Kommunales

Bis 2030 soll Bayern um 440 000 auf 13 Millionen Einwohner wachsen - aber der Großteil werden Ältere sein. (Foto: dpa)

22.07.2015

Bayerns Städtetagschef Maly fordert "Management des Schrumpfens"

Auf seiner Jahresversammlung in Passau debattiert der kommunale Spitzenverband über Probleme des demografischen Wandels.

"Der demografische Wandel lässt sich nicht allein am Schrumpfen ablesen, sondern auch am Wachsen“, sagt der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), auf der Jahresversammlung des Bayerischen Städtetags in Passau, die sich heuer dem Thema "demografischer Wandel" gewidmet hat.
Hintergrund: Während Deutschland bis 2030 laut Studie der Bertelsmann-Stiftung um 500.000 Einwohner schrumpft, soll Bayern um 440 000 auf 13 Millionen Einwohner wachsen. Maly: „Schrumpfen und Wachsen sind Auswirkungen des demografischen Wandels. Schrumpfen und Wachsen liegen in Bayern eng beieinander.“ Schrumpfende Regionen liegen oft nahe neben wachsenden Regionen. Die negativen Folgen von Schrumpfung mit verödeten Dörfern oder brach liegenden Stadtvierteln wirken bedrohlich. Einzelne Städte und Gemeinden, vor allem in Oberfranken, der Oberpfalz oder in Niederbayern haben mit rückläufigen Einwohnerzahlen und den Folgen des wirtschaftlichen Strukturwandels zu kämpfen. Ortszentren veröden, Geschäfte machen dicht; verklebte Schaufenster reihen sich aneinander. Häuser stehen leer und zeigen Zeichen des Verfalls. Alte Fabrikanlagen, die einst das industrielle Herz einer Stadt oder ganzen Region waren, werden abgerissen. 

Eigenanteil von Förderprogrammen lässt
sich in vielen Orten kaum noch aufbringen


Maly: „Die Folgen des Schrumpfens können dramatisch sein. Aber Wachstum allein macht eine Kommune auch nicht zwangsläufig glücklich. Denn Wirtschaftswachstum kann zur Überhitzung, zur Gentrifizierung von Wohnquartieren und zu steigenden Preisen führen. Wachstum an Einwohnern bringt Wohnungsmangel und steigende Immobilienpreise.“ Doch Regionenen mit sinkender Einwohnerzahl und Regionen mit steigender Einwohnerzahl dürfe man nicht getrennt in den Blick nehmen. Demografische Entwicklungen lassen sich erst dann begreifen, wenn man die Zusammenhänge, die kleinräumigen Entwicklungen, das enge Nebeneinander von Wachsen und Schrumpfen betrachtet, ist Maly überzeugt und forderte ein "Management des Schrumpfens".
Sein Stellvertreter, der Dingolfinger Bürgermeister Josef Pellkofer (FW) verweist auf ein weiteres Problem: "Die Haushaltslage macht es einigen Städten und Gemeinden schwer, den Eigenanteil von Förderprogrammen aufzubringen. Eine simple Unterscheidung nur nach Wachsen und Schrumpfen, Stadt und Land bildet den Bedarf nicht ab. Die Bevölkerungsentwicklung spiegelt nicht zwangsläufig die Finanzkraft wider: Wachstum allein macht eine Kommune weder sorgenfrei noch schuldenfrei. Finanzielle Unterstützung trägt dazu bei, die Existenz schrumpfender Städte zu sichern.“ Aber eine Umverteilung innerhalb der kommunalen Ebenen könne das Problem von schrumpfenden oder strukturschwachen Kommunen nicht lösen, warnt der Verbandsvize. Nötig sei vielmehr eine gezielte Regional- und Strukturpolitik der Staatsregierung, damit in strukturschwachen Gebieten Arbeitsplätze entstehen und junge Menschen eine Perspektive haben. (BSZ)

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