Bauen

Die Walhalla in Donaustauf. (Foto: Marcus Ebener)

19.12.2014

Weitestgehender Erhalt der Originalsubstanz

Die Sanierung der Walhalla in Donaustauf ist abgeschlossen

Bereits 1999 hatte das Kunstministerium die Staatliche Bauverwaltung beauftragt, die notwendigen Maßnahmen zur Sanierung der Walhalla zu erfassen und eine detaillierte Kostenermittlung zu erstellen. Zwischen 1830 und 1842 war die Walhalla unter König Ludwig I. von Leo von Klenze auf dem Bräuberg in Donaustauf errichtet worden. Seit der Fertigstellung hatte sich der bauliche Unterhalt, mit Ausnahme eines umfassenden Austauschs des bauzeitlichen Belags der Terrassen in den Jahren 1856 bis 1859, auf partielle und lokale Reparaturen an den Natursteinflächen im Äußeren oder der Kassettendecke im Inneren beschränken müssen. Erstmals seit der Bauzeit bestand damit für das Staatliche Bauamt Regensburg die Möglichkeit, eine ganzheitliche Analyse der verschiedenen Schadensphänomene vorzunehmen.
Die Sanierung fand im Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege statt. Im Vordergrund standen dabei Ertüchtigung der Funktion und Konsolidierung der Substanz, um ein würdiges Erscheinungsbild des Bauwerks im Äußeren wie im Inneren zu erreichen, das die Spuren seiner mittlerweile 170-jährigen Geschichte nicht verleugnet.
Archivrecherche und Quellenforschung bildeten die baugeschichtliche Grundlage für die Sanierungsplanung. Auf der technischen Ebene konnten zahlreiche Ingenieure und Institute in den interdisziplinären Planungsprozess eingebunden werden, um für all die offen zutage getretenen Mängel und für die weniger eindeutigen Schadensprozesse die notwendigen Analysen durchzuführen. Zu diesem Zweck wurden vom Bauamt geodätische Bewegungsmessungen, Radarerkundungen, Laser gestützte Verformungsmessungen, Baugrunduntersuchungen, Bauteilerkundungen und Kartierungen durchgeführt. Daraus galt es, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, Maßnahmenkataloge zu entwickeln und den erforderlichen finanziellen Aufwand für eine Sanierung zu ermitteln.

Statische Untersuchung durch die Tragwerksplaner


Im Vordergrund stand zunächst die statische Untersuchung durch die Tragwerksplaner, die zu alarmierenden Erkenntnissen führte. Die Verkehrssicherheit konnte danach in Teilbereichen der Treppenanlage nicht mehr gewährleistet werden, was 2002 zur umgehenden Sperrung des Aufgangs führte. Die Stützmauern hatten sich teilweise erheblich nach außen gewölbt, die Steinverkleidungen waren unter Spannung geraten, drohten abgesprengt zu werden und auf die Treppenläufe zu stürzen. Aber auch im Unterbau hatten Mängel in der Lastabtragung und eine unzureichende Aussteifung bereits zu erheblichen Schäden geführt. Gleichzeitig hatten die mangelhafte Wasserableitung und die fehlende Abdichtung der umfangreichen Steinbeläge ihr Zerstörungswerk an den Podeststufen, Treppen und Terrassen fortgeführt.
Unter anderem Entfestigung und Frostsprengung an den Steinflächen hatten ein Ausmaß erreicht, das bei einer nicht umgehenden Abhilfe eine denkmalgerechte Sanierung nahezu unmöglich machen würde. Insofern bestand höchste Dringlichkeit, den weiteren Verfall aufzuhalten. Eine allgegenwärtige Durchfeuchtung war die Folge der beschriebenen Prozesse, die auch das Raumklima im Inneren der Ruhmeshalle negativ beeinflussten. Hier hatte insbesondere die Kassettendecke durch Kondensatbildung und thermische Spannungen gelitten, die Malschichten schädigten und zur Ablösung der Pigmente führten.
Die konstruktive Aufhängung der Kassetten war ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, da sich die Rosetten verformt hatten. Die Profile an Friesen und Gesimsen waren teilweise abgängig. Die Türelemente bedurften einer restauratorischen Überarbeitung, die Ausstattung mit Büsten, Sesseln, Kandelabern und Viktorien einer Sicherung und Reinigung. Die historische Kupferdeckung war schadhaft, die Oberlichter waren im Widerspruch zur architektonischen Haltung der Halle mit störendem Drahtglas belegt worden. Das historische Dachtragwerk musste in der Wirksamkeit seines Tragverhaltens und in seiner Korrosionsbeständigkeit überprüft werden.
Neben dem Bauwerk war auch die landschaftliche Einbindung der Walhalla als ein wesentlicher Bestandteil der historischen Gesamtkonzeption im Rahmen einer umfassenden Sanierung zu betrachten, da seit der Fertigstellung 1842 keine systematische Lenkung und Entwicklung des landschaftlichen Erscheinungsbilds stattgefunden hatte. Als gemeinsames Ziel von Natur- und Denkmalschutz sollte das Denkmal Walhalla im Bereich der Außenanlagen wieder den Vorstellungen der Erbauer angenähert werden.
Eine barrierefreie Erschließung der Walhalla stellte in diesem Kontext eine besondere Herausforderung dar. War die Forderung auch unbestritten, warf die bauliche beziehungsweise technische Realisierung doch viele Fragen auf, die jedoch positiv entschieden werden konnten.
Die Sanierungsplanung wurde vom Staatlichen Bauamt regensburg mit Gesamtbaukosten in Höhe von 11,35 Millionen Euro im Oktober 2002 vorgelegt und im April 2003 genehmigt. Mit Freigabe der ersten Haushaltsmittel 2004 lief das Projekt noch im Herbst mit dem Bau eines Löschwasserbehälters an, um nach zehnjähriger Bauzeit seinen Abschluss zu finden. Die Kosten wurden 2011 einmalig fortgeschrieben, sodass sich die Gesamtbausumme abschließend auf 13,3 Millionen Euro belief.
Die Organisation dieser anspruchsvollen Bauaufgabe stellte für das Bauamt eine besondere Herausforderung dar. Nicht zuletzt konnte das Bauamt dank seiner langjährigen Erfahrung bei der Betreuung des Regensburger Doms durch die Bauhütte auf profunde Kenntnisse der denkmalgerechten Sanierung zurückgreifen. Auch der Umstand, dass die örtliche Walhallaverwaltung in die Organisation des Amts integriert ist, wirkte sich vorteilhaft auf die Bauabwicklung aus, die zwangsläufig Auswirkungen auf den Betrieb haben musste. Dank einer engen Kommunikation konnten die Störungen des Betriebs und damit die Einschränkungen für die Besucher minimiert werden.
Meilensteine im Ablauf bildeten die Fertigstellung einzelner Abschnitte, wobei die Freigabe der Treppenanlage im Herbst 2008 oder die Inbetriebnahme der Rampenanlage für die barrierefreie Erschließung im Sommer 2011 besondere Höhepunkte darstellten.
Auch auf die Aufnahme neuer Büsten musste während der zehnjährigen Bauzeit nicht verzichtet werden. Durch die Vorlaufzeiten vom Kabinettsbeschluss bis zum Festakt war es möglich, die Bauabläufe zu steuern. Nach der Aufnahme der Büste von Sophie Scholl (2003) war es deshalb auch während der Bauzeit möglich, die Festakte der Aufnahme der Büsten von Carl Friedrich Gauss (2007), Edith Stein (2008) und Heinrich Heine (2010) in einem würdigen Rahmen zu gestalten.
Die Sanierungsarbeiten der Walhalla konnten heuer abgeschlossen werden. In der Rückschau darf festgestellt werden, dass die intensive Vorbereitung des Projekts und die umfangreiche Grundlagenarbeit eine solide Basis für die Durchführung der Sanierung mit der gewünschten Kostensicherheit geboten haben. Unliebsame Überraschungen konnten dadurch vermieden werden.
Aufgrund der Leistung qualifizierter Ingenieurbüros und fachkundiger Baufirmen konnte die Sanierung vielmehr den hohen denkmalpflegerischen Ansprüchen einer funktionalen Ertüchtigung bei weitestgehender Erhaltung und Konsolidierung der Originalsubstanz gerecht werden.
Das eingangs formulierte Sanierungsziel ist damit durchgängig erreicht worden. Durch die langjährige interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Hauptwerk von Leo von Klenze und dem damit stetig wachsenden Verständnis der außergewöhnlichen kunsthistorischen und baukonstruktiven Vielschichtigkeit dieses prominenten Zeugnisses des 19. Jahrhunderts haben sicherlich alle Beteiligten zudem eine große Bereicherung erfahren.
Am 13. November 2014 wurde der Abschluss der Arbeiten in einer Feierstunde festlich begangen. In diesem Rahmen konnte auch ein umfassender Werkbericht vorgestellt werden, der die zehnjährige Sanierung der Walhalla anschaulich dokumentiert und damit nochmals die Möglichkeit bietet, den Blick aus den unterschiedlichsten Perspektiven auf dieses großartige Bauwerk zu richten. (Hans Weber)

(Die Walhalla von außen und der Ruhmestempel von innen mit der Kassettendecke - Fotos: Marcus Ebener)

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