Kommunales

Mit der neuen Software lässt sich beispielsweise durch die Coburger Ehrenburg spazieren, man kann als Bürger aber auch digital Einfluss auf die Stadtplanung nehmen. Entwickelt wurde das Programm vom Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung. (Foto: Wraneschitz)

14.10.2011

Das Nachbarhaus nach rechts verrücken

Coburg und Fürth nutzen als erste Städte in Bayern ein neues 3-D-Programm im Netz, mit dem Bürger die Stadtplanung begleiten können

Ich stehe mitten in der virtuellen Ehrenburg, drehe mich einmal um die eigene Achse, schaue auf die drei Flügel der ehemaligen Stadtresidenz der Coburger Herzöge. „Herzog Johann Ernst 1543 errichtete die Dreiflügelanlage anstelle eines während der Reformation aufgehobenen Franziskanerklosters“, lese ich in einem aufgeklappten Fenster auf dem 3-D-Bildschirm meines Computers.
„Man kann sich inzwischen mithilfe der Finger auf der Touch-Oberfläche durch das Coburger 3-D-Stadtmodell bewegen“, freut sich Katja Hagmayer von der Stabsstelle für Geoinformation der Stadtverwaltung. Konzipiert wurde es vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung. Mit dem City-Server 3 D wird es erstmalig möglich, 3-D-Stadtmodelle zu nutzen. Zunächst verwendeten Stadtverwaltungen die Software zur Datenhaltung. „Wir haben 40 000 Gebäude mit Texturen, Dächern, Gauben“, erklärt Hermann Huber vom Amt für Vermessung und Geoinformation der Stadt Fürth. Das Programm war erst nur als Ersatz für Pappmaché-Modelle gedacht, als der städtische Modellbauer in Rente ging. Doch dann merkten die Beamten: „Damit können wir auch Planungswege vereinfachen, Entscheidungen auf digitalem Weg verbreiten. Inzwischen versuchen wir, Projekte aufzuziehen, die Konfrontation hervorrufen.“
Ein aktuelles Fürther Thema rund ums Stadtbild ist die Diskussion um den künftigen Einkaufsschwerpunkt in der Innenstadt. Hier wurden die Daten zur Verfügung gestellt. Bürger und interessierte Firmen können sich nun informieren, wie das künftige Ensemble aussehen soll.
Wegen des hohen Datenvolumens sind nur wenige Programme in der Lage, stadtweite 3-D-Modelle in sinnvoller Zeit zu erstellen Aber auch der Preis stimmt. So kommt es, dass Coburg und Fürth in einer Reihe mit Kuala Lumpur, Zürich und Mainz stehen: Auch dort ist das 3-D-Programm bereits im Einsatz. Damit ließen sich im Übrigen auch neue Stromtrassen verständlich darstellen, ebenso geplante Gewerbegebiete, Autobahnen, Eisenbahnstrecken oder Freizeitparks.
Und die Betroffenen könnten leichter ihre Einwände und Alternativen benennen. Es reicht ein normaler Webbrowser, um das 3-D-Modell anzusehen und selber etwas zu ändern. Die mittelfränkische KommunalalliGIS und 3-D-Stadtmodelle werden wohl langfristig verschmelzen. Wäre das nicht toll? Das Haus, das im Nachbargrundstück errichtet werden soll, kann man dann beispielsweise um fünf Meter nach links versetzen und als Kommentar dazu schreiben: „Nur so stimme ich dem Bauplan zu.“ (Heinz Wraneschitz)

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