Beruf & Karriere

Denny Wagner lernt im Oberallgäu Bauwerksabdichter – ein Beruf, zu dem viele per Zufall kommen. (Foto: Ballmann Dächer GmbH)

04.05.2018

Ein Job für Wetterfeste

Dächer, Tiefgaragen, Brücken: Bauwerksabdichter sorgen dafür, dass Feuchtigkeit Gebäuden nichts anhaben kann – in Nürnberg lernen das Lehrlinge aus sieben Bundesländern

Egal ob Wind, Regen oder Sommerhitze – Denny Wagner liebt es, draußen zu arbeiten. Und schwindelfrei ist er auch noch. Ideale Voraussetzungen also für die Ausbildung zum Bauwerksabdichter. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, man arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und Methoden, mal drinnen, mal draußen“, erzählt der 22-Jährige. „Das hat mir Spaß gemacht, und ich habe gemerkt, dass es der richtige Beruf für mich ist.“

Eine Erkenntnis, die ihre Zeit brauchte. Denn eigentlich machte Wagner eine Ausbildung zum Stahl- und Betonbauer, als ihn im zweiten Lehrjahr Begeisterung und Motivation verließen. „Dann habe ich geschaut, was wirklich zu mir passt“, sagt er und erzählt von Plänen, als Verkäufer oder Lagerist zu arbeiten – und von mancher Absage, die im Briefkasten landete. Eine Zeitungsanzeige weckte schließlich sein Interesse: Auszubildender in der Bauwerksabdichtung gesucht. Heute ist er Lehrling im zweiten Jahr bei der Firma Ballmann Dächer im Oberallgäu.

Geschichten wie diese kennt Stefan März von den Beruflichen Schulen für Bauwerksabdichtung in Nürnberg zuhauf. „Wie oft im Baugewerbe sammeln sich in diesem Beruf viele, die durch Zufall auf die Lehrstelle aufmerksam werden“, sagt er. „Der Bauwerksabdichter erscheint einem ja nicht im Traum, als vermeintlich so schöner Beruf wie vielleicht Kfz-Mechaniker oder Sportartikelkaufmann.“ Aus der Zufallsbegegnung entwickle sich aber häufig ein gewisser Stolz, eine Liebe zum Beruf. „Das ist wirklich schön zu sehen.“

Abdichtungen haben eine jahrtausendalte Tradition

Flachdächer, Parkdecks, Brücken, Schwimmbäder und Tiefgaragen – Bauwerksabdichter arbeiten überall dort, wo Bauwerke vor Feuchtigkeit geschützt werden müssen. Sie verarbeiten unterschiedliche Abdichtungsstoffe – von Bitumen über Flüssigkunststoffe bis hin zu Mörtel – und kleben, schweißen oder brennen sie auf die abzudichtenden Stellen. Auch der Einbau von Wärmedämmstoffen gehört zum Job der Bauwerksabdichter.

„Die Auszubildenden sollten teamfähig sein, wetterfest und körperlich gesund. Ansonsten sind die Anforderungen gering“, sagt März. „Wer willig ist und gewisse intellektuelle Grundfähigkeiten besitzt, lernt alle fachlichen Fähigkeiten bei uns.“ So ist der Beruf auch eine Chance für viele, die in der Berufswelt bisher keinen Fuß fassen konnten: „Wir haben Auszubildende ohne Schulabschluss bin hin zu Studienabbrechern.“ Allerdings ist der Job auch körperlich anstrengend, mit schweren Gerätschaften und Arbeit in oft schwindelerregender Höhe.

Neben der Lehre im Ausbildungsbetrieb gehören Blockunterricht in der Berufsschule und überbetriebliche Lehreinheiten zur Ausbildung. So lernen Azubis unabhängig von der fachlichen Ausrichtung ihres Lehrbetriebs beispielsweise auch, wie sie Brücken abdichten und sanieren. Ein Nachteil: Ausbildungsbetriebe für Bauwerksabdichter gibt es nur wenige, und auch der Weg zur Berufsschule ist häufig lang. So werden in Nürnberg Lehrlinge aus sieben Bundesländern unterrichtet und während der Schulzeit in Lehrlingsheimen untergebracht. Für viele bedeutet das, zum ersten Mal von zu Hause fort zu gehen. „Das kann anfangs anstrengend sein, aber für die Reifung ist es gut“, sagt März. Wer sich für die Ausbildung entscheidet, darf sich zudem über eine vergleichsweise ordentliche Vergütung freuen: Laut Bundesagentur für Arbeit verdienen Auszubildende im ersten Lehrjahr monatlich zwischen 705 und 785 Euro, bis zum dritten Jahr steigt das Ausbildungsentgelt auf 1130 bis 1410 Euro.

Viel zu tun gibt es vor allem im Sommer, denn dann haben die Baustellen im Land Hochkonjunktur. „Ein stressiger Tag beginnt auch schon mal um 6 Uhr“, sagt Wagner. „Dann besprechen wir uns mit dem Chef und dem Bauleiter, zu welcher Baustelle wir fahren und welche Materialien wir mitnehmen müssen.“ Wagners Chef ist Georg Göker, Vorsitzender der Bundesfachabteilung Bauwerksabdichtung im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

„Abdichtungen haben eine jahrtausendalte Tradition, die sich schon bei den Hängenden Gärten von Babylon und in der Abdichtung von frühen Staudämmen zeigt“, erklärt er die Historie seines Berufs. Und auch für die Zukunft sieht Gäker alles andere als schwarz: „Schäden an Bauwerken durch unzureichende Abdichtungen gehören in Deutschland zu den häufigsten und schwerwiegendsten Bauschäden.“

Profis bleiben also gefragt, auch weil sich die Anforderungen ständig ändern – etwa im Hinblick auf Energieeffizienz, Barrierefreiheit oder die Entwicklung immer neuer Abdichtungsstoffe. „Ein Spezialwissen, dass nur in diesem Ausbildungsberuf umfassend vermittelt wird“, ist Göker sicher. Damit das so bleibt, werde gerade das Berufsbild aktualisiert. Wer die Lehre erfolgreich abgeschlossen hat, dem bieten sich mehrere Möglichkeiten der Weiterbildung – zum Fach- oder Vorarbeiter etwa sowie zum Werkpolier.

Auch Denny Wagner schmiedet Zukunftspläne: „Ich will erstmal meine Ausbildung schaffen und dann vielleicht Vorarbeiter werden. Das wäre mein Ziel für die nächsten Jahre.“ Bis dahin gibt es für den 22-Jährigen aber noch viel zu lernen: „Das passgenaue Zuschneiden von Dämmungen fällt mir noch schwer, ich habe es noch nicht ganz raus.“
(Anke Dankers, dpa)

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