Kommunales

Undichte Fenster, zu kleine Werkstätten, keine Duschen, mangelnde Lagerfläche: Beim Theater der Fuggerstadt fehlt es fast an allem. (Foto: dpa)

17.04.2015

Der Investitionsstau schlägt zurück

Theater, Bahnhof, Römermuseum: Die Stadt Augsburg wird nach jahrelangem Zögern ihrer nun unaufschiebbaren Baustellen kaum noch Herr

Undichte Fenster, viel zu kleine Werkstätten, schlecht klimatisierte Proberäume, marode Bausubstanz, zu wenige Lagerflächen, fehlende Duschen in den Garderoben: Die Liste der Mängel am Augsburger Theater ließe sich schier unendlich fortsetzen. „Normal müssen solche Gebäude regelmäßig in einem Zyklus von 25 Jahren saniert werden“, sagt Hendrik Euling-Stahl, der als Beauftragter für Baubelange am Theater arbeitet, im Gespräch mit der Staatszeitung.
Das Problem: Am Großen Haus und in den angeschlossenen Gebäuden hat es seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg keine umfassenden Erneuerungen mehr gegeben. Lediglich die Untermaschinerie unter der Bühne sei in den 1980er Jahren saniert worden, sagt Euling-Stahl. Für alles andere fehlte das Geld.
Dieser Investitionsstau fällt der drittgrößten Stadt im Freistaat nun auf die Füße. Denn inzwischen ist das Theater in einem so schlechten Zustand, dass nur noch eine Komplettsanierung hilft. „Hier wäre mit kleineren Schritten überhaupt nichts mehr zu retten“, betont der Baubeauftragte. Schon jetzt würden etliche Bestimmungen zum Beispiel aus dem Bereich Brandschutz nicht mehr erfüllt. Der Spielbetrieb kann nur mit Sondergenehmigungen aufrechterhalten werden.

 

Scharfe Kritik vom Bund der Steuerzahler


Bereits vor dem Baubeginn droht die Sanierung des größten kommunalen Theaters in Bayern zum finanziellen Fiasko zu werden. Vom „200-Millionen-Schock“ schrieb Anfang Februar die Augsburger Allgemeine. Denn bis dahin waren die Kosten für die Instandsetzung auf etwa 100 Millionen Euro beziffert worden. Grundlage war ein Gutachten aus dem Jahr 2009.
In dieser ersten groben Schätzung seien allerdings einzelne Bereiche wie der Bühnenturm, der alleine 36 Millionen Euro kosten soll, noch nicht enthalten gewesen, erläutert Stefan Schleifer vom Augsburger Kulturreferat. Dafür seien genauere Untersuchungen etwa durch Statiker notwendig gewesen. „Damit sind wir jederzeit transparent umgegangen. Von einer Kostenexplosion kann daher keine Rede sein“, sagt er.
Die Stadt rechnet inzwischen damit, dass Investitionen von bis zu 235 Millionen Euro notwendig werden könnten, um das Theater zu erhalten. Woher das Geld kommen soll, ist noch nicht geklärt. Die Stadt stehe dazu im Austausch mit dem Freistaat, sagt Schleifer lediglich. Noch gebe es nichts konkretes zu vermelden. Inzwischen gibt es einen umfassenden Sanierungsplan eines Münchner Architekturbüros. Dieser schließe neben der Komplettsanierung des Großen Hauses auch den Abriss der kleineren Brechtbühne mit ein, erklärt Euling-Stahl. Stattdessen soll ein neuer Multifunktionssaal entstehen, der nicht nur für Theater, sondern auch für andere Veranstaltungen genutzt werden kann. Auch der Trakt mit den Werkstätten soll komplett neu wiedererrichtet werden. Auf Mitte des Jahres 2016 ist der Beginn für das Mammutprojekt angesetzt. Das Theater wird dann jedoch voraussichtlich für vier Jahre in die Augsburger Kongresshalle umziehen.
Das zweitgrößte kommunale Bauprojekt – es läuft seit 2012 – ist der Umbau des Hauptbahnhofs. Ein wichtiger Teil des Konzepts ist ein neuer Straßenbahntunnel, der unter den Gleisen hindurchführen wird. Damit sollen das Umsteigen erleichtert und der Anschluss des Stadtzentrums an den Regional- und Fernverkehr verbessern werden. Die beim Baubeginn veranschlagten 116 Millionen Euro sind allerdings längst nicht mehr zu halten. Inzwischen liegen die geschätzten Investitionskosten bei 143,5 Millionen Euro. „Davon entfallen voraussichtlich als Eigenanteile 37,5 Millionen Euro auf die Stadtwerke Augsburg, 3,1 Millionen Euro auf die Stadt Augsburg und 27,6 Millionen Euro auf die Deutsche Bahn – auf bis zu 75,4 Millionen Euro beläuft sich voraussichtlich die staatliche Förderung von Bund und Freistaat Bayern“, teilt die Stadt mit. Bis zu 40 Millionen Euro könnten noch aufgrund von Kostensteigerungen, Risikopuffer und einer Ablöse an die Bahn hinzukommen. Auch der geplante Fertigstellungstermin des Umbaus hat sich bereits stark verzögert. Statt 2019 visiert die Stadt nun 2022 als Eröffnungstermin an.
Der Bahnhofsumbau ist aufgrund stetiger Kostensteigerungen bereits mehrfach vom Steuerzahlerbund als Verschwendung von Steuergeld angeprangert worden. Kostengünstigere Varianten würden nicht ernsthaft geprüft, hieß es beispielsweise im Schwarzbuch 2011. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) warf dem Präsident des bayerischen Steuerzahlerbundes, seinem Parteifreund und Augsburger Stadtrat Rolf von Hohenhau vor, eine Fehde gegen das Verkehrsprojekt zu führen. Dieses sei wirtschaftlich notwendig und die Kritik nicht nachvollziehbar. Forderungen nach einem Baustopp lehnte der Stadtrat jedoch klar ab.
(Daniel Wenisch)

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