Reisen

Familie vor den Zwillingsruinen Eisenberg und Hohenfreyberg. (Foto: Michael Schinharl)

12.04.2018

Baden, radeln, staunen und genießen

Märchenhafter Familienurlaub im Südlichen Allgäu

Ich will zu Micky Maus!“ Mit diesem Wunsch lag uns unsere Kleine schon seit Monaten in den Ohren. Seit unsere Tochter in einem Bildband zufällig ein Foto von Schloss Neuschwanstein gesehen hatte, war es mit der Ruhe in den eigenen vier Wänden vorbei.

Mittlerweile ziehen leuchtend grüne Wiesen, goldgelbe Löwenzahnreihen und ein gewaltiges Bergpanorama am Autofenster vorbei, hin und wieder kuschelt sich ein wie zufällig in der Landschaft drapiertes Kirchlein an einen der sanften Hügel. Die sechs Dörfer des Südlichen Allgäus kommen auf rund 9800 Einwohner, da könnte es glatt mehr Kühe geben. Ein Sommerurlaub inmitten von Bauernhöfen, Badeseen, Burgruinen und Micky Maus gleich um die Ecke.
Unsere Tage passen sich dem Rhythmus der Berge an – umgeben von der Ewigkeit hat man plötzlich eine Menge Zeit. Während die Kinder unseren Ferienbauernhof unsicher machen, helfen, die Tiere zu versorgen, oder tollkühne Strohschlachten veranstalten, genießen wir das ausgedehnte Frühstück an der frischen Luft und entlocken der Hausherrin Ausflugstipps für den Nachmittag. Für den Forggensee, einem von über 50 frei zugänglichen Badeseen und Weihern im Umkreis von nur 15 Kilometern, lassen wir uns sofort begeistern.

Das Wasser glitzert türkis in der Sonne, das gegenüberliegende Ufer, eingerahmt von den mächtigen Gipfeln der Ammergauer und Allgäuer Alpen, scheint meilenweit entfernt. Schließlich ist der Forggensee – zwölf Kilometer lang und drei Kilometer breit – der fünftgrößte See in Bayern. Allzu lang können wir seinem Lockruf an diesem strahlenden Sommertag nicht widerstehen. Zum Trocknen strecken wir uns auf der Wiese aus, beobachten die Segler und Windsurfer, entdecken die großen Ausflugsschiffe, von denen die Bäuerin erzählt hat – und tauschen flugs die Bade- gegen die Sporthose.

Mehrere hundert Kilometer Spazier- und Wanderwege führen durch das Südliche Allgäu und das flächendeckende Radwegenetz hält über 100 Tourenvorschläge bereit – nicht umsonst zählt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club die Gegend zu den schönsten Radregionen Deutschlands. Wir entscheiden uns für die kinderleichte Variante: Die Forggensee-Runde führt flach am Ufer entlang, rechts sattes Grün, links spiegeln sich ein paar Wölkchen im See, die majestätischen Berge sind bald zum Greifen nah. Als unsere Tochter bei einem Eis-Stopp in Rieden dann tatsächlich einen Blick auf ihr geliebtes „Micky Maus-Schloss“ Neuschwanstein erhascht, ist sie so aus dem Häuschen, dass ihre letzten Energiereserven schlagartig verpuffen. Aber zum Glück lassen sich von den 32 Kilometern rund um den See einige wegmogeln. Wir bugsieren unsere Leihräder auf die MS Allgäu und lassen uns entspannt zurückschippern.

Wir wollen hoch hinaus, aber auch tief hinein in die Natur – schließlich sind wir im Südlichen Allgäu, in einem Fleckchen Bayern wie aus dem Bilderbuch. Königsloge nennen sie das hier. Denn in der sanften, märchenhaften Landschaft gibt es auf 800 Metern Höhe kaum Bäume, nichts verstellt den freien Blick aufs Alpenpanorama, auf die Königsschlösser und Seen. Mit unserer kostenlosen Gästekarte bringt uns der Bus bequem nach Seeg und der kleine Fußmarsch hoch zur Alpe Beichelstein wird prompt belohnt: Wir bewundern den Hopfensee aus der Vogelperspektive und bestaunen die malerische Hügellandschaft rund um die Gemeinden Eisenberg, Hopferau, Rieden, Roßhaupten und Rückholz, die von den beeindruckenden Zwillingsruinen Eisenberg und Hohenfreyberg bewacht werden. Als wir dann auch noch die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau erspähen, ist klar: Hier haben wir unseren ganz persönlichen Logenplatz in der Natur gefunden.

Das Honigdorf Seeg

Zurück im Dorf lockt ein süßes Versprechen. Seeg ist das Honigdorf im Südlichen Allgäu – und das erste in ganz Bayern. In den blühenden Bauerngärten rund um den hübschen Zwiebelturm der Pfarrkirche St. Ulrich explodieren die Farben, der Duft tausender Blumen liegt schwer in der Luft. Warum Bienen sich hier besonders wohl fühlen, lernen die Kinder in der modernen Erlebnisimkerei – Teil eines bundesweit einmaligen Pilotprojekts. Im großen Schaubienenhaus krabbelt und wuselt es unermüdlich, der Bienen-Erlebnispfad führt sogar zu einem eigenen Bienenspielplatz. Unseren Sohn können wir am Ende nur mit der Aussicht auf einen saftigen Honigschinken davon abhalten, gleich dazubleiben und auf der Stelle den Beruf des Imkers zu ergreifen.

Das Töchterchen dagegen fiebert anderen großen Momenten und einem ganz Großen entgegen. Sommerrodelbahn und Baumkronenpfad, mit der Bergbahn hinauf zum Gipfelkreuz, wo doch glatt ein vorwitziges Murmeltier hinter einem Felsvorsprung hervorlugt Endlich ist es soweit. Das Märchenschloss Ludwigs II. ist in greifbare Nähe gerückt. Die steilen Felswände, die hellen Kalkstein-Fassaden, die schlanken Türme: einmalig. Selbst die Könige und Ritter, die Dichter und Liebespaare, die auf Bildern die Räume Neuschwansteins bevölkern, beflügeln die Fantasie. Da macht es dann auch nichts mehr, dass Micky Maus gar nicht da ist. (Martina Kohler)
www.suedliches-allgaeu.de

(Schloss Neuschwanstein und Schloss Hohenschwangau. Unterwegs mit dem Rad im Südlichen Allgäu - Fotos: Friedrich H. Hettler)

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