Kommunales

Nicht jeder entsorgt Papier und Pappe so, dass auch die Mitbürger noch Platz finden für ihren Müll. (Foto: dpa)

28.12.2017

Begehrter und lukrativer Rohstoff

Ums Altpapier wird immer häufiger zwischen Kommunen und Privatleuten gestritten

Altpapier gilt längst nicht mehr als lästiger Abfall, den jeder bloß loswerden will. Im Gegenteil: Als Sekundärrohstoff lässt sich damit mittlerweile gut Geld verdienen. Nicht nur die Kommunen wollen davon profitieren.

Wenn die Klappe der Tonne zufällt, wird es für manche Leute erst richtig interessant. Denn während viele froh sind, ihr Altpapier los zu sein, gibt es für das vermeintlich unliebsame Material mittlerweile mehrere willige Abnehmer - die mancherorts erbittert vor Gericht darum streiten.

Denn das Papier bringt Geld. Bis zu 160 Euro zahlen Papierfabriken aktuell pro Tonne für Altpapier, das als Sekundärrohstoff längst Hauptbestandteil für neues Papier ist. Obwohl der Altpapierpreis stark schwankt, bleibt die Sammlung, Sortierung und der Verkauf seit einigen Jahren ein Plusgeschäft. Entsprechend gibt es auch in Bayern zahlreiche Akteure, die etwas abhaben wollen von dem lukrativen Geschäft: etwa kommunale und gewerbliche Sammelunternehmen oder gemeinnützige Vereine.

In Bayern eine Million Tonnen jährlich - macht 80 Kilogramm je Bürger


Theoretisch könnte jeder Verbraucher selbst sein Altpapier zu Geld machen - in der DDR besserten so Kinder häufig ihr Taschengeld auf. Zu viel mehr als einem kleinen Taschengeld reicht es aber meist für den Einzelnen nicht, denn nur über die Masse lohnt sich die Sammlung. Der Bürger profitiert allerdings insofern, als dass die Tonnen kostenlos aufgestellt werden, teilweise stehen sogar von unterschiedlichen Sammlern mehrere Gefäße vor den Türen.

Etwas mehr als eine Million Tonnen Altpapier wurden laut Landesamt für Umwelt im Jahr 2016 in Bayern gesammelt. "Pro Einwohner sind das etwas weniger als 80 Kilogramm", sagt Heino Jahn, beim Kommunalverband VKU Vorsitzender der Landesgruppe Bayern in der Sparte Abfallwirtschaft und Stadtreinigung. Seiner Meinung nach ist die Altpapiersammlung, Sortierung und anschließende Vermarktung an sich klar Sache der Kommunen - auch wenn sie dafür über Ausschreibungen mit privaten Unternehmen zusammenarbeiten können. Viele gewerbliche Sammler sehen das anders. 

Tatsächlich ist die Frage, wem das Altpapier gehört, beziehungsweise wer es zu Geld machen darf, rechtlich schwierig. Auch ein Blick in das Kreislaufwirtschaftsgesetz bringt da keine abschließende Klarheit. Im Gegenteil: Mit der vorerst letzten Überarbeitung 2012 wurde alles noch komplizierter. Zwar wurde betont, dass Haushaltsabfälle wie Altpapier grundsätzlich der Kommune zu überlassen sind. Allerdings dürfen auch gewerbliche Sammler sich um die Abfälle kümmern - aber nur, wenn sie dabei nicht das "öffentliche Interesse"? gefährden - beispielsweise den Gebührenhaushalt der Kommune.

 

Abgewiesene Privatsammler ziehen gern vor Gericht

 

Was das wiederum genau bedeutet, ist schwammig formuliert. Obendrein muss laut Gesetz jeder gewerbliche Sammler seine Tätigkeit bei der jeweils zuständigen Behörde anzeigen. "Allein in Bayern waren das mehr als 6000 Anzeigen - für unterschiedliche Abfallarten", sagt Rüdiger Weiß, Sprecher beim Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS). Die meisten betrafen Altpapier oder Altkleider. Etwa fünf Prozent davon wurden zunächst nicht gestattet. "Da hatten wir aber in Bayern fast noch Glück. In anderen Bundesländern waren es deutlich mehr", sagt Weiß. 

Viele der abgewiesenen privaten Sammler wehrten sich vor Gericht. "Da ging es eine Weile hoch her", sagt Weiß. "Mittlerweile sind die meisten Fälle aber erledigt", betont der VBS-Sprecher. "Vielerorts haben sich die Kommunen mit den Unternehmen auch auf vernünftige Rahmenbedingungen geeinigt." Versöhnliche Töne schlägt auch VKU-Vertreter Jahn an. Auch für ihn sind die meisten Streitereien um die Altpapiersammlung vorerst erledigt. "Klar ärgert es uns, wenn wir gegen die privaten Sammler verlieren, aber wir haben ja auch mehrere Fälle gewonnen. Mit den Erlösen aus der Altpapiervermarktung können letztendlich auch die Müllgebühren niedrig gehalten werden."

Eine Gesamtübersicht zu den Entscheidungen in Bayern gibt es nicht. Das schlagendste Argument für Jahn gegen die privaten Sammler: Diese würde ihre Tonnen schnell wieder abziehen, wenn die Erlöse fallen. "Wir kommen unserer Pflicht auch dann nach", betont er. 

Das sei Quatsch, weist VBS-Sprecher Weiß den Vorwurf zurück: "Die Branche hat gezeigt, dass sie auch in Krisenzeiten zuverlässig ist." In den Konkurrenzkampf sind mittlerweile auch Papierfabriken eingestiegen: Sie besorgen sich das Altpapier unter anderem bei Supermärkten einfach selbst. Und der Verband kämpft noch gegen einen ganz anderen Trend: Das immer schlechter werdende Trennverhalten. "Das kommt vor allem daher, dass immer mehr Menschen aus Ländern hier sind, in denen man Trennung gar nicht kennt. Da landet einfach alles in einer Tonne", sagt Weiß. Hier müsse deutlich mehr Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden. In diesem Punkt zumindest sind sich Kommunal- und Privatwirtschaft mal einig. (Elena Koene, dpa)

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