich auf den Trainingsgeräten für die nächste Expedition vorbereiten.
Im Basement befindet sich eine 458 Quadratmeter große Wasseraktionsfläche mit Gegenstromanlage, wo Paddler direkt im Laden testen können, mit welchem Boot sie sich auf Isar, Loisach und Ammer oder auf einem der vielen Seen im Alpenvorland, dem Chiemsee etwa, fortbewegen wollen. Während der Wintermonate steht dem Kunden hier ein umfangreiches Angebot an Wintersportausrüstung zur Verfügung.
Ein gläserner Klettertunnel im obersten Stockwerk mit 74 Quadratmetern Boulderfläche sowie eine Regenkammer mit Windmaschine laden ebenfalls zum Ausprobieren der Ware ein. Auf 260 Quadratmetern bietet das Kinderland außerdem Ausrüstung speziell für die kleinen Globetrotter. Auf einer Sonderfläche von 234 Quadratmetern haben Firmen die Möglichkeit, sich ein Jahr lang zu präsentieren.
Neben den offensichtlichen Highlights verstecken sich in der ganzen Filiale kleine Nettigkeiten: Im zum „Boulevard der Träume“ umfunktionierten Treppenhaus zeugen 4500 Bilder von und mit Globetrotter-Mitarbeitern von gelebten Träumen und inspirieren zu eigenen Taten. Bereits aus Hamburg bekannt ist die filialeigene Kolonie der Blattschneiderameisen, die jetzt in München die Arbeit aufgenommen hat und deren Entwicklung man in den nächsten Monaten gespannt von drinnen und draußen beobachten kann. Wie in jeder Filiale sind die auch die Toiletten in München ein heißer Tipp für den mehr oder weniger entspannten Kurzurlaub: Während Frau exklusiv mit der Transsibirischen Eisenbahn reist, wünscht Mann sich „Guten Flug“.
Zudem werden drei starke Partner bei Globetrotter einziehen: Mit einem runden Dutzend Mitarbeiter rückt die Servicestelle der Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereins DAV an, die 68 000 Mitglieder betreut. Daneben richten sich das Reisebüro des DAV Summit Club und die Experten des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin BCRT im Riegerbau ein.
Der Dachauer Künstler Till Julian Huss war fast ein Jahr damit beschäftigt, für Globetrotter Ausrüstung das Thema Outdoor-Emotionen auf die Leinwand zu bringen. 25 Werke finden sich in der Münchner Filiale wieder. Sie dokumentieren eindrucksvoll, dass Kunst auch Verkaufsflächen spannend inszenieren kann. (FHH)

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