Kommunales

Das Auto ist mit zahlreichen Sensoren ausgestattet, auf dem Dach sind Kameras und Antennen montiert. Sie erstellen alle fünf Meter ein exaktes Bild vom Zustand der Straßen. (Foto: Wraneschitz)

11.10.2013

Der "Stier" findet die schlimmsten Schäden

Mit einem millionenteuren Hightech-Fahrzeug erkundet die Nürnberger Stadtverwaltung den Zustand der innerstädtischen Straßen

"Heute ist es zu nass für Messfahrten!" Hermann Beuchel wirkt enttäuscht, als er die Journalisten an der Ecke Weißgerbergasse/Maxplatz in Nürnberg begrüßt. Dennoch fährt er mit seinem heftig blinkenden, orangen Kleintransporter mit geheimnisvollen Aufbauten über die Straßen der Frankenmetropole, um die Funktion zu erklären. Beuchel und sein „Stier“ genanntes Fahrzeug überprüfen den Straßenzustand in der Noris. Das Kürzel erklärt der Vermessungsingenieur allgemeinverständlich: „Es ist ein schnellfahrendes Messsystem, das die Quer- und Längsunebenheiten von Straßen erfasst.“
Dafür hat sein „Stier“ keine Hörner, sondern Sensoren rundherum. Auf dem Dach sind eine Reihe von Kameras und Antennen montiert, am Heck blinken vier weiße Stroboskoplampen sowie orange Warnleuchten. Die wichtigsten Teile außen dürften ein Laserscanner oberhalb der Hecktür und vier rote Laser an der rechten Außenseite des Sprinters sein. Innen leuchten zwei Laptops, und der ganze Laderaum ist mit Knöpfen und viel Technik vollgestopft. Alle fünf Meter kontinuierlich ein Bild zur Einschätzung der Straßensituation erstellen die Kameras und die Laser erfassen Risse ab 0,5 Millimeter sowie Vertiefungen im kleinsten Bereich. Das funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit etwa 80 Stundenkilometern.
„Das bedeutet aber große Anforderungen an die Technik“, erläutert Professor Andreas Großmann vom Fachgebiet Verkehrswesen der Hochschule Konstanz. Großmann hat gemeinsam mit der Erfurter Ingenieurgesellschaft Lehmann & Partner GmbH (LP) den High-Tech-Stier entwickelt. Rund sieben Millionen Euro habe das gekostet. Die Maschine werde in diesem Jahr allein in Süddeutschland etwa 144 000 Autobahnkilometer auf ihren Zustand überprüfen. Dagegen wirken die 300 Kilometer Nürnberger Hauptstraßen recht mickrig, die Hermann Beuchel an fünf Tagen abfahren will. Trotzdem muss jeder Fahrstreifen einzeln kontrolliert werden, ergänzt der Messtechniker. Trockene Witterung ist dabei zwingend notwendig, damit die Laser keine falschen Werte messen.


Begrenzter Sanierungsetat


Das koste die Stadt Nürnberg etwa 70 000 Euro, verrät Stefanie Lurz von der Fachkoordination Straße im Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) der Stadtverwaltung, der den Prüfauftrag vergeben hat. Eine Auswahl hatte der Servicebetrieb dabei wohl nicht. „Wir haben europaweit ausgeschrieben, aber nur ein Angebot erhalten“. Doch das sei kein Wunder: Gerade mal vier Firmen hätten die Zulassung der Bundesanstalt für Straßenwesen, um solche Überprüfungen durchführen zu dürfen.
Für das Geld bekomme man immerhin die komplette Auswertung des Straßenzustands. „Wir können auf dieser Basis Dringlichkeitsanforderungen erstellen“, erklärt Stefanie Lurz. Denn die Straßenunterhaltsmittel seien auf etwa vier Millionen Euro pro Jahr begrenzt. Weshalb man lieber auf den „Stier“ als auf den „Faktor Mensch“ setzt, um Fahrbahn-Löcher und Rillen festzustellen. 2008 erfolgte die letzte Befahrung der Nürnberger Straßen. Autobahnen werden alle vier Jahre überprüft. (Heinz Wraneschitz)

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