Kommunales

Der Großraum München wächst in atemberaubenden Tempo – stärker als jede andere Region in Deutschland. Aber eben nicht überall. (Foto: dpa)

16.01.2015

Dem Geheimnis der Boom-Towns auf der Spur

Die TU München will herausfinden, warum sich einige Kommunen im Großraum München sehr gut entwickeln und gleichzeitig andere schrumpfen

Die insgesamt boomende Metropolregion München ist heterogen: Sie reicht von der kosmopolitischen Landeshauptstadt bis zum ländlich geprägten Niederbayern. Wie dort Menschen künftig leben wollen, das untersucht nun eine Studie der Technischen Universität München mit dem Titel „Wohnen, Arbeiten, Mobilität“ – die erste ihrer Art. Aufs Ergebnis sind neben den Kommunen unter anderem auch MVG und die Oberste Baubehörde gespannt.

Der Großraum München wächst in einem Tempo, das eigentlich schon Angst machen kann: Seit dem Jahr 2011 ist die Einwohnerzahl in der Metropolregion um rund 130.000 Menschen gestiegen (das entspricht der aktuellen Einwohnerzahl von Ingolstadt), davon ein Drittel in der Landeshauptstadt. Doch der Boom ist zwischen den 775 Kommunen in der Metropolregion nicht gleichmäßig verteilt, bisweilen liegen schrumpfende, stagnierende und expandierende Gemeinde sogar nebeneinander in einem Landkreis. Während im einen Ort Bauland kaum noch zu finden ist, stehen andernorts zahlreiche Wohnungen leer, die Gemeinde überaltert. Bei etwa vier Fünfteln der Kommunen zwischen Alpen und Donau zeigt die Kurve nach oben, bei rund 20 Prozent herrscht ein negativer Trend.
Vor allem Ingolstadt (keine Stadt wuchs im besagten Zeitraum schneller und das trotz vergleichsweise schlechter ÖPNV-Anbindung), aber auch München oder Rosenheim verzeichneten einen deutlichen Zuzug. In der Region um Augsburg beispielsweise sah es dagegen deutlich entspannter aus. Mittlerweile ist Wohnen im doppelt so großen Augsburg preiswerter als in Ingolstadt – trotz der größeren Entfernung der Audi-Stadt zur Landeshauptstadt und zu den Bergen und Seen. Bei anderen kündigt sich bereits eine überproportional rasante Nachfrage von Auswärtigen an – beispielsweise bei Landshut. Möglicher Pluspunkt der niederbayerischen Hauptstadt: eine urbane Atmosphäre bei gleichzeitig (noch) moderaten Lebenshaltungskosten.
„Wir wollen herausfinden, woran das genau liegt“, sagen die Professoren Alain Thierstein (Raumentwicklung) und Gebhard Wulfhorst (Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung). Ihr wichtigstes Instrument dafür ist eine Online-Umfrage, die sich an alle Bürger richtet, die innerhalb der vergangenen drei Jahre zugezogen sind oder innerhalb der Metropolregion ihren Arbeitsplatz oder Wohnort gewechselt haben. „Uns interessiert, was den Menschen bei der Entscheidung besonders wichtig war – von der Nähe zu einer Haltestelle des ÖPNV über gute Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten bis zu den Wohn- und Mobilitätskosten.“ Um möglichst viele Teilnehmer auf die Website zu locken, stiften die Wissenschaftler zehn iPAD mini.

Langfristige Gewerbeansiedlungs- und Verkehrspolitik

Besonders große Erwartungen hegen natürlich die Gemeindeverwaltungen. Lothar Kapfenberger, bei der Gemeinde Unterföhring zuständig für die Stadtentwicklung, erhofft sich belastbare Zahlen unter anderem für die langfristige Gewerbeansiedlungs- und Verkehrspolitik. „Wir haben derzeit weitere Anfragen von Firmen, vor allem aus der Medien-, aber auch aus der Versicherungsbranche. Allerdings kostet der Quadratmeter Kaltmiete in Unterföhring bereits 14 bis 15 Euro im Monat und die Zahl der täglichen S-Bahnpendler beträgt rund 5000, hinzu kommen nochmals 12.000 Pkw-Pendler.“ Da muss man als Rathaus schon abschätzen können, inwieweit Firmen vor Ort noch Arbeitskräfte finden können.
Jutta Jungwirth, bei der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG verantwortlich für die strategischen Planungskonzepte, bringt es viel, zu wissen, an welchen Verkehrsknotenpunkten in den nächsten Jahren mit besonders vielen Fahrgästen zu rechnen sein wird. Und Stephan Lintner von der Obersten Baubehörde im bayerischen Innenministerium hilft es, den künftigen Bedarf an Straßen oder Schulen lokal genau eingrenzen zu können. Klar sei aber auch: „Es kann nicht überall in der Metropolregion die S-Bahn im 15-Minuten-Takt geben.“ (André Paul)

www.wam.tum.de

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