Bauen

Mit dem neuen Baukomplex in der Schachenmeierstraße entstanden insgesamt 100 neue Wohneinheiten: Neben her-vorragendem Schall- und Wärmeschutz bietet die Ziegelbauweise traditionell auch einen hohen Brandschutz. (Foto: Unipor, München)

08.01.2015

Wohnen auf ehemaligen Kasernengelände

In München-Neuhausen entstanden 100 barrierefrei konzipierte Wohneinheiten in monolithischer Ziegelbauweise

Mit insgesamt 100 Wohneinheiten schloss die Stadibau GmbH seit Herbst 2012 die Münchner Baulücke zwischen Lazarett- und Schachenmeierstraße: Das nun neu bebaute Gelände entlang der Ernst-Henle-Straße gehörte einst zum Areal der Maximilian-II-Kaserne, der größten Kaserne in München. Doch die meisten Gebäude im so genannten Kasernenviertel wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört – darunter auch das auf dem Grundstück stehende Kasernengebäude des königlichen bayerischen Telegraphen-Bataillons.

Drei Pultdach-Gebäude um Innenhof

 Der Entwurf des Münchner Architekturbüros Benedek & Partner sah dafür drei Baukörper mit Untergeschoss und einer Tiefgarage vor. Diese umschließen durch ihre u-förmige Anordnung einen begrünten Innenhof mit Kinderspielflächen. Während das Haupt¬gebäude an der Schachenmeierstraße inklusive ausgebautem Dachgeschoss fünf Geschosse aufweist, sind die zwei angrenzenden Gebäude mit vier Geschossen in der Höhe dazu abgestuft. Das Erscheinungsbild der Anlage wird maßgeblich von den gegeneinander höhenversetzten Pultdächern geprägt. Die Fassaden gliedern sich durch vorspringende verglaste Haus¬eingänge und farblich unterschiedlich gehaltene Treppenhäuser. Die farbenfrohe Gestaltung setzt sich auf den Fassadenflächen im Bereich der Balkone fort. Sie heben sich dadurch optisch auflockernd von dem sonst weißen Grundton ab.
Die 100 Wohneinheiten sind alle barrierefrei konzipiert und verteilen sich auf einer Bruttogeschossfläche von circa 6320 Quadratmetern. Die durchschnittliche Größe der überwiegend Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen fällt aufgrund der steigenden Zahl von Single-Haushalten bewusst relativ klein aus. Um die hohen Standards des Energiesparhauses erfüllen zu können, befindet sich auf dem Dach des Hauptgebäudes zur Innenhofseite eine moderne Solarthermieanlage. Zusätzlich ist jede Wohneinheit mit einer kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet.

Werterhaltender Wärmeschutz gefordert

Die Stadibau GmbH hat sich zur Aufgabe gemacht, den Freistaat Bayern bei der Wohnungsfürsorge für seine Bediensteten durch den Bau und die Bewirtschaftung von Wohnungen zu unterstützen. Das zeigt sich bei Neubauten unter anderem sowohl in der Qualität der Planung als auch in der sorgfältigen Auswahl der Baumaterialien. Bei der Wahl der Wandbaustoffe achtet die Stadibau GmbH neben wirtschaftlichen und bauphysikalischen Aspekten insbesondere auch auf hohe Nachhaltigkeit. „Wir setzen deshalb bei unseren Neubau-Projekten oft auf die Pluspunkte der monolithischen Ziegelbauweise, die durch ihren Beitrag zu hoher Langlebigkeit und Werthaltigkeit der errichteten Gebäude unseren Ansprüchen besonders gerecht wird“, erklärt Projektleiter Holger Schneider.
Als Außenwandbaustoff wählte der Bauträger in Abstimmung mit der für die Projektbetreuung zuständigen Bauland GmbH den Unipor WS09 Coriso-Ziegel, einen für den energiesparenden Geschosswohnungsbau maßgeschneiderten Mauerziegel. Aufgrund seiner mineralischen Dämmstoff-Füllung kann mit nur 36,5 Zentimeter Wandstärke das beidseitig verputzte Mauerwerk einen Wärmedurchgangswert von 0,23 W/(m²K) gewährleisten. Dieser entspricht dem baulichen Wärmeschutz des geforderten KfW-Energieeffizienzhausstandards 55.
Die für mehrgeschossige Gebäude erforderliche Tragkraft wurde ebenfalls sicher erfüllt. Ein Grund für die hohe Belastbarkeit war – neben der Druckfestigkeitsklasse 10 (zulässige Druckspannung 1,4 MN/m²) – auch die Vermauerung des planebenen Ziegels in Dünnbettmörtel mit gedeckelter Lagerfuge. Zusammen mit den knirsch verlegten verzahnten Stirnseiten der Ziegel im Stoßbereich entstand ein besonders druck- und zugfestes Mauerwerk. Die Belastbarkeit ließ sich damit um rund 60 Prozent gegenüber mit Leichtmörtel erstelltem Blockziegel-Mauerwerk steigern. Auch für das fünfgeschossige Hauptgebäude konnte der Coriso-Ziegel problemlos genutzt werden. Hier hatten die Planer nur im Erdgeschoss aus statischen Gründen eine Wanddicke von 42,5 Zentimetern eingeplant.

Hoher Schall- und Brandschutz inklusive

 „Wichtig war uns auch ein hoher Schallschutz", betont Schneider. Dabei ging es angesichts der zahlreichen Nachtschichtler unter den als Mieter vorgesehenen Staatsbediensteten nicht nur um eine hohe Schalldämmung der Trennwände zwischen den Wohnungen und zum Treppenhaus. Die Bewohner müssen auch vor übermäßiger äußerer Lärmbelästigung geschützt werden. Hier bot der WS09 Coriso-Ziegel mit einem hohen Schalldämmmaß eine besonders schallschluckende Lösung. Das „WS“ im Produktnamen drückt es bereits aus: Bei der Entwicklung des Mauerziegels hat die Unipor-Gruppe vor allem Wert auf die Verknüpfung von hohem Wärmeschutz (W) und Schallschutz (S) gelegt.
Wie bei allen mehrgeschossigen Gebäuden war zudem auch der Brandschutz ein zentrales Thema. Der Ziegel als nicht brennbarer Wandbaustoff (Baustoffklasse A1) erweist sich in dieser Hinsicht seit jeher als vorteilhaft und ist in der Regel unproblematisch in allen Gebäudebereichen einsetzbar. Beidseitiges verputztes Mauerwerk aus WS09 Coriso-Ziegeln verfügt bei verminderter Druckbelastung sogar über Brandwandeigenschaften nach DIN 4109.

Zügige Mauerwerkserstellung

Wirtschaftlichkeit hat bei der Bauplanung immer hohe Priorität. Daher war eine möglichst kurze Rohbauzeit gefordert. Als zentrales Hilfsmittel bewies sich hierbei das von der Unipor-Gruppe entwickelte Mauertec-System: Es vereinfacht und optimiert die Verlegung der Coriso-Ziegel in Dünnbettmörtel und ermöglicht so eine schnelle und hochwertige Mauerwerkserstellung mit Planziegeln.

Schwierige Baustellenlogistik

Der Bezug der erstellten drei Gebäude erfolgte nach dem Abschluss der Ausbauarbeiten in zeitlich kurz aufeinander folgenden Abständen: Nachdem im Dezember 2013 die ersten Mieter in Haus C einziehen konnten, wurde mit der schlüsselfertigen Übergabe der Häuser A und B im Frühjahr 2014 das Gesamtprojekt termingetreu abgeschlossen. „Den geplanten Fertigstellungstermin einzuhalten, war dabei allein aufgrund der schwierigen Baustellenzufahrt schon eine logistische Herausforderung: Denn das Baumaterial konnte nur von der Schachenmeierstraße aus angeliefert werden“, betont Schneider. Für die Stadibau GmbH ist die errichtete Wohnanlage mittlerweile das dritte auf dem ehemaligen Maximilian-II-Kasernengelände erfolgreich realisierte Wohnungsbauprojekt. Die Bewohner dürfen sich nicht nur auf Wohnkomfort zu sehr günstigen Mietzinsbedingungen sowie geringe Heizkosten freuen: Sie werden auch schnell die durch das Ziegelmauerwerk typischen wohnbehaglichen Vorteile wie hohe Wärmespeicherung und natürlicher Raumfeuchteausgleich zu schätzen wissen. (Hans-Gerd Heye)

(Die farbenfrohe Gestaltung des verputzten Ziegelmauerwerks und ein begrünter Innenhof erzeugen eine angenehme Wohnatmosphäre; das zentrale Hauptgebäude mit fünf Geschossen überragt die jeweils angrenzenden Gebäude mit vier Stockwerken. Gegeneinander höhenversetzte Pultdächer prägen hierbei das Erscheinungsbild der Gesamtanlage - Fotos: Unipor, München)

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