Kommunales

CSU-Schreck Michael Adam bei seiner Pressekonferenz: „Der Gegner hat keine Fehler ausgelassen.“ (Foto: DAPD)

02.12.2011

Der CSU-Herzensbrecher von der SPD

Michael Adam (SPD) wird in Regen zum jüngsten Landrat Deutschlands gewählt – dabei passt er überhaupt nicht ins niederbayerische Klischee

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatte es sich nicht nehmen lassen, den frischgebackenen Regener Landrat Michael Adam (SPD) persönlich im Rathaus zu begrüßen. Über eine Einberufung ins Kompetenzteam bei der Landtagswahl 2013 sei allerdings nicht beraten worden. „Wir machen keine zwei Jahre Wahlkampf“, versichert die Generalsekretärin der SPD Natascha Kohnen. Diese war dem 26-Jährigen bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl zur Sicherheit zur Seite gestellt worden. Allerdings war Adam bereits drei Jahre Bürgermeister von Bodenmais und daher trotz seines Alters routiniert. „Aus der Landratsnummer möchte ich nicht raus“, versichert er professionell. Sein Zukunftskonzept für den Landkreis gehe bis 2021.
Doch dem niederbayerischen Kommunalpolitiker fliegen nach eigenen Worten aktuell „selbst die Herzen der CSU“ zu. Mit 57,3 zu 42,7 Prozent wurde er in der Stichwahl gegen Helmut Plenk (CSU) zum Nachfolger für den verstorbenen Heinz Wölfl (CSU) gewählt. Dies kann im Bayerischen Wald durchaus als kleine Sensation gewertet werden, da Adam evangelisch und bekennend homosexuell ist. Zudem hatte die CSU im Wahlkampf die erste Niederlage seit 1960 sogar noch mit bundespolitischer Prominenz abzuwenden versucht.
„Überheblichkeit und ein Wahlkampf teilweise unter der Gürtellinie sind der CSU dann aber um die Ohren geflogen“, erklärt Adam. Er habe indes keine „oberbayerische PR-Agentur“ eingeladen und sich stattdessen auf die infrastrukturellen Probleme der Region konzentriert. Jetzt leitet er eine Hälfte von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) Wahlkreis. Inwieweit die Korruptionsvorwürfe gegen Wölfl eine Rolle gespielt haben, lässt sich nicht feststellen. Adam wittert jedenfalls Morgenluft für die Opposition in Bayern. Er spricht von Stimmungswandel und Machtwechsel: „Natürlich wählen jetzt nicht plötzlich alle SPD, aber es sind gute Ausgangsvoraussetzungen.“ Der CSU attestiert er Beissreflexe beim U-Wort – was sich auf Nachfrage als „Ude“ erweist.
Jetzt überschlagen sich für den Regener die Ereignisse: Nur vier Tage nach der Wahl, musste er bereits im Landratssessel Platz nehmen. Außerdem warten Pressekonferenzen und Talkshow-Anfragen auf den jungen Mann. Dort muss der Überflieger bereits Fragen zur dritten Startbahn, zum Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg oder über Rechtsextremismus in Bayern beantworten – nicht eben die alltägliche Materie eines Kommunalpolitikers. Vielleicht muss er sich daran aber auch gewöhnen: „Ich bin schließlich jung genug, dass in meiner politischen Biografie noch viel passieren kann“. (David Lohmann)

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