Bauen

01.07.2011

"Weniger Unfälle"

OBB-Kolumne: Josef Poxleitner, Leiter der Obersten Baubehörde, über Unfallkommissionen – Kompetenzteams für die Sicherheit im Straßenverkehr.

Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer auf Bayerns Straßen steht für uns an erster Stelle. Das Bayerische Staatsministerium des Innern hat deshalb im Jahr 2000 bayernweit so genannte Unfallkommissionen als Kompetenzteams für alle Fragen rund um die Sicherheit im Straßenverkehr eingerichtet. Vertreter der verantwortlichen staatlichen Institutionen, nämlich Polizei, Verkehrsbehörden und Straßenbaubehörden, sind in den Unfallkommissionen organisatorisch vereinigt. Sie haben die Aufgabe, Verkehrsunfälle zu analysieren und für die Beseitigung erkennbarer Unfallursachen zu sorgen. Fast 26 000 Kilometer Bundesautobahnen, Bundesstraßen, Staatsstraßen und Kreisstraßen umfasst das Straßennetz, das von der Bayerischen Straßenbauverwaltung betreut wird. 107 Unfallkommissionen mit insgesamt 350 Mitgliedern arbeiten daran, dass dieses Straßennetz täglich sicherer wird.
Die systematische Bearbeitung von unfallauffälligen Straßenabschnitten ist sachgerecht, weil Unfälle nicht gleichmäßig verteilt im Straßennetz passieren, sondern sich an bestimmten Stellen häufen. An diesen so genannten Unfallhäufungen, die nur rund ein Zehntel des Gesamtnetzes ausmachen, ereignet sich die Hälfte aller schweren Unfälle. Aus diesem Grund setzen die Unfallkommissionen mit ihrer Arbeit dort an.

430 Millionen
Euro investiert


Die Unfallkommissionen in Bayern konnten in den letzten zehn Jahren viel bewegen. An 2900 Unfallhäufungsstellen wurden 430 Millionen Euro investiert und damit 7700 Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit umgesetzt. In 3200 Fällen wurde eine Beschilderung angeordnet, über 1000 Mal wurde die Straßenmarkierung verbessert und 700 Mal die polizeiliche Überwachung an Unfallhäufungen intensiviert.
Vor allem die im Maßnahmenpaket enthaltenen 2800 zum Teil sehr kostenintensiven Umbaumaßnahmen leisten einen entscheidenden Beitrag für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. Untersuchungen bestätigen, dass gut geplante und gebaute Straßen Fehlverhalten und Fahrfehler bis zu einem gewissen Grad kompensieren und die Unfallfolgen mindern können.
Der Einsatzschwerpunkt lag bislang auf den Straßen außerhalb bebauter Gebiete – dort ereignen sich nahezu zwei Drittel aller tödlichen Unfälle. Die Schwerpunktsetzung hat sich gelohnt. An diesen Stellen ist die Zahl der schweren Unfälle in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet anschaulich, dass im Straßenverkehr in Bayern jedes Jahr etwa 30 Menschen weniger sterben und 200 Personen weniger schwer verletzt werden als noch im Jahr 2000. Nach einer aktuellen Studie lässt sich diese erfreuliche Entwicklung maßgeblich auch auf die erfolgreiche Arbeit der Unfallkommissionen zurückführen.

Leitplanken mit Unterfahrschutz


Die hohe Qualifikation der Mitglieder in den Unfallkommissionen ist entscheidend für deren Ergebnisse. Zwei Schulungsteams bereiten Neueinsteiger in Qualifizierungsseminaren auf ihre Aufgabe vor. Alle drei Jahre bilden sich die Mitglieder der Unfallkommissionen in Fortbildungsseminaren weiter und nutzen dabei den intensiven Erfahrungsaustausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Erfolgskontrollen belegen die hohe Wirksamkeit der von den Unfallkommissionen getroffenen Maßnahmen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. hat bereits mehrfach bayerische Unfallkommissionen mit dem Sicherheitspreis für die beste Unfallkommission in Deutschland ausgezeichnet und damit die Qualität unserer Aus- und Fortbildung bestätigt.
Trotz der Erfolge der Verkehrssicherheitsarbeit in Bayern bleibt noch viel zu tun. Ein wichtiger Aspekt für die Unfallkommissionen wird es sein, Schritt für Schritt so genannte Fehler verzeihende Seitenräume entlang unserer Landstraßen zu verwirklichen. Als erster Schritt hierfür wurde im letzten Jahr die Aktion „Sichere Motorradstrecken“ ins Leben gerufen. Mit einem Kostenaufwand von 1,5 Millionen Euro wurden an 250 Kurven vorhandene Schutzplanken mit einem so genannten Unterfahrschutz nachgerüstet, der das lebensgefährliche Durchrutschen gestürzter Motorradfahrer unter der Schutzplanke verhindert. In diesem Jahr legen die Unfallkommissionen den Schwerpunkt auf die Beseitigung fester Hindernisse in den Straßenseitenräumen oder deren Absicherung mit zusätzlichen Schutzeinrichtungen.

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