Kommunales

In der Gustavstraße kann man richtig gut feiern, findet die große Mehrheit der Fürther. Die Anwohner dagegen wollen keinen Lärm mehr. Deshalb gibt es in letzter Zeit immer wieder juristische Auseinandersetzungen. (Foto: BSZ)

10.01.2014

Die Kleeblatt-Stadt hat ein Imageproblem

Im Schatten von Nürnberg und Erlangen geht Fürth immer etwas unter – was auch an der mangelnden Attraktivität der City liegt

In knapp zwei Monaten, am 16. März 2014, finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. In einer Serie stellt die Staatszeitung die Bewerber um den Posten des Oberbürgermeisters in den größten bayerischen Städten und die wichtigsten Themen und Probleme im Wahlkampf vor. Teil IV: Fürth.

Mit einem vorgezogenen Weihnachtsgeschenk bedankte sich Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) dieser Tage beim 120 000. Einwohner, der Abstand zum benachbarten Erlangen ist damit wieder etwas größer. Doch das Dilemma bleibt: Die Stadt mit dem Kleeblatt im Wappen steht im Schatten der Universitätsstadt und der Frankenmetropole Nürnberg.
Dabei gibt es in Fürth ein schickes Stadttheater, für das sogar der Staatszuschuss kürzlich erhöht wurde. Die Spaßmacher Volker Heißmann und Martin Rassau („Waltraud und Mariechen“) und ihre „Comödie“ sind über die Region hinaus bekannt. Weltfirmen wie UVEX oder Simba Toys („Bobby Car“) haben hier ihren Hauptsitz. Mit Nürnberg teilt sich Fürth die Tucher-Brauerei direkt auf der Stadtgrenze. Fürth ist auch selbsternannte „Denkmalstadt“ mit 17,74 Denkmalen pro 1000 Einwohnern, die höchste Großstadt-Denkmaldichte in Bayern, zählt laut Wikipedia „neben Leipzig, Dresden, Regensburg, Heidelberg und Oldenburg zu den sechs besterhaltenen historischen deutschen Großstädten“. Die erste deutsche Eisenbahn fuhr hier. Rundfunk-Pionier Max Grundig startete hier sein Firmenimperium – in Nürnberg zerbrach es.

Der Titel "Solarstadt" nutzt nicht viel

Aber wer weiß das schon? Fürth hat ein Imageproblem. Da hilft es auch nichts, dass man sich „Solarstadt“ nennt: Das bringt keine Produktionsfirmen in den Ort. Und nicht nur das: Die Stadt hat auch mit anderen aktuellen Problemen zu kämpfen. So streiten sich die Kommune und die Deutsche Bahn seit fast einem Jahrzehnt darum, wo die S-Bahn Richtung Erlangen genau langfahren soll. In der Kneipenmeile Gustavstraße tobt ein Kampf zwischen wenigen Anwohnern und dem Rest der Bevölkerung, wie viel (Nacht-)Ruhe hier herrschen muss.
Doch vor allem ist es um die Attraktivität der Innenstadt seit Langem nicht zum Besten bestellt. Denn dem City Center gehen die zugkräftigen Läden aus – und viele der vorhandenen 26 000 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen leer. Nur noch in der Tiefgarage ist etwas los, selten aber in dem gleichnamigen Ausstellungsraum. Denn die etwa 150 Eigentümer des 1985 eröffneten Einkaufstempels sind sich nicht einig, wie eine Sanierung aussehen soll.
Dabei ist deutlich, „dass Fürth im Ganzen über Haushalte mit durchaus hohen Einkommen verfügt. Hier bieten sich für die Gewerbetreibenden in der Innenstadt attraktive Zielgruppen“, hat eine aktuelle Analyse der örtlichen Industrie- und Handelskammer ergeben. Doch dass „das Fürther Marktgebiet noch zu gering abgeschöpft wird“, steht ebenfalls in der Studie. Und auch „die vergleichsweise hohe Unzufriedenheit mit dem Einzelhandelsangebot“ in der Fürther Innenstadt. Die wird vor allem an der „fehlenden Angebotsvielfalt festgemacht“, hat die im November veröffentlichte Untersuchung ergeben. Kein Wunder, dass die örtliche Politik stark auf die Reaktivierung bestehender Flächen setzt, möglichst attraktiv aufpoliert.
„Der neue Einkaufsschwerpunkt ist fertiggestellt. Die Anziehungskraft der neuen Geschäfte hat dafür gesorgt, dass es unseren typischen kleinstrukturierten und vielfältigen Läden wieder gut geht“, ist OB-Bewerber Dietmar Helm, bisher CSU-Fraktionschef im Stadtrat, sich sicher. „Im ehemaligen Marktkauf konnte sie endlich wieder ein Vollsortimenter etablieren und alle sind begeistert vom neuen Fürther Kino. Wir haben in sechs Jahren einen guten Branchenmix, ein tolles Angebot und somit eine lebendige Einkaufstadt Fürth. Mit den Entscheidungen im Stadtrat haben wir dafür die Weichen gestellt“, antwortet der Konservative sehr konkret. „Drängendste Probleme“ sieht Helm bei der Verkehrssituation in den nördlichen und westlichen Vororten: Ein gemeinsames Konzept mit dem Landkreis Fürth solle die Vororte vom Durchgangsverkehr entlasten. Und auch der Neubau der Feuerwache ist dem Christsozialen wichtig.

"Fehlende Transparenz" kommunalen Handelns beklagt


Die grüne OB-Kandidatin Brigitte Dittrich, ebenfalls Fraktionsvorsitzende im Kommunalparlament, meint: „Alle bisherigen Einkaufsmöglichkeiten sind belebt und der Einzelhandel hat ein breites Sortiment. Was aus meiner Sicht auch heißt: Wir haben im Zentrum einen Naturkostladen und ein Angebot für Vegetarier und Veganer.“ Dittrich will auch aktiv werden bei den Einkaufsbedürfnissen der muslimischen Gläubigen: Die fänden bisher in Fürth keinerlei Berücksichtigung. Als drängendstes Problem sieht sie „die fehlende Transparenz“ in der Kommunalpolitik. Beispielsweise will sie bei den städtischen Tochtergesellschaft einführen, dass deren Aufsichtsratssitzungen künftig öffentlich stattfinden.
„Die innerstädtische Einkaufssituation wird sich in den nächsten zwei Jahren deutlich verbessern“, ist sich der derzeitige und erneut antretende Rathauschef Thomas Jung sicher. „Im Marktkauf-Gebäude werden ab Herbst 2014 auf rund 11 000 Quadratmetern zusätzliche Verkaufsfläche, mit einem hochmodernen Edeka-Center als Ankermieter, zur Verfügung stehen.“ Jung gerät ns Schwärmen, wenn er an die Zukunft denkt: „Die Neue Mitte mit attraktiven Geschäften aus den Bereich Mode und Schuhe wird im Herbst 2014 und in einem weiteren Teilabschnitt im Frühjahr 2015 eröffnen. Die Einkaufsachse zwischen Rathaus über Neue Mitte bis zum bisherigen Marktkauf wird sich dadurch sehr erfolgreich präsentieren. Zusätzliche Investitionen werden bis 2016 auch in den Gebäuden von Wöhrl und Woolworth zu zusätzlichen modernen Handels- und Einkaufmöglichkeiten führen.“ Außerdem verspricht der OB für seine angestrebte dritte Amtszeit „Wohnungen im bezahlbaren Mietpreisbereich“ und weiteres Engagement bei Kinderkrippen und Kindergärten.“
Wer am Ende das Rennen machen wird, ist offen, glasklarer Favorit ist der Amtsinhaber nicht. Und angesichts der vielen Probleme der Stadt könnten viele Bürger versucht sein, es nach zwölf Jahren unter Jung mal mit einem anderen Rathauschef zu versuchen. (Heinz Wraneschitz)

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