Kommunales

Der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung wächst kontinuierlich. (Foto: dpa)

31.07.2014

Daseinsvorsorge umbauen

Der demografische Wandel stellt die Anbieter sozialer Dienste vor neue Herausforderungen

Der Umbau der Daseinsvorsorge ist notwendig: Diese Herausforderung müssen sich der Bayerische Bezirketag, aber vor allem die Verantwortlichen in den sieben bayerischen Bezirken stellen. Eine älterwerdende Gesellschaft mit einer stetig sinkenden Zahl jüngerer Menschen erfordert einen Umbau vieler Angebote in unsere Daseinsvorsorge. In den vergangenen Jahrzehnten wurde auch in Bayern ein flächendeckendes Netz von Werkstätten und Förderstätten für Menschen mit Behinderung geschaffen. Neben den Wohnmöglichkeiten in der eigenen Familie stehen diesen Menschen Wohnheime und viele Plätze im ambulanten betreuten Wohnen zur Verfügung.
Doch passt dieses Angebot auch noch für die nächsten zwei Jahrzehnte? Die Inklusionsvorgabe gibt uns die Möglichkeit, auf neue Wünsche und Herausforderungen einzugehen. Auch wenn die Beharrungskräfte in den Bezirken stark sind – die stationären Angebote werden schrittweise an Bedeutung verlieren. Wir wissen bei den Bezirken, dass mit einem enormen Finanzaufwand neue Betreuungsangebote und Wohnmöglichkeiten für die Rentner, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet haben, gebaut und betrieben werden müssen.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Menschen mit Behinderung brauchen jetzt erstmals eine Seniorenbetreuung. Unter Inklusionsgesichtspunkten muss die richtige Balance zwischen Kleinheimen und ambulanter Versorgung erst noch gefunden werden. Die Altenhilfe muss grundlegend geändert werden. Hier erwarten wir uns von der Pflegereform der Bundesregierung neue Impulse aus Berlin. Trotz der gesetzlichen Vorgabe „ambulant vor stationär“ werden weiterhin zusätzliche Pflegeheime gebaut, eröffnet und auch belegt.

Jammern über private Konkurrenz hilft nicht weiter


Die steigenden Heimkosten mit einhergehenden niedrigen Erhöhungsraten bei Renten und Pensionen erhöhen zwangsläufig die Hilfeempfängerzahlen bei den Bezirken. Hier muss politisch die Geriatrie (Altersmedizin) stärker gefördert werden. Das Akut-Geriatrieprogramm hat sich in Bayern zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Auch die somatischen Krankenhäuser stellen jetzt ihr Angebot auf ältere Patienten mit vielen chronischen Krankheiten und einem zusätzlichen Therapiebedarf um. Hier muss auch immer eine Kooperation mit der Neurologie und der Gerontopsychiatrie vereinbart sein.
Diese Vorschriften sind eine Chance, aber auch eine Gefahr für die traditionellen „Gerontopsychiatrie-Abteilungen“ in den bezirklichen Nervenkrankenhäusern. Welche Patienten müssen oder sollen künftig noch in der Spezialabteilung versorgt werden, wenn sie wegen der somatischen Erkrankungen im Akutkrankenhaus auch gerontopsychiatrisch mit betreut werden? Gerontopsychiatrie ist mehr als Alzheimer-Betreuung. Eine Standortbestimmung der Gerontopsychiatrie in unseren Nervenkrankenhäusern sowie die Angebote in somatischen Kliniken und Praxen sind dringend erforderlich.
Leider hat die Gerontopsychiatrie in den bezirklichen Kliniken keine einheitliche Stimme oder ein bekanntes „Gesicht“. Um in der heutigen Gesellschaftsdiskussion bestehen zu können, bedarf es mehr als ein Arbeiten hinter den Krankenhausmauern. Das Jammern über erfolgreiche Aktionen privater oder anderer Klinikträger hilft hier nicht weiter. Wann endlich wacht die bezirkliche Gerontopsychiatrie auf?
Auch der Bezirketag kann hier Unterstützung geben. Mit dieser Thematik könnte sich die nächste Vollversammlung des Bayerischen Bezirkstags im Jahr 2015 befassen. Aber auch die übrigen Krankheitsbilder in den Psychiatrie-Abteilungen müssen der Altersentwicklung angepasst werden. Chronisch psychisch Kranke und Suchtkranke werden älter und passen plötzlich nicht mehr in die „Versorgungslandschaft“ (Tagesstätten, Beschütze Arbeitsplätze, Beratungsstellen).
Konzeptionell sind wir hier erst am Anfang der Entwicklung. Die Altenhilfestrukturen müssen mit der so genannten Psychiatrielandschaft vernetzt werden – ein Weg des gemeinsamen aufeinander Zugehens hat hier begonnen. Die Behandlung der seelischen Gesundheit im Alter ist ein stark wachsender Markt – und deshalb auch hart umkämpft. Die Bezirke müssen darauf achten, dass sie sich hier nicht von anderen Akteuren überholen lassen – die oftmals mit einer geringeren Fachlichkeit, aber mit einer besseren Öffentlichkeitsarbeit punkten.

(Richard Bartsch, Bezirkstagspräsident von Mittelfranken)

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