Kommunales

Im Schnitt nimmt jedes Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr an mehr als 100 Einsätzen im Jahr teil – manche sind dabei durchaus lebensgefährlich wie etwa das Löschen in engen, geschlossen Räumen, beispielsweise in einem Container. (Foto: Stumberger)

25.11.2016

Eingeschlossen bei 500 Grad Celsius

Den Einsatz mit Atemschutzgeräten müssen auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren regelmäßig üben

Es ist ein dicker, fetter, schwarzer Qualm, der aus dem geschlossenen roten Container dringt. Das wäre jetzt der Moment, wo die Nachbarn die Feuerwehr alarmieren. Die aber ist schon da. Acht Kameraden befinden sich in dem brennenden Container, ausgestattet mit Atemluftmasken, und üben den Umgang mit Feuer und Rauchentwicklung.

„Diese Ausbildung im holzbefeuerten Brandübungscontainer müssen wir auf einem abgelegenen Gelände machen“, sagt Christof Reithinger, Stadtbrandmeister und Ausbildungsleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr München. Darum haben sie diese Übung auf das Areal des Technischen Hilfswerks weit draußen an der Schleißheimer Straße verlegt. Rund 1500 Mann zählt die Berufsfeuerwehr München, davon je 600 auf Schicht.
Aber nicht jeder weiß, dass sich in München auch rund 1000 Männer und Frauen an 23 Standorten bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren. Zum Beispiel in Oberföhring. Dort gibt es 50 Freiwillige, die im vergangenen Jahr an 115 Einsätzen teilgenommen haben.

Zu ihnen gehören auch Moritz Straudi und Emanual Hauner. Die beiden jungen Männer sind heute bei dem Atemschutzgerätetraining mit dabei. Zuvor aber gibt es in einem Besprechungsraum des Technischen Hilfswerk etwas Theorie. Für die ist Stefan Müller zuständig, der 37-Jährige arbeitet bei der Werksfeuerwehr in Friedrichshafen und leitet die Ausbildung. „Es geht darum zu lernen, wie sich ein Brand ausbreitet und um die Sensibilisierung für gefährliche Zustände“, erklärt er das Ziel der Übung.

Gefährliche Zustände gibt es reichlich


Gefährliche Zustände – die gibt es reichlich bei der Brandbekämpfung. Da ist zum Beispiel die Phase der Rauchdurchzündung – hier verbreiten sich brennbare Gase im Raum unter der Decke und werden durch das Feuer weiter erhitzt, bis sich das Gasgemisch schlagartig entzündet. Bei der Rauchgasexplosion hingegen fehlt zunächst der Sauerstoff und der Brand erlischt oder glimmt nur noch weiter. Die brennbaren Gase kühlen sich ab, im Raum entsteht ein Unterdruck. Der macht sich zum Beispiel bemerkbar, dass Brandrauch unter der Türschwelle wieder in den Raum hineingezogen wird. Öffnet man nun die Tür und es dringt Sauerstoff ein, kann es zu einer verheerenden Rauchgasexplosion kommen. Dabei sind enorme Temperaturen bis zu 2000 Grad Celsius möglich.

Die Rauchentwicklung birgt eine große Gefahr für Betroffene. So ist es ganz gut zu wissen, dass die sicherste Zone sich am Boden befindet. Denn heißer Rauch steigt aufgrund der Temperaturverteilung und der daraus entstehenden Druckverteilung nach oben, während unten Unterdruck herrscht. Irgendwo dazwischen ist die Zone des Druckausgleichs.

„Wo halten wir uns auf?“ fragt Ausbilder Müller in die Runde. „Unten“, lautet die einstimmige Antwort der Feuerwehrmänner. Müller gibt noch ein paar Tipps. „Wie prüft man, ob die Tür heiß ist?“ – „Nein, niemals die Handschuhe ausziehen, das macht man mit Hilfsgeräten. Oder man guckt, ob der Dichtungsgummi um die Tür schon schmilzt.“

"Am meisten spürt man die Hitze an den Ohren"


Nach der Theorie kommt die Praxis. Und die beginnt mit dem Anlegen der Atemgeräte. Eine Sauerstoffflasche hat Luft für rund 30 Minuten. Zur Ausrüstung gehört auch ein kleiner Bewegungsmelder. Er schlägt Alarm, wenn sich der Feuerwehrmann länger als drei Sekunden nicht bewegt. So soll erkannt werden, ob ein Kamerad zum Beispiel ohnmächtig geworden ist.

Jetzt sind alle Mann vor dem Container angetreten, den Stefan Müller mit einem Bunsenbrenner in der Hand zuerst betritt. Damit entzündet er im Inneren die vorher angebrachten Spannplatten, die nach kurzer Zeit zu brennen beginnen. Nach und nach steigt zunehmend Rauch aus dem Übungscontainer und jetzt geht es los: Während der Ausbildungsleiter in der Mitte steht, umkreisen ihn die anderen Feuerwehrmänner und können so ein oder zwei Minuten direkt an der Feuerfront üben.

Draußen stehen zwei Mann eines Hilftrupps bereit, falls es zu Zwischenfällen kommt. Sie messen aus der Distanz heraus auch die aktuelle Temperatur im Container: 500 Grad. „Am meisten spürt man die Hitze an den Ohren“, sagt Stadtbrandmeister Reithinger, „die sind am wenigsten geschützt.“ Ansonsten ist das Gesicht neben der Maske durch hitzeabweisenden Stoff verhüllt.

Dann wird es noch einmal ernst: Die Containertür wird geschlossen. Die acht Mann befinden sich jetzt im geschlossenen Raum mit dem Feuer und der Rauchentwicklung. Die Minuten vergehen, aus den Ritzen dringt der Qualm. Dann bumpert es drei Mal von innen an die Tür – das Signal zum Öffnen. Und jetzt wäre das der Zeitpunkt für eine Rauchgasexplosion – wenn frischer Sauerstoff zum Brandherd kommt. Gottlob bleibt es ruhig und zusammen mit den Rauchschwaden klettern die Männer wieder aus dem Container.

Letzte Phase der Übung: Ausziehen der Kleidung


Kurz darauf erfolgt die letzte Phase der Übung: Das Ausziehen der Kleidung. Erst wird der Helm abgesetzt, dann wird mit den Händen – sie stecken noch immer in den dicken Handschuhen – die Jacke geöffnet. Diese könnte ja noch heiß sein. Dann wird der Handschuh halb ausgezogen, unter das Knie gelegt ,und die Hand ganz herausgezogen. Anschließend heißt es, die Jacke ausziehen, dabei haben noch immer alle Feuerwehrmänner ihre Atemschutzmaske auf. Diese wird zuletzt abgelegt und solange in den Händen gehalten, bis sie alle anderen Kameraden auch abgenommen haben. Die ganze aufwändige Prozedur soll die Männer vor der Kontaminierungen schützen, der die Schutzkleidung bei einem Brand ausgesetzt ist.

Schließlich ist alles vorbei. Müller zählt durch: „Sieben Leute, kein Verlust!“ Sein Fazit: „Das hat ganz gut geklappt, ihr wart eine gute Truppe.“ Fazit eines Teilnehmers: „Ich fand es sehr hilfreich, weil man die eigenen Grenzen testet.“ Und ein anderer: „Jeder sollte diese Erfahrung machen, man hat dann weniger Angst im Ernstfall.“ Auch Stadtbrandmeister Reithinger ist zufrieden: „Der Brandübungscontainer ermöglicht es, realistische Extremsituationen darzustellen und so die Kameraden auf künftige Einsatzereignisse vorzubereiten.“ (Rudolf Stumberger)

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Kommentare (1)

  1. voa zua vor 1 Woche
    Davon bräuchte es in jedem Landkreis einen. Dann könnten wir auch tatsächlich unsere 320.000 Feuerwehrleute in Bayern regelmäßig im Umgang mit dem Feuer schulen...

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