Kommunales

Martin Wolf ist seit gut einem Jahr Landrat des Landkreises Pfaffenhofen. (Foto: Paul)

31.08.2012

Der Ambitionierte

Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf will seine Kommunen energetisch auf Zack bringen – und hat noch mehr vor

Der Landkreis Pfaffenhofen hat politisch turbulente Zeiten hinter sich. Über zwei Jahre war die Machtfrage ungeklärt. Im Frühjahr 2009 war der erst ein Jahr zuvor neu ins Amt gekommene Josef Schäch (Freie Wähler) vom Dienst suspendiert worden. Er hatte in seiner Zeit als Wolnzacher Bürgermeister ungenehmigte Kassenkredite zu verantworten. Schäch focht einen Rechtsstreit durch alle Instanzen, inzwischen ist er rechtskräftig verurteilt. Doch es dauerte über zwei Jahre, bis zum Sommer 2011, ehe mit Martin Wolf (CSU) ein neuer Kreischef gewählt werden konnte – ein einmaliger Fall in der bayerischen Verwaltungsgeschichte.
Dass Wolf, früher Ortsvorsitzender seiner Partei und Referatsleiter im bayerischen Landwirtschaftsministerium, diesen politischen Turnaround überhaupt schaffen konnte, war zuvor eher unwahrscheinlich. Bei der letzten Kommunalwahl ging es der CSU in Pfaffenhofen nämlich besonders nass rein, Landratsamt und Rathaus der Kreisstadt waren nach jahrzehntelanger Herrschaft verloren – und das in einer der prosperierendsten Regionen des Freistaats. Wohl auch deshalb geht Wolf das gravitätische und honoratiorenhafte mancher seiner Parteifreunde auf Landratssesseln angenehmerweise ab. Ein „Kreisfürst“ ist er nicht, das lobt auch die Opposition im Kreistag. Dass der 56-Jährige mehr Moderierer und Zuhörer sei als harter Entscheider ist freilich auch ein zu hörender Kritikpunkt.


Demografischer Wandel: kein Problem hier


Pfaffenhofen gehört zu den Landkreisen in Bayern, die vom drängendsten Problem bayerischer Kommunen verschont werden: Der demografische Wandel ist kein Thema, im Gegenteil. Die Bevölkerung wächst seit geraumer Zeit um durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr, Bauland in der Region wird immer knapper und teurer. Und seit die Kreisstadt im vergangenen Jahr bei einem internationalen Wettbewerb in Seoul als „lebenswerteste Kleinstadt der Welt“ ausgezeichnet wurde, entdecken auch die an den explodierenden Lebenshaltungskosten in München Verzweifelnden verstärkt die Kommune in der Hallertau.
Und weil auch die Arbeitslosenquote seit Jahren stabil um die 2,0 Prozent pendelt, können sich die Pfaffenhofener ambitionierteren Projekten als dem Existenzkampf widmen. Dazu gehört dann auch manches, wo anderswo die Kämmerer eisern den Rotstift zücken und die Kreisräte nur traurig den Kopf schütteln würden – etwa eine neue Außenstelle des Landratsamtes. Seit diesem Jahr gibt es eine in Vohburg. Das kostet zwar 300 000 Euro zusätzlich im Jahr, doch Wolf ist sicher, das rechnet sich: „Effizienz ist ein Wert, Bürgernähe aber ein anderer.“
Die Menschen im nördlichen Teil des geografisch langgestreckten Landkreises, zu dem Vohburg gehört, gingen deutlich seltener als jene im Süden mit einem Anliegen zum Landratsamt. „Wenn keine Anlaufstelle da ist, komme ich auch nicht auf die Idee, um Rat und Hilfe zu suchen“, verteidigt Wolf die Entscheidung. Obendrein lässt er seinen aus den 1970er Jahren stammenden Amtssitz, einen Ausbund architektonischer Hässlichkeit und „eine energetische Katastrophe“, umfassend sanieren. Mit sechs Millionen Euro an Rücklagen und der zweitniedrigsten Umlage aller Landkreise in Oberbayern sind die Pfaffenhofener gut gerüstet.
Und wenn schon die äußere Hülle des Landratsamtes aufgehübscht wird, dann könne man ja auch die innere Struktur gleich mit verändern, sagte sich Wolf. Die Organisation der Behörde orientiere sich noch viel zu sehr am Aufgabenspektrum vergangener Jahrzehnte – mit der Folge, das bei neuen Aufgaben meist auch neue Stellen geschaffen werden. „Im Schnitt waren es in den vergangenen Jahren 3,5 zusätzliche Planstellen pro Jahr“, verrät der Landrat. „Wenn aber die Einwohnerzahl nur um 0,5 Prozent wächst, dann lässt sich dem Bürger dieser Anstieg nicht vermitteln.“ Seine Antwort: die „in sich selbst bewegliche Verwaltung“. Es müsse viel schneller möglich sein, das Personal hausintern zu Schwerpunktprojekten umzusetzen.


„Abstrakte Ziele bringen bei der Energiewende wenig“


Vorreiter möchten der Landkreis bei der Energiewende sein. „Bis Anfang nächsten Jahres soll jede der 19 kreisangehörigen Gemeinden einen Energienutzungsplan oder einen Klimaschutzplan erstellen“, plant der Landrat in die Zukunft. Außerdem möchte er künftig jedes Jahr eine kommunale Energiekonferenz ins Leben rufen. Dort sollen dann die interessantesten Beispiele vorgestellt und diskutiert werden. „Interessant ist doch eher zu wissen, wie viel Strom oder Wärme eine Gemeinde verbraucht und wie viel davon regenerativ ist, als abstrakten Zielvorgaben nachzuhängen wie jener, dass bis 2030 mindestens 50 Prozent des Bedarfs aus alternativen Quellen gedeckt sein muss.“ Nur immer mehr Photovoltaikanlagen auf Dächern zu errichten sei allein nicht Ausschlag gebend.
Nun überzeugen die Hallertau im Allgemeinen und der Kreis Pfaffenhofen im Besonderen durch Vieles – aber nicht als touristische Destination. Aber auch hier soll sich nach den Worten von Martin Wolf bald etwas ändern. Man wolle zwar nicht unbedingt in die Reihen der klassischen Urlaubsregionen vordringen, aber den Wert als Naherholungsgebiet steigern – gerade für Besucher aus München. Als Vorteile sollen unter anderem die schnelle Erreichbarkeit und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis etwa in der Gastronomie dienen sowie der Umstand, dass die Gegend auch am Wochenende noch nicht überlaufen ist. (André Paul)

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