Bauen

Die Wehranlage im November 2017. (Foto: Wasserwirtschaftsamt München)

09.01.2018

Wichtige Investition in den Hochwasserschutz

Sanierung des Erdinger Stadtwehrs ist abgeschlossen

2011 übernahm der Freistaat Bayern die Verantwortung für das Stadtwehr in Erding, das wasserbauliche Wahrzeichen der Großen Kreisstadt. Massive Schädigungen hatten umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig gemacht, die Ende 2017 abgeschlossen werden konnten.
Am ursprünglichen Holzwehr aus der Epoche des Dreißigjährigen Kriegs nagte der Zahn der Zeit, bis es das Katastrophenhochwasser von 1940 endgültig zerstörte. An selber Stelle baute die Stadt Erding während des Zweiten Weltkriegs eine neue Wehranlage in Betonbauweise mit Stauklappen aus Stahl. Es handelt sich um ein zweifeldriges bewegliches Wehr mit zwei baugleichen Fischbauchklappen als Verschlüsse. Die lichte Weite beträgt jeweils 14,47 Meter und die Stauhöhe 2,44 Meter. Über das Wehr wird überschüssiges Wasser aus der Sempt in den Fehlbach abgeschlagen. Bombenschäden machten schon kurz nach Inbetriebnahme im Jahr 1944 Reparaturen, vor allem im Tosbecken, notwendig.
In den folgenden Jahrzehnten führten Meinungsverschiedenheiten über die Aufteilung der Kosten für notwendige Unterhaltsmaßnahmen dazu, dass die Wartung der Anlage nicht immer angemessen erfolgte. 2011 übergab die Stadt Erding das Stadtwehr aufgrund seiner bedeutenden Funktion für den Hochwasserschutz an den Freistaat Bayern.

Nach Übernahme der Zuständigkeit und Betreiberpflichten erfolgte zunächst eine umfassende Bauwerksinspektion. Während der Betonbau als sanierungsfähig bewertet werden konnte, stellten sich Stahlwasserbau, Antrieb und Elektrik als nicht mehr sanierungsfähig heraus. Da die Betriebssicherheit nicht mehr gegeben war, wurde vom Wasserwirtschaftsamt München ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben.

Ursprüngliche Planung war, auf dem bestehenden Tosbecken eine neue Betonplatte aufzubringen und diese mittels Rückverankerungen aus Betonstahl mit dem Bestandsbeton zu verbinden. Bei dem Versuch, das Wasser aus dem Tosbecken abzupumpen, waren jedoch derart massive Wasserzutritte zu verzeichnen, dass der vorgesehene Bauablauf grundlegend geändert werden musste.
Daher erkundeten Tauchertrupps den Bestand und entdeckten dabei viele Stellen mit Wasseraustritten im Beton. Der Aufbeton aus der Reparatur des Bombenschadens wies starke Schäden auf. Ebenfalls stark beschädigt war die Bodenplatte, teilweise fehlte sie sogar gänzlich. Am Tosbeckenende verlief auf ganzer Breite eine stark unterläufige und unterhöhlte Abbruchkante.

Eine Abdichtung erschien mit vertretbarem Aufwand nicht möglich und auch kritisch in Hinblick auf die Standsicherheit. Die weitere Sanierung, die zur Gewährleistung der Hochwassersicherheit in zwei Bauabschnitten erfolgte, wurde mit massiver Wasserhaltung durchgeführt. Hierzu wurde ein Hauptpumpensumpf angelegt. An weiteren Stellen der Anlage liefen bis zu sieben Pumpen mit einer Förderleistung von jeweils bis zu 40 l/s im Dauerbetrieb.
Die Pumpenschächte sind inzwischen bis zur Betonoberkante zurückgebaut. Damit für künftige Wartungsarbeiten hier wieder eine Wasserhaltung eingerichtet werden kann, sind die Öffnungen mit lösbaren Lochblechen abgedeckt.

Der erforderliche Betonabbruch konnte fast ausschließlich mit dem Höchstdruckwasserstrahlverfahren bei rund 2000 bar getätigt werden.
Tauchtrupps bauten zunächst im gesamten Wehrfeld eine Unterwasserbetonschicht ein. Das Tosbecken, die Schräge zur Zahnschwelle, Nachboden und Wehrkörper sind nun auf der gesamten Wehrbreite mit einer durchschnittlich 25 Zentimeter starken und bewehrten Aufbetonplatte saniert. Der Aufbeton ist mit gerasterten Verankerungen mit dem Bestandsbeton verbunden. Die Uferwände bekamen Vorsatzschalen aus Spritzbeton, der Mittelpfeiler aus Ortbeton, beide sind bewehrt und im Bestand rückverankert.

Das Auflagersystem besteht aus Los- und Festlagern


Besonders sorgfältig war der Verguss der Seitenschleifbleche herzustellen. Die Gleitwände gehen über den gesamten Fahrbereich der Klappen und können die Belastung aus dem Frischbetondruck nicht schadlos aufnehmen. Mit kleinen Betonierabschnitten und aufwendiger Abstützung konnte die geringe zulässige Durchbiegung eingehalten werden.

Die neuen Verschlüsse sind wieder als Fischbauchklappen in geschweißter Stahlkonstruktion mit 15 Millimeter dicken Blechen ausgeführt worden. Öffnungen im Rückenblech ermöglichen das Volllaufen mit Wasser, sodass bei hohem Unterwasserstand kein archimedischer Auftrieb entstehen kann. Die Bewegung der Klappen erfolgt heute über einen einseitig angeordneten ölhydraulischen Antrieb mit eigenem Antriebsaggregat für jede Klappe.

Bei der neuen Klappenlagerung wurde im Gegensatz zum Vorgängermodell auf einen durchgehenden Sohlträger verzichtet. Das Auflagersystem besteht aus einzelnen Los- und Festlagern, die über Zuganker mit dem Beton verbunden sind. Jede Klappe hat ein Hauptlager auf der Antriebsseite und über die Feldbreite sechs weitere Nebenlager. Beide Klappen verfügen über eine autarke Steuerung, die von einer übergeordneten elektrischen Steuerung entsprechend der Pegelmessung geregelt wird.
Jede Klappe verfügt über eine eigene mechanische Notabsenkung und wird von einer separaten speicherprogrammierbaren Steuerung überwacht. Ein automatisches Telefonwählgerät meldet Störungen an ausgewählte Personen, Informationen zu Pegelständen und Klappenstellung erfolgen per Datenfernübertragung.

Zur Eisfreihaltung der Stauwandfläche im Oberwasser ist zudem eine Luftsprudelanlage eingebaut, die Seitenschleifbleche können bei Bedarf beheizt werden. Damit ist auch im Winterhalbjahr eine hohe Betriebssicherheit gewährleistet.

Das Wehr kann selbst bei Ausfall eines Wehrfelds den hundertjährlichen Hochwasserbemessungsabfluss von 80 m³/s schadlos abführen.
Der Freistaat Bayern ist seiner Verantwortung nachgekommen und hat insgesamt 2,8 Millionen Euro, davon 2,4 Millionen an Kosten für das Bauwerk in die Sanierung des Erdinger Stadtwehrs investiert. In der Vorplanung befindet sich derzeit außerdem der Bau einer Fischwanderhilfe im Umgriff der Wehranlage, um auch den ökologischen Anforderungen gerecht zu werden. Hierfür sind weitere 800 000 Euro veranschlagt. Mit der Sanierung des Stadtwehrs ist ein wichtiger Baustein für den verbesserten Hochwasserschutz für die Stadt Erding gesetzt. Weitere Maßnahmen zum Hochwasserschutz befinden sich derzeit in Planung. (BSZ)

(Nach Abschluss der Betonarbeiten; Setzen der neuen Wehrklappe und der Stahlanker - Fotos: Wasserwirtschaftsamt München)

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