Kommunales

Um die Einrichtung des Rettungshubschraubers gab es jahrelangen politischen Streit. (Foto: DAPD)

01.03.2013

Bayerns Luftrettungskarte ist vollständig

Dinkelsbühl wird Standort des neuen Rettungshubschraubers für das südwestliche Mittelfranken und das nordwestliche Schwaben

Der letzte weiße Flecken auf der bayerischen Luftrettungskarte ist endlich geschlossen: Der neue Rettungshubschrauber zur Versorgung des südwestlichen Mittelfrankens und zum kleineren Teil des nordwestlichen Schwabens wird in Dinkelsbühl, konkret im Ortsteil Sinbronn, stationiert. Seine Bereitstellung war dringend notwendig geworden, denn das betroffene Gebiet ist weder von Augsburg noch von Ingolstadt oder Nürnberg gut erreichbar. In der Regel deckt nämlich ein rettungshubschrauber nur einen Radius von rund 60 Kilometern ab. Das wurde auf besonders tragische Weise deutlich, als sich im Mai 2012 eine Frau im Landkreis Ansbach bei einem Verkehrsunfall schwer verletzte und schließlich verstarb, weil keiner der angeforderten Rettungshubschrauber aus den umliegenden Luftrettungszentren zur Verfügung stand.
Außer Dinkelsbühl waren auch Donauwörth und Gunzenhausen als Standorte im Gespräch gewesen. Alle betroffenen Kommunalpolitiker hatten gute Gründe angeführt, ihr Territorium zu präferieren. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stand unter Druck. Über 30 000 Unterschriften waren in seinem Haus eingegangen und forderten eine Entscheidung, außerdem sah sich Herrmann im Landtag der Kritik von SPD und Freien Wähler ausgesetzt. Die Entscheidung für Dinkelsbühl fiel nach einer umfassenden Anhörung unter anderem von Rettungsdiensten, Feuerwehr und Krankenkassen. Der neue Standort liegt mitten im bisherigen weißen Fleck, überschneidet sich am wenigsten mit dem Einsatzradius der bereits vorhandenen Rettungshubschrauber. Das entscheidende Kriterium sei aber, so Herrmann, der betriebswirtschaftliche Aspekt gewesen. Ohnehin kostet ein neuer Hangar mindestens zwei Millionen Euro, hinzu kommen dann noch die jährlichen Personal- und Betriebskosten. Eine Flugminute schlägt mit mindestens 45 Euro zu Buche. Der Hubschrauber selbst verschlingt beim Kaufpreis auch einen siebenstelligen Betrag.
Zuvor hatte der Minister als Notlösung einen der beiden Nürnberger Rettungshubschrauber nach Roth verlegen wollen – und damit bei Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) Empörung ausgelöst: „Das wäre qualitativ eine echte Verschlechterung für unsere Notfallversorgung gewesen“, so der Rathauschef. Ebenfalls gescheitert sind im Vorfeld Verhandlungen des Freistaat mit dem Nachbarbundesland Baden-Württemberger für eine länderübergreifende Lösung. Pikant: Von der jetzigen bayerischen Lösung profitieren auch die Baden-Württemberg – und zwar ohne sich finanziell beteiligen zu müssen.
Die jahrelange Suche nach einem geeigneten Standort für den Rettungshubschrauber war von politischem Streit flankiert. Denn eigentlich war schon 2011 theoretisch alles klar: Ein Fachgutachten kam zu dem Urteil, dass Genderkingen, knapp zehn Kilometer südlich von Donauwörth (Landkreis Donau-Ries) gelegen, der ideale Standort für eine neue Luftrettungsstation sei. Allerdings hatten sich auch die Augsburger Hoffnung gemacht – und bekamen dann tatsächlich wider Erwarten den Zuschlag. Es heißt, sie hätten eben überzeugender vor Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer argumentiert. Stefan Rößle (CSU), der Landrat des Landkreises Donau-Ries, mochte das nicht hinnehmen und forderte seither immer wieder einen weiteren Hubschrauber. Wann er nun aber tatsächlich erstmals fleigt, steht noch nicht fest. (André Paul)

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