Kommunales

Uwe Täuber, Mitarbeiter der Energieagentur Nordbayern, sagt den Kommunalpolitikern, wo sie konkret Energie sparen können. (Foto: Wraneschitz)

28.03.2013

Begehung mit Schwachstellenanalyse

Beim kostenlosen Coaching zeigen Experten der Energieagentur Nordbayern Gemeindevertretern die vielen kleinen Stromfresser im Ort

Es schneeregnet, es ist kalt, so richtig ungemütlich an diesem Montagmorgen vor der Eichwaldhalle am Ortsrand von Puschendorf im Landkreis Fürth. Vier Männer zieht es geradezu an einen eher warmen, eigentlich fast schon überheizten Ort: den Heizungsraum der Sport- und Freizeithalle in der 2000-Einwohner-Gemeinde. Einer wird den drei anderen gleich erklären, wie sie sich diese mollige Wärme auch in Zukunft noch leisten können: durch viele kleine, aber in ihrer Gesamtheit durchaus effiziente technische Maßnahmen zum Sparen des Energieverbrauchs.
Uwe Täuber ist Mitarbeiter der Energieagentur Nordbayern GmbH. Auf seiner Visitenkarte steht „Staatl. Geprüfter HLK-Techniker, Installations- und Heizungsbaumeister, Energieberater (HWK)“. Seine Funktion hier und heute: Energiecoach, bezahlt durch ein Förderprogramm des Freistaats Bayern. Bürgermeister Wolfgang Kistner (CSU) und Olaf Tobiasch, der geschäftsleitende Beamte im Rathaus, versprechen sich einiges von seinem Besuch an diesem Vormittag. Hausmeister Helmut Hoffmann, der Vierte in der Runde, wird das meiste dann umsetzen müssen.


Zähler häufiger ablesen


Die Gemeindeverwaltung hatte bei der mittelfränkischen Bezirksregierung ihr Interesse bekundet an dem Angebot für ein kostenloses Energie-Coaching, wie es der Freistaat Bayern seinen Kommunen offeriert, zumindest einigen ausgewählten. Und vor ein paar Wochen kam aus Ansbach der Zuschlag, Puschendorf gehörte zu den Vorreiter-Gemeinden Bayerns, die sich überprüfen lassen dürfen. Nun steht der erste Schritt an: Die gemeinsame „Begehung mit Schwachstellenanalyse“, wie es im Amtsdeutsch heißt.
Die Eichwaldhalle ist eine von vier Liegenschaften der Gemeinde. Uwe Täuber geht es bei der Begehung aber nicht nur um die Elektrizität. „Wärme, Strom, Wasser“: Diese drei Bereiche will er sich genauer ansehen. Denn viel stärker als die Strompreise belasten explodierende Heizkosten die Haushalte, ob privat oder öffentlich. Gerade hier sollte die Gemeinde „den Bürgern ein Beispiel bieten“, wie sinnvoll Sparen ist und wie leicht es geht, empfiehlt Berater Uwe Täuber deshalb.
Es sind vor allem dessen kleine Tipps, die die Puschendorfer Energieverantwortlichen beeindrucken. „Der Druck auf der Solarleitung ist 0,7 Bar – die funktioniert aber nur, wenn der Druck so hoch ist, dass das Wasser auch bis zum Dach hochkommt. Die Kollektoren können momentan gar nicht funktionieren!“, stellt er fest. Das Sicherheitsventil der Speicher sei nicht einsehbar, weshalb niemand erkenne, ob Wasser aus dem Heizkreislauf abfließt. Täuber empfiehlt auch: „Die Zähler ein Mal pro Monat ablesen.“ Was bisher nur zwei Mal jährlich geschieht, wie Hausmeister Hofmann kleinlaut zugibt.
Dass eine kaputte Heizungspumpe durch eine neue mit elektronischer Regelung ersetzt wurde, lobt Täuber wiederum ausdrücklich. Doch er rechnet gleich vor: Jährlich könnten mehrere hundert Euro für Strom gespart werden, wenn auch die anderen alten Pumpen durch moderne ersetzt würden. In wenigen Jahren sei das Geld wieder eingenommen. „Aber nur die Pumpe allein austauschen, das reicht nicht. Die ist oft schon nach drei Jahren wieder kaputt.“ Zusätzlich müsse man auch regelbare Ventile an die Thermostate bauen „und die Heizkörper miteinander abstimmen, einen hydraulischen Abgleich durchführen. Das ist schon eine kleine Kunst“, gibt der Haustechnik-Fachmann zu. Den Durchfluss der Fußbodenheizung genau einstellen, das sei dagegen einfacher. Solche Maßnahmen hätten den positiven Nebeneffekt: „Je kälter die Temperatur am Rücklauf, umso besser funktioniert der Brennwertkessel der Heizung. Höchstens 48 Grad Celsius, möglichst aber niedriger“ solle die sein.
Als Bürgermeister Kistner verspricht, „bei der Heizung was mit der Wartung“ zu machen, mahnt Uwe Täuber zur Vorsicht: „Dafür ist nicht jeder Heizungsbauer ausgebildet.“ Positiv bewertet er die Schilder mit der Aufschrift „Licht aus!“ an den Türen der Umkleide- und Duschräume. Noch effizienter wären aber Bewegungsmelder. Die Lampen erlöschen dann nämlich automatisch, wenn niemand mehr im Raum ist. Und Hausmeister Hofmann gibt auch unumwunden zu: „Wenn ich morgens herkomme, brennt manchmal schon noch Licht.“


24 Stunden Stand-by


Auch den Übungsraum der 1998 errichteten Halle selbst nimmt der Energiecoach in Augenschein. Dabei hat er Glück, dass gerade das Dach saniert wird und von innen offenliegt. Wasserschäden nennt Bürgermeister Kistner als Grund, warum die Verkleidung unter der Decke geöffnet ist und Handwerker an den Verbundplatten mit etwa zehn Zentimeter Dämmung herumwerkeln. Dass dabei gleich für 8000 Euro die Beleuchtung auf neue 15-Millimeter-Röhren umgestellt und mit einer Lichtstärkeregelung ausgerüstet wird, wie Kistner anmerkt, das findet auch Uwe Täuber wieder super.
Doch dass im Raum für die Hausaufgabenbetreuung das Radiogerät 24 Stunden pro Tag auf Stand-By steht, damit die Sender nicht verloren gehen, dass die Mikrowelle oder der Computer im Vereinsraum nicht per abschaltbarer Steckerleiste komplett vom Netz getrennt wird – all das prangert Uwe Täuber gleich vor Ort an. In wenigen Wochen wird die Gemeinde alles in seiner schriftlichen Analyse nachlesen und mit dem Energiefachmann nochmals diskutieren können. Denn auch ein Bericht mit konkreten Empfehlungen ist im Energie-Coaching dabei. Puschendorf ist auf einem guten Weg, es gibt aber noch viel zu tun. (Heinz Wraneschitz)

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