Beruf & Karriere

Piloten werden verzweifelt gesucht. (Foto: dpa)

20.10.2017

Fluglinien droht Fachkräftemangel

Kommerzielle Airlines und andere technisch orientierte Branchen suchen die gleichen Talente wie die Geschäftsluftfahrt

Erfahrene Wartungstechniker, Piloten und Disponenten sind in der Geschäftsluftfahrt (rund 87 000 Angestellte in Europa) die Positionen, die besonders schwer zu besetzen sind. Die deutlich größere, kommerzielle Luftfahrt mit rund zwei Millionen Angestellten fragt vergleichbare Profile mit wachsender Tendenz nach. Jetzt zeichnet sich ein Fachkräftemangel ab.

„Im Allgemeinen wird die Geschäftsluftfahrt von potenziellen Mitarbeitern als überaus attraktiver Arbeitgeber beurteilt“, sagt Christian Weiss, Autor einer entsprechenden, aktuellen Studie der Korn Ferry Hay Group aus Frankfurt am Main. So schätzten viele Talente Karriereperspektiven (37 Prozent denken, dass sie dies vor allem oder mehr in der Geschäftsluftfahrt finden, 23 Prozent in der kommerziellen Luftfahrt), Gehalt (Geschäftsluftfahrt: 59 Prozent zu kommerzielle Luftfahrt: zwölf Prozent), Aufgabenvielfalt (48 : 22 Prozent), Anspruch der Arbeit (39 : 19 Prozent) aber auch die Work-Life-Balance (36 : 22 Prozent) als besser ein als in der kommerziellen Luftfahrt. Das passe gut zur Erwartungshaltung vieler Kandidaten, die in ihrer Top 3 der wichtigsten Eigenschaften ihres künftigen Jobs die Work-Life-Balance (sehr wichtig: 56 Prozent), Karriereperspektiven (55 Prozent) sowie fachliche und überfachliche Entwicklungsmöglichkeiten benannt haben (51 Prozent).

Selbst die Champions der Branche sind viel zu wenigen bekannt

Eine große Herausforderung für die Geschäftsluftfahrt sei es jedoch, mögliche Kandidatinnen und Kandidaten überhaupt für ihre Branche zu interessieren. „Die großen kommerziellen Fluggesellschaften werben am Markt sehr intensiv, professionell und sichtbar um neue Mitarbeiter auf allen Ebenen“, sagt Weiss. Spreche man Talente auf die Geschäftsluftfahrt an, so würden sich zwar gute Image-Werte ergeben. Die Bewerbungen fänden aber zumeist doch den Weg in die internationalen Luftfahrtkonzerne, da selbst die Champions der Branche einem viel zu kleinen Publikum bekannt sind. „Die Branche muss darum viel intensiver um Bewerbungen werben, als sie es bisher macht. Ich empfehle, dies als konzertierte Aktion der ganzen Geschäftsluftfahrt zu tun. Denn die einzelnen Anbieter sind in den meisten Fällen zu klein, um zielführend allein werblich tätig zu werden. Dies ist eine Herausforderung, die wir auch bei vielen anderen mittelständisch geprägten Branchen und Segmenten sehen“, so Weiss.

Sind Talente rekrutiert, wird es Weiss zufolge für die Geschäftsluftfahrt schwierig, diese auch zu halten: „Wir haben im Rahmen unserer Untersuchung die Ergebnisse zum Arbeitgeber-Image mit Insidern aus der Industrie besprochen. Die Erwartungen zukünftiger Mitarbeiter sind teils falsch.“ Insbesondere Work-Life-Balance und Karriereperspektiven seien laut dieser Experten in der Realität anders als von potenziellen Arbeitnehmern eingeschätzt. „Die Branche bietet hingegen viele Vorteile, die nicht bekannt sind. Aufgrund der zumeist kleinen Unternehmen erhalten junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon frühzeitig eine gehörige Portion Verantwortung. Dies gilt es in den Mittelpunkt der Kommunikationsaktivitäten zu stellen. Im Bereich Training und Weiterbildung müssen die Arbeitgeber zudem ein attraktives Angebot machen. Bei der hohen Nachfrage nach Fach- und Arbeitskräften, kann es sich die Geschäftsluftfahrt nicht leisten, bereits hart rekrutierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszubilden und danach wieder ziehen zu lassen“, sagt Weiss.

Zur Geschäftsluftfahrt gehören laut Weiss unter anderem Privat- und Firmenflugzeugbetreiber, teils im Eigentum der Konzerne, Service- und Wartungsanbieter sowie die Hersteller der Geschäftsflieger. (BSZ)

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