Kommunales

Farbige Asylbewerber in Zorneding im Landkreis Ebersberg sitzen vor ihrer Unterkunft. (Foto: Bayerischer Flüchtlingsrat)

02.11.2015

Zorneding: Beleidigung von Migranten kann CSU-Ortsspitze Amt kosten

Die Vorsitzende fühlt sich von Flüchtlingen "überrannt", ihr Vize nannte den farbigen Pfarrer "Neger"

Für seine Äußerungen im Zusammenhang mit Asylbewebern beziehungsweise dem farbigen Dorf-Pfarrer müssen die Vorsitzende der CSU und ihr Stellvertreter im oberbayerischen Zorneding mit personellen Konsequenzen rechnen. Ortschefin Sylvia Boher hatte im Partei-Mitteilungsblatt geschrieben, Bayern werde derzeit von Flüchtlingen überrannt. Es handle sich um eine Invasion. Migranten aus dem afrikanischen Eritrea nannte sie Militärdienstflüchtlinge. Mehrere Mitglieder des CSU-Ortsverbandes traten daraufhin aus der Partei aus. Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) legte Boher den Rücktritt nahe.

Inzwischen ist auch Bohers Stellvertreter Johann Haindl in die Kritik geraten. Als der Pfarrgemeinderat die Wortwahl der CSU-Ortsvorsitzenden und Gemeinderätin missbilligte, bezeichnete Haindl den aus dem Kongo stammenden katholischen Pfarrer als "Neger". Haindl hatte im Münchner Merkur über den Priester gesagt: "Der muss aufpassen, dass ihm der Brem (früherer Pfarrer von Zorneding) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger."

Zwar bedauerte der CSU-Ortsvize die Äußerung als "flapsige Bemerkung". Die oberbayerische CSU-Bezirksvorsitzende und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner schloss dennoch Konsequenzen nicht aus. "Wir prüfen Ordnungsmaßnahmen - von der Rüge bis zur Amtsenthebung", sagte sie dem "Münchner Merkur". Das äußerste Mittel ist nach der Satzung der Parteiausschluss. Landrat Niedergesäß forderte einen personellen Neuanfang im Zornedinger Ortsverband seiner Partei.

Das Erzbistum München-Freising hatte die Äußerungen Haindls als "rassistische Entgleisung" verurteilt. Die SPD-Landtagsfraktion verlangte den Parteiausschluss von Boher und Haindl. CSU-Chef Horst Seehofer müsse ein Machtwort sprechen, sagte der Abgeordnete Florian Ritter: "Alles andere wäre ein fatales Signal an die Stimmung im Land und ein Freibrief für Rechtspopulisten und braune Rattenfänger." (dpa)

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