Kommunales

Eine regelmäßige Staufalle in Nürnberg: der Frauentorgraben. (Foto: DDP)

23.04.2010

Auch ohne Umweltzone Bayerns sauberste Großstadt

Nürnberg möchte weiterhin die Altstadt für den Verkehr offen halten

Nürnberg gilt als die sauberste Großstadt Bayerns und schlägt München und Augsburg um Längen – ganz ohne Umweltzone. Selbst in die touristisch und geschäftlich attraktive Altstadt innerhalb der Stadtmauern kann jeder mit seinem Auto, ob mit oder ohne die rote, die gelbe oder grüne Umwelt-Plakette, hineinfahren – und dennoch hält sich die Belastung der Luft durch Feinstaub, Rußpartikel und Stickoxyde in Grenzen. Jedenfalls in den Grenzen, die seit dem 1. Januar 2005 für ganz Europa gelten und die die Länder und vor allem die Kommunen verpflichten, zumindest die Belastung mit Feinstaub und den Rußpartikeln aus den Dieselmotoren unterhalb von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesschnitt und 40 Mikrogramm im Jahresschnitt zu halten.
Zwar hat sich auch der Nürnberger Stadtrat für eine Umweltzone entschieden, hat aber die Plakettenverordnung von Anfang ausgesetzt. Das ist umstritten und führte jetzt dazu, dass in einer öffentlichen Veranstaltung das Pro und Kontra einer Umweltzone in Nürnberg diskutiert wurde. Dabei trafen auf dem Podium der Umweltreferent der Stadt, Peter Pluschke, und der Verkehrsexperte vom „Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland“ (BUND), Werner Reh, aufeinander, in ihren Argumentationen jeweils unterstützt oder angegriffen von Verbänden, Umweltinitiativen und Bürgervereinen im Publikum.
Warum man in der Industrie- und Gewerbestadt Nürnberg ohne Umweltzone auskommt, führt der Umweltreferent darauf zurück, dass man mit einer Reihe anderer Möglichkeiten, die „noch viel nachhaltiger“ seien, ans selbe Ziel, die Einhaltung der Grenzwerte, gekommen ist. Pluschke nannte als Beispiele die „Optimierung der öffentlichen Verkehrsmittel“, den Ausbau und die Verbesserung der Radwege und die „Verschlankung des Fuhrparks der Stadt“, die Modernisierung der Kraftfahrzeuge und eine bessere Logistik für den Lieferverkehr.
„Unser Mobilitätsmanagement ist intelligenter geworden“, sagte Pluschke und verwies stolz darauf, dass nicht zuletzt deswegen Nürnberg jetzt unter den letzten sechs Städten ist, die im Wettbewerb um den Titel „Umwelthauptstadt Europas“ stehen. Und er spitzte sein Plädoyer für viele kleine Umweltschritte sogar noch zu, als er darauf hinwies, dass die Einführung von Umweltzone nur allzu leicht als Alibi hergenommen werde, sich nachhaltigere und effektivere Maßnahmen gar nicht erst einfallen zu lassen.
Hier widersprach ihm Werner Reh vom BUND vehement: Vom Beispiel Nürnberg gehe „ein falsches Signal“ aus, weil andere Städte jetzt darauf verweisen können, in Nürnberg käme man doch auch ohne Umweltzone aus und man könne ja bei Überschreitung der Grenzwerte kurzfristig auf partielle Sperrungen für den Autoverkehr zurückgreifen. Vielmehr gehe es darum, mit den „sichtbaren und spürbaren Umweltzonen“ auch ein öffentliches Umweltbewusstsein zu schaffen; zumal die Richtlinien noch kleinere, aber für das Klima weitaus gefährlichere Feinstaubpartikel gar nicht erfassten. Ganz abgesehen davon, dass sie die Stickoxde und den CO2-Ausstoß nicht berücksichtigen und willkürlich festgelegt worden seien.
Aber als aus dem Publikum die Frage nach der Wirksamkeit der so genannten Abwrackprämie kam, waren sich die Kontrahenten auf dem Podium sofort einig: Umweltzone hin oder her – für die Umwelt brachte die gar nichts, obwohl sie die Chance geboten hätte, genau für deren Schutz etwas zu tun.

(F. J. Bröder)

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