Beruf & Karriere

Personalentwicklung wird eine wesentliche Säule in der Funktionsfähigkeit der Kommunen werden. (Foto: dpa)

04.05.2018

"Eine Revolution für Behörden"

Digitalisierung und demografischer Wandel: Öffentliche Verwaltungen stehen vor gewaltigen Herausforderungen

Manche Behörden und kommunale Eigenbetriebe werden in absehbarer Zeit 20 bis 30 Prozent der Beschäftigten aus Altersgründen verlieren. Hinzu kommt ein schrumpfender Arbeitsmarkt und ein weitreichender Innovationsstau. Die Folge: deutlich weniger qualifizierte Fachkräfte, wesentlich vielfältigere Anforderungen. Was tun?

Der Wettbewerb um Arbeitskräfte zwischen Wirtschaft, Verwaltung und dem sogenannten Dritten Sektor mit sozialen Organisationen und Verbänden wird sich wohl zeitnah in einer Form verändern, die sich die Beteiligten heute kaum vorstellen können. Dies hängt untrennbar mit der Dynamik zusammen, mit der die fortschreitende Digitalisierung Arbeitsabläufe, Wertschöpfung und vor allem die Haltung und Erwartungen der Menschen beeinflusst. Angebot und Nachfrage auf dem Personalmarkt werden dadurch mitgeprägt werden.

Bereits heute sind Berufsbilder stark gefragt, die es vor wenigen Jahren noch nicht gegeben hat. Andererseits stehen traditionell geprägte Jobs mehr und mehr zur Disposition. Wenn die Zeit aktuell titelt Wo bleibt die Arbeit und ein Szenario darstellt, wodurch in ein paar Jahrzehnten viele Ärzte oder Anwälte durch weiterentwickelte Technologien ersetzt werden könnten, mag das als Zukunftsmusik erscheinen.

Innerhalb der öffentlichen Verwaltungen wird es sehr viel schneller darum gehen, wie mit knapperen Ressourcen vielfältigere Aufgaben zu bewältigen sind. Als Auswirkung der Digitalisierung ist das bereits in großen und kleinen Wirtschaftsunternehmen zu beobachten.

Insofern ist ein Umdenken gefordert, das gut ausgebildete wie motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter braucht. Netzwerke, Shared Services, mehr Bürgerbeteiligung und Ehrenamt – all dies will koordiniert und organisiert werden. Personalentwicklung wird eine wesentliche Säule in der Funktionsfähigkeit der Kommunen werden, um künftig alle geforderten Aufgaben erfüllen und gleichzeitig dem Anspruch nach mehr Effizienz gerecht werden zu können.

Netzwerke, Shared Services sowie mehr Bürgerbeteiligung und das Ehrenamt müssen koordiniert und organisiert werden

Der Digitalverband Bitkom, seine Mitglieder und der Deutsche Städte- und Gemeindebund hatten im vergangenen Jahr den Wettbewerb „Digitale Stadt“ initiiert, um ein Modellprojekt für eine „digitale Vorzeigestadt für Deutschland und Europa“ aufzubauen. In der Endrunde machte im Juni 2017 Darmstadt das Rennen, qualifiziert hatten sich Heidelberg, Kaiserslautern, Paderborn und Wolfsburg. In einer Präsentation von Bitkom und DStGB zum Wettbewerb heißt es unter anderem: „Digitalisierung bedeutet eine Revolution für öffentliche Verwaltungen.“ Die Erwartungen der Bürger an die Städte würden sich verändern – Lebensqualität, Nachhaltigkeit und besserer Service an Bedeutung gewinnen. Die Digitalisierung biete die Chance, gleichwertige Lebensverhältnisse und mehr Standortqualität für alle und überall zu realisieren.

Dazu sollten Prozesse völlig neu strukturiert und schneller, transparenter und effizienter gestaltet werden. Zugegebenermaßen klingt das arg optimistisch und noch wenig umsetzungsnah. Doch die Zielsetzung gibt eine grundlegende Entwicklung vor, die den Verwaltungen zweifellos bevorsteht – und zwar schneller, als manchen Verantwortlichen lieb ist. Damit dies in umsetzbare Konzepte münden kann, braucht es neue Kompetenzen bei den Beschäftigten, denn mit externen Ressourcen und Beratern alleine kann die „Revolution“ sicher nicht bewältigt werden. Im Hinblick auf die Kultur des öffentlichen Dienstes wäre es ohnehin ratsamer, in Schritten einer Evolution zu denken. Dazu passen vernünftige Personalentwicklungskonzepte, die es umso rascher anzugehen und zu konkretisieren gilt. Ein Blick nach Darmstadt zeigt, dass vor allem die vorhandenen Köpfe über Tempo und Erfolg der Veränderung entscheiden, nicht die schönen Worte und politischen Ambitionen. „Es sind Menschen, die die Digitalstadt prägen und ihr ein Gesicht geben. Vertrauensvoll und in der Region gut vernetzt, wollen wir gemeinsam die kommenden Projekte erfolgreich gestalten“, so der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Der Weg dahin: Es braucht schnell möglichst klare Anforderungsprofile, wie die Arbeitsplätze der Zukunft im konkreten Fall auszusehen haben, wenn die Themen Automatisierung und Digitalisierung ernst genommen werden. Bestehende Arbeitsplatzbeschreibungen sind ein guter Ausgangspunkt dafür. Dazu sollten Ist-Kompetenzprofile der vorhandenen Beschäftigten erstellt werden. Eine seriöse Prognose der altersbedingten Abgänge für die kommenden Jahre und die systematische Erfassung der entsprechenden Stellenprofile schließt sich an. Von der anderen Seite her, also Top-down, müssen die strategischen Anforderungen und Schwerpunkte definiert werden, auf die die Verwaltung sich zubewegt. Entsprechend kann auch der Personalentwicklungsbedarf ermittelt werden. Maßnahmen wie ein systematisches Aus- und Fortbildungskonzept können darauf aufsetzen und die Akquisition externer Kräfte begleiten. (Frank Beck)

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Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler und Jäger

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