Bauen

Der Ersatzbau für das "Feyerabend-Haus". (Foto: Stadt Moosburg)

21.02.2014

Wenn der Rat tagt, leuchtet das Dach

Erweiterung des Moosburger Rathauses

Das ehemalige Wohnhaus des „berühmten Sohnes“ der Stadt Moosburg an der Isar, Georg Hummel, dem Erfinder des Stromzählers, stammt aus dem Jahr 1865. Daraus resultieren auch die denkmalschutzrechtlichen Auflagen, die bei dem Neubau als Ersatz für das historische „Feyerabend-Haus“ zu berücksichtigen waren, das heißt, insbesondere hinsichtlich der Fassadengestaltung und der Kubatur sollte das neue Gebäude dem Original entsprechen.
Das Büro Peter Schwinde Architekt, München, unter der Projektleitung von Robert Kürz, erlangte zunächst im Realisierungswettbewerb den 3. Preis, hat dann jedoch im Zuge einer Überarbeitung mit Bürgerbeteiligung den Zuschlag zur Ausführung erhalten. Zusätzlicher Inhalt der Wettbewerbsaufgabe war es, einen barrierefrei erschließbaren Sitzungssaal im Gebäude zu integrieren. Dies lösten die planeneden Architekten durch den Ausbau des Dachgeschosses. Prägender Entwurfsgedanke dabei war die Einhaltung der Maßstäblichkeit des Gebäudes im städtebaulichen Kontext durch die Ausbildung einer der Umgebungsbebauung entsprechenden Dachform in einer in Material und Farbigkeit anmutenden und zudem bekannten Ziegelarchitektur, bei gleichzeitiger großflächiger Belichtung des freitragenden Dachraums.

Ergänzung des
Ensembles am Stadtplatz


Der Ersatzbau für das „Feyerabend-Haus“ ergänzt das Ensemble am Stadtplatz mit besonderem Bezug zum gegenüberliegenden Rathaus und erhält so im Kontext die historische Struktur: Die Gebäudehöhe ist definiert; ebenso stadtbildprägend war auch die ruhige Dachform des Originalgebäudes, sie wurde entsprechend neu interpretiert.
Durch die optimierte Ausnutzung des Grundstücks ist ein polygonaler, dreigeschossiger Baukörper mit einem geneigtem Dach an der Gebäudeecke zur Georg-Hummel-Straße entstanden. An dieser exponierten Kante ist dann auch die Hausmadonna wieder montiert worden. Durch die Situierung des Haupteingangs am Stadtplatz wird eine attraktive Adresse gebildet und der Bezug zum Rathaus gestärkt.
Diesem Bezug trägt auch die Gebäudeerschließung Rechnung. So werden die drei Geschosse über eine geradlinig geführte Treppe erreicht, die durch besondere Lichtführung und Ausblicke auf den Stadtplatz von Moosburg eine hohe Qualität entwickelt. Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes sind großzügig nutzbare Ladenflächen entstanden. Die übrigen Stockwerke dienen der Rathauserweiterung: flexibel organisierbare Büroflächen mit Trauzimmer und Service-Einrichtungen im 1. und 2. Obergeschoss, Archiv- und Lagerräume im Untergeschoss und als Krönung der neue Sitzungssaal im Dachgeschoss.
Der repräsentative Sitzungssaal unter dem Dach, der um ein angemessenes Foyer ergänzt wurde, erhält durch eine großzügige Verglasung in der Dachfläche und der damit einhergehenden Lichtführung und den Ausblicken auf die Stadtsilhouette eine besondere räumliche Qualität. Eine die Glasflächen überlagernde, außenliegende Lamellenstruktur aus stabförmigen Ziegel-Baguettes erfüllt dabei den Ensembleschutz, das heißt, in der Außenansicht den Erhalt einer ruhigen ziegelgeprägten Dachlandschaft. Die flächige Ausgestaltung und die Materialität des Dachs fügen sich harmonisch ein in die Bestandsbebauung, während im Inneren blendfreies Zenitlicht für eine optimale Ausleuchtung auch des letzten Winkels des großen Raums sorgt.
Die Konstruktion der Lamellenstruktur basiert auf der Verwendung so genannter Ziegel-Baguettes (Farbe: Eisengrau) eines niederbayerischen Herstellers. Diese Elemente mit dreieckigem Querschnitt (Kantenlänge: 90 Millimeter) und Längen bis zu 1500 Millimeter sind auf statisch tragenden Aluminium-Profilen aufgefädelt, die ihrerseits werksseitig bereits mit den stirnseitigen Baguette-Haltern verschraubt sind. Am Objekt brauchen sie dann lediglich nur noch kostensparend in die vom Hersteller vorab gelieferte und bauseits bereits vormontierte Grundplatine (Kopfplatte) eingeclipst zu werden.
Durch die vorbeschriebene effektive Belichtung des kompletten Dachraums, zusammen mit der raumsparenden Erschließung an der Brandwand des Nachbargebäudes und der optimierten Ausnutzung des Grundstücks konnten Gestaltqualität und Kosten in ein gutes Verhältnis gesetzt werden. Die aus Fußgängerperspektive komplett geschlossene Dachfläche verwandelt sich am Abend während der Stadtratssitzungen in eine spannende, lebendige „Stadtkrone“. (BSZ)

(Blick vom Gang in den Sitzungssaal unter dem Dach - Fotos: Müller-Naumann)

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