Kommunales

In Unterfranken herrscht die stärkste Trockenperiode seit 1947. (Foto: dpa)

26.06.2015

Das Trinkwasser wird knapp

Versorgung stößt in Teilen Frankens an ihre Grenzen

Die Gewinnung von sauberem Trinkwasser stößt in Teilen Frankens an ihre Grenzen. Schuld daran ist nach den Worten von Johannes Luers vom Zentrum für Ökologie und Umweltforschung an der Universität Bayreuth der Klimawandel. Dadurch komme es unter anderem zu einer ungleichmäßigen Niederschlagsverteilung und zu längeren Trockenphasen, sagte der Wissenschaftler beim 7. Oberfränkischen Wasserforum auf Schloss Thurnau.

Trotz immer wiederkehrender kurzer aber heftiger Niederschlagsereignisse sei dann Wasserknappheit die Folge. Kanäle könnten dadurch nicht mehr gewässert werden, die Staubbelastung steige an, die Notwendigkeit von Wasserreserven werde wieder wichtiger. „Eigentlich müsste man jetzt neue Stauseen bauen“, sagte Luers. „Doch bauen sie heute mal einen Stausee, wo sie nicht mal eine Stromleitung errichten können“, fügte er an. Insgesamt sei die Wasserversorgungssituation in Oberfranken positiv, so Erich Haussel, der Leiter des Sachgebiets Wasserwirtschaft bei der Regierung von Oberfranken. Er sprach von exakt 498 Wasserschutzgebieten mit einer Fläche von 464 Quadratkilometern. Die Zahl der Wasserversorgungsanlagen bezifferte er auf 416, rund 40 davon hätten aktuell Defizite. Das bedeutet, sie könnten den Tagesspitzenbedarf nicht garantieren oder müssten mit einer dauerhaften Desinfektion betrieben werden.
Die Anlagen, die uneingeschränkt laufen, versorgten aktuell über 900 000 Menschen tagtäglich mit Trinkwasser, was bei rund einer Million Einwohnern in Oberfranken bedeutet, dass lediglich kleinere Anlagen Probleme hätten. Erich Haussel empfahl den Wasserversorgern als Gegenmaßnahme, das Rohrnetz zu überprüfen und gegebenenfalls instantzusetzen, um Verluste zu vermeiden. Außerdem sollten sämtliche Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers umgesetzt werden.

Pro-Kopf-Verbrauch: 125 Liter täglich


Derzeit liege der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser in Oberfranken bei 125 Liter pro Tag und Einwohner. An dieser Zahl habe sich in den zurückliegenden Jahren kaum etwas verändert. Obwohl die Bevölkerung insgesamt abnimmt, könnte es Probleme geben, da die Zahl der warmen und extrem heißen Tage zunimmt und somit auch mehr Wasser benötigt wird.
Wie brisant das Thema Wasser ist, machte Martin Grambow, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im bayerischen Umweltministerium und früherer Leiter des Hofer Wasserwirtschaftsamts, daran deutlich, dass das Thema Wasser sogar in die aktuelle päpstliche Enzyklika Eingang gefunden hatte. Ganz aktuell sei in Bayern ein interessantes Wasserphänomen zu beobachten: Während es im Süden zu viel Wasser gibt, was beispielsweise zu verheerenden Schlammlawinen führt, ist in Unterfranken die größte Trockenperiode sei 1947 zu beobachten. „Wir wissen nicht, ob das der Klimawandel ist. Aber wenn, dann sieht er so aus“, sagte Grambow.
Da sich der Klimawandel hauptsächlich über das Wasser bemerkbar macht, wird er in alle Bereiche unseres Lebens eingreifen. Das beginne im Bereich der Lebensmittelproduktion mit der Situation auf den Agrarmärkten und höre mit dem Auftauchen gefährlicher Gelbfiebermücken in unseren Breiten noch lange nicht auf. Auf eine weitere wichtige Funktion des Wassers in Oberfranken wies Benno Strehler, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Hof, augenzwinkernd hin. Als Land des Bieres exportiere Oberfranken das Wasser sogar, wenn auch in veredelter Form. (Stephan Herbert Fuchs)

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