Reisen

Die Celsus Bibliothek von Ephesus. (Foto: Mayring)

05.12.2017

Zum Sonnenuntergang nach Santorin

Auf einer Schiffskreuzfahrt die sagenumwobene Inselwelt der Ägäis entdecken

Die Ägäis, das tiefblaue Meer, das die griechische und türkische Küste umspült, war Schauplatz dramatischer Mythologie. Vor allem auf den zahlreichen Inseln, mal bewohnt, mal menschenleer, haben sich antike Tragödien abgespielt, wurden Götter und Heilige verehrt und Könige grausam ermordet. Dennoch zieht die sagenumwobene Welt der Ägäis heute wie vor Tausenden von Jahren die Menschen an. Das azurblaue Wasser, das unvergleichlich helle Licht und vor allem die Beständigkeit der Winde schaffen die Voraussetzungen für einen regen Schiffsverkehr zu den Inseln.

Gerade kleinere Schiffe, wie die Celestyal Olympia mit 720 Kabinen bieten eine dreitägige Kreuzfahrt in der Ägäis mit allem Drum und Dran. Von der Kabine, Vollpension, Unterhaltungsprogramm, Fitness und Massagen kann man es sich zwischen den Landausflügen gutgehen lassen. Doch im Mittelpunkt stehen die Besichtigungen. Zweimal am Tag wird aus- und eingeschifft, was dank der professionellen Arbeit des Schiffspersonals reibungslos verläuft.

Mit der Partyinsel Mykonos, wo jährlich zwei Millionen Touristen Urlaub machen, beginnt das Ausflugsprogramm. Auf einem Inselrundgang, vorbei an den chicen Boutiquen und Cafés sind neben den gepflegten Sandstränden auch die berühmten Windmühlen auf den Anhöhen der Insel nicht zu übersehen. Vom starken Wind dort oben wurden sie schon vor rund 400 Jahren angetrieben, wodurch das Mehl gemahlen werden konnte. Wer sich für ihre Geschichte interessiert, kann das Mühlenmuseum besuchen. Sehenswert sind auch die typischen, strahlend weißen Häuser und Villen. Mit den Flachdächern, kleinen Balkonen und Erkern erinnert die Architektur an den Orient.

Wallfahrtsort Patmos

Auf dieser Inselhopping-Tour wird wie im Bilderbuch umgeblättert. Denn nur ein paar Stunden später geht die Celestyal an der türkischen Ägäis in Kusadasi vor Anker. Das antike Ephesus steht auf dem Besichtigungsprogramm. Einst galt es als größte und bedeutendste griechische Stadt in Kleinasien. Erdbeben und witterungsbedingte Schäden haben der Architektur stark zugesetzt. Aber heute akribisch restauriert und wiederhergestellt erinnern die Tempel, Theater und Wohnhäuser an die Römerzeit des 2. Jahrhunderts nach Christus.

Ein archäologischer Höhepunkt ist die 1908 bei Ausgrabungen entdeckte Celsus-Bibliothek. Perfekt restauriert, ist sie heute das musikalische Mekka für berühmte Orchester, Pianisten und Opernsänger, die vor der antiken Kulisse ihr Repertoire präsentieren.

Zwischendurch, während der Ruhepausen an Bord, heißt es entweder mit einem Cocktail in der Hand den Wellen zuzusehen oder, wer sich angemeldet hat, dem Kapitän des Schiffs einen Besuch abzustatten. Kapitän Stathis Romeos, der seit 40 Jahren hinter dem Steuerrad steht, ist zusammen mit seiner Crew von fünf Offizieren und 20 Helfern verantwortlich für den richtigen Kurs. Ruhig, aber bestimmt gibt er nur wenige Befehle und bleibt im Hintergrund. Aber seine Ruhe und Erfahrung wirken überzeugend, dass der Kurs auf der Celestyal Olympia stets gehalten wird.

Der nächste Hafen auf der Route heißt Patmos, wo sich das Kloster des Heiligen Johannes aus dem Jahr 1088 befindet. Berühmt und als Heiligtum der griechisch-orthodoxen Kirche verehrt, ist die Johannes Grotte, wo der Evangelist aufgrund seiner Visionen die Apokalypse, das letzte Buch des Neuen Testaments verfasste. Holzgeschnitzte Ikonen und Fresken zeigen wie Johannes, der auf Patmos in Verbannung lebte, seine Eingebungen erhielt. Der Blick von den Klostermauern herab auf die kleinen Inseln rundum Patmos strahlt erhabene Ruhe aus. Hier auf der sogenannten heiligen Insel herrscht nur an Ostern große Betriebsamkeit, wenn die Wallfahrer in Scharen zum Heiligtum pilgern.
Im Gegensatz dazu ist auf Kreta das ganze Jahr Saison. Der Palast von Knossos, in dem sich die grausame Sage um das Monster Minotaurus abspielte, übt nach wie vor eine besondere Magie auf die Besucher aus. Hinzu kommt, dass die minoische Kultur, datiert um 2600 v. Chr., als Frühgeschichte der europäischen Kultur zählt. Guide Irini verweist noch auf ein anderes Kapitel griechischer Geschichte aus der Neuzeit. Auf einer Anhöhe von Heraklion befindet sich die Grabstätte von Nicos Kazantzakis, dem Autor des berühmten Buchs Alexis Sorbas. Als Sohn der Insel 1883 geboren, wird er heute noch verehrt. „Ich fürchte nichts – Ich hoffe nichts – Ich bin frei“, so seine Grabinschrift, die vielen Griechen aus der Seele spricht.

Originalrezept für Zaziki

Bevor es auf die Insel Santorin geht, wird eine Lunchpause an Bord eingelegt und der Athener Vasili Ronnliotis, Chefkoch an Bord, stellt sich und seine Crew vor. Ohne Ruhetag zaubert sie für 25 Nationalitäten die Gerichte aus der Küche. „Ich mache das seit vier Jahren hier auf diesem Schiff, nachdem ich in Hotels und Restaurants am Festland gelernt habe“, erklärt er. Seine Mannschaft, die auf 300 Küchenquadratmetern arbeitet, besteht aus 74 Mitarbeitern. Über 1600 Portionen werden tagtäglich zubereitet und serviert. Ronnliotis kocht am liebsten mediterran und lobt dabei auch das gute griechische Öl sowie den würzigen Käse. Und dann lässt er sich noch überreden, sein Zaziki-Rezept zu verraten: „Ein halbes Kilo griechischen Joghurt, geschälte Gurken ohne Kerne dünn schneiden, mit Öl, Salz, Knoblauch und Dill verrühren. Dazu kommt ein Schuss Ouzo und für eine Nacht wird das originale Zaziki dann in den Kühlschrank gestellt.“

Die Insel Santorin im Süden der Kykladen wird vom Schiff aus mit Tenderbooten erreicht. Schon bei der Anfahrt begeistert die außergewöhnliche Lage der ringförmig angeordneten Inselorte. Wie auf den Felsenkamm geklebt liegen die Häuser auf dem Vulkankrater, der gefüllt mit Meereswasser die skurrile Ansicht prägt. Der Ort Oia ist neben seiner speziellen Häuserarchitektur mit gerundeten Dächern, der Aussichtspunkt für gigantische Sonnenuntergänge. Noch strahlt das helle Ägäislicht auf das bunte Dorf. Doch wenn die Sonne untergeht und ihr goldenes Licht in die Ägäis ergießt, dann versinken Zeit sowie Raum und es bleibt Natur pur. (Eva-Maria Mayring)

(Der Palast von Knossos und die Windmühlen von Patmos; Santorin und den dortigen Sonnenuntergang genießen - Fotos: Mayring)

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