Leben in Bayern

Fans der Würzburger Kickers feiern 2016 den Aufstieg ihrer Mannschaft. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

18.05.2017

Hoffen auf das nächste Fußballwunder

Vor einem Jahr stiegen die Würzburger Kickers nach einem Durchmarsch in die 2. Bundesliga auf. Euphorisiert waren nicht nur die Fans. Auch die Stadt hat von dem Erfolg profitiert. Jetzt steht der Klassenerhalt auf der Kippe

Es war ein Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Bundesliga: Die Fußballer der Würzburger Kickers um Trainer Bernd Hollerbach haben vor fast genau einem Jahr am 24. Mai 2016 den Aufstieg perfekt gemacht. Im Moment gibt es aber wenig Grund zum Feiern.

Am Anfang der Saison war die Euphorie riesengroß, in der Hinrunde lagen die Kickers fast durchgängig in den Top acht der Tabelle. Die Rückrunde dagegen fiel katastrophal schlecht aus. Nicht ein einziger Sieg ging auf das Konto der Rot-Weißen. An diesem Wochenende können nur noch ein Sieg gegen den Tabellen-Ersten VfB Stuttgart und sehr viel Schützenhilfe anderer Vereine den Wiederabstieg in die 3. Liga verhindern.

Dafür drücken nicht nur die Fans fest ihre Daumen. Auch die Stadt Würzburg hofft auf das zweite riesengroße Fußballwunder vom Main. Und zwar nicht ganz uneigennützig. "Die Heimspiele der Kickers bringen der Hotellerie und Gastronomie erkennbar mehr Umsatz", sagt Jürgen Ludwig, Marketingleiter der Stadt Würzburg. Konkrete Statistiken dazu gibt es nicht, weil der Reiseanlass nicht erfragt wird.
Klar ist aber: Etwa 40 Prozent der jährlich etwa 11,5 Millionen Tagesgäste kommen aus privaten Gründen. Und in die Kategorie fallen auch die Fußball-Fans. "Das hat ganz sicher einen positiven Effekt."

Mehr Umsatz für Hotellerie und Gastronomie

Zu den Heimspielen kommen jedes Mal etwa 1000 Gäste. Hinzu kommen die Würzburger Fans aus der Region. Das zuletzt immer ausverkaufte Stadion am Dallenberg hat Platz für etwa 12 000 Menschen. Und sie alle bringen bares Geld in die Stadt. Einer Studie für die Stadt Würzburg zufolge lässt ein Tagesgast durchschnittlich 46,50 Euro in der Residenzstadt - für Essen, Trinken, Eintritt, Shoppen. "Da sind auch durch die Spiele der Kickers Effekte da, die sich monetär auswirken", sagte Marketingleiter Ludwig dazu.

Zudem hofft die Stadt auf Folgebesuche der Fans - auch nach einem möglichen Abstieg. "Wir gehen davon aus, dass einige von ihnen durch den Stadionbesuch erkannt haben, wie reizvoll Würzburg ist, und vielleicht ein zweites Mal für eine Städtereise zu uns kommen." Nicht zu unterschätzen sei zudem die bundesweite Berichterstattung über die Spiele der Kickers. "So wird Würzburg als Spielort und potenzielles Reiseziel erwähnt und insofern im Bewusstsein potenzieller Gäste verankert", sagte Ludwig weiter. Übernachtungsgäste lassen übrigens durchschnittlich 167,80 Euro in der Stadt.

Der Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga hat außerdem Bewegung in die Vereinslandschaft der Region gebracht. Beim Sportverein FC Würzburger Kickers e.V etwa haben sich die Mitgliederzahlen mehr als verdoppelt - von rund 800 im Jahr 2015 auf nun auf etwa 1700 -, wobei rund 400 davon von einer Vereinsfusion kommen.

Lust auf Fußball: Immer mehr Nachwuchs für die Würzburger Kickers

Das hat natürlich Auswirkungen - auf die Kickers und auf andere Vereine. Denn es gibt auch eine Verschiebung der Mitglieder - von den kleineren Vereinen zum "großen" FC Würzburger Kickers. "Talentierter Nachwuchs wandert lieber ab, weil er sich bei einem in der Bundesliga spielenden Verein natürlich mehr Zukunft erwartet - berechtigterweise", sagt der Vizepräsident des Verbandes der Würzburger Sportvereine, Rainer Griebl.

Auf so viel mehr Menschen mit Lust auf Fußball können die Kickers allerdings gar nicht schnell genug reagieren. "Die Folge ist, dass auch Trainingsflächen fehlen, wenn immer mehr Nachwuchs kommt. Das ist eine sehr schlechte Situation zur Zeit", schildert Griebl. Die Kickers fusionierten auch deshalb derzeit mit anderen Vereinen der Region. So komme der Verein zu mehr Trainingsflächen, und der zweite Verein muss den Unterhalt für die Plätze nicht mehr allein stemmen.

Der Erfolg der Kickers hat noch ein weiteres Thema in Würzburg vorangebracht: die Suche nach einem neuen Stadion. Der Stadtrat hat mittlerweile beschlossen, dass nach einem neuen Standort gesucht werden soll. Daran ändert auch der mögliche Abstieg zunächst nichts. In das neue Stadion sollen dann etwa 20 000 Leute passen. Die Stadt beteiligt sich mit den Kosten für die Standortsuche und die Infrastruktur. Den Neubau will die Kommune dagegen nicht mitfinanzieren. Der kostet Schätzungen zufolge etwa 36 Millionen Euro.

Egal, wie es am Wochenende ausgeht - ob Abstieg in die 3. Liga oder denkbar knapper Klassenerhalt in der 3. Bundesliga - die Kickers haben Bewegung in die Stadt gebracht. Und sie haben gezeigt, dass Würzburg mehr kann, ist Griebl vom Dachverband der Sportvereine in Würzburg überzeugt. "Die Stadt war immer ein bisschen im Dornröschen-Schlaf, was den Sport angeht. Da sind wir nun ein bisschen wachgeküsst worden." (Christiane Gläser, dpa)

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