Kommunales

Die Bahnstecke Nürnberg-Pegnitz ist eine wichtige Verbindungsachse von der Metropolregion Nürnberg in Richtung Oberfranken, Sachsen und Tschechien. (Foto: Wraneschitz)

26.04.2013

Ausgebremste Zugverbindung

Überalterte und sanierungsbedürftige Strecken behindern den Bahnverkehr in Franken

Wenn die Deutsche Bahn AG Journalisten rät, zu einem Pressetermin „mit dem eigenen Auto anzureisen“, dann gibt es meist größere Probleme. Kürzlich war ein solcher Auto-Vor-Ort-Termin im wildromantischen Pegnitztal in der Hersbrucker Schweiz. Seit dem 12. April ist eine Eisenbahnbrücke nahe dem mittelfränkischen Dorf Rupprechtstegen für jeglichen Zugverkehr gesperrt. Bahn-Reisende zwischen Nürnberg und Neuhaus/Pegnitz müssen Verspätungen einplanen. Auf dieser wichtigen Strecke fahren alle dieselbetriebenen Züge zwischen Nürnberg und Hof, Dresden, Bayreuth, Marktredwitz und Eger.
Auf den 20 Fahrbahn-Längsträgern dieser Brücke liegen die Schwellen auf. Jeder ist 3,60 Meter lang, 20 Zentimeter breit und 45 Zentimeter hoch. Und an einem fehlt ein gut 100 Kilogramm schweres Stahlstück. Die Besonderheit der Träger, die aussehen wie ein doppeltes T: Sie wurden schon 1890 gewalzt. Die ebenfalls eingleisige Parallelbrücke – sie stammt aus den 1920er Jahren – muss nun den Verkehr in beiden Richtungen bewältigen. Die Verspätungen entstehen, weil es zwischen den Stationen Vorra und Neuhaus auf elf Kilometern keine einzige Weiche mehr gibt. Dabei ist die Bahnstecke Nürnberg-Pegnitz eine wichtige Verbindungsachse von der Metropolregion Nürnberg in Richtung Oberfranken, Sachsen und Tschechien, „mit großer wirtschaftlicher Bedeutung“, wie das bayerische Verkehrsministerium betont.

"Ganz klar ein Ermüdungsbruch"


„Elf Kilometer sind nicht unüblich lang“, erklärt dazu Sirko Kellner, Produktionsstandortleiter Nürnberg bei der DB Netz AG. Die ist für die Fahrwege verantwortlich. „Es ist ganz klar ein Ermüdungsbruch. Das rausgebrochene Teil liegt dort sicher schon länger. Doch seien weder bei der alle drei Jahre stattfindenden Routineuntersuchung Bahnmitarbeiter darauf gestoßen. Und selbst bei der Überfahrt durch den Gleismesszug war noch alles in Ordnung. „So ein Schadensbild habe ich noch nicht geschehen“, staunt Kellner. Ein bestellter Gutachter wird in den nächsten Wochen zunächst sechs baugleiche uralte Pegnitz-Brücken begutachten. Dann erst sind die anderen, etwas neueren 26 Bauwerke dran. Im Sommer sollen alle Expertisen fertig sein, heißt es.
Bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) ist man weder über den Schaden noch über die unklare Brückenzukunft begeistert. Denn immerhin hat die BEG den gesamten Nahverkehr auf dieser Strecke bestellt. Doch „beim Thema Brücken haben wir keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Denn Verkehrswege sind Bundesaufgabe“, erklärt BEG-Chef Fritz Czeschka. Wobei für ihn Stahlbrücken im Pegnitztal einen großen Vorteil hätten: „Die Elektrifizierung Nürnberg-Hof wäre leichter möglich. Und die ist aus bayerischer Sicht dringend wünschenswert.“
Zurzeit werden in Bahn-Werkstätten zwei Stahlträger produziert. Die Träger auszutauschen, kostet jeweils etwa 50 000 bis 80 000 Euro. Um die neuen Träger zu montieren, müssen die Gleise komplett abgebaut werden. Sonst kommen die Arbeiter nicht an die Nieten heran, welche die Stahlteile miteinander verbinden. Doch steht bis dahin nur ein Gleis durchs Pegnitztal zur Verfügung. Die schnellen Expresszüge fahren so lange nicht über Bayreuth, sondern werden über Bamberg umgeleitet.
(Heinz Wraneschitz)

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