Kommunales

Münchens berühmtestes Gotteshaus, die Frauenkirche, ist 37 Meter hoch – Pi mal Daumen. Exakt bestimmen wollen es die Experten für Geodäsie am Samstag, 8. Juni – und mit dieser Aktion das Fach populärer machen. (Foto: DPA)

07.06.2013

Endlich exakt vermessen

Mit einer spektakulären Aktion startet in München die erstmals stattfindende bayerische Aktionswoche der Geodäsie

Klar, man kann es in jedem Lexikon nachlesen: Die Münchner Frauenkirche ist 37 Meter hoch, 109 Meter lang und 40 Meter breit. Aber ist sie das auch ganz genau, also exakt auf den Millimeter – oder doch nicht nur irgendwie Pi mal Daumen? Es gibt Leute, die können das tatsächlich exakt bestimmen, auf Haaresbreite. Und das tun sie, ganz spektakulär, am Samstag, 8. Juni, bei der Auftaktveranstaltung der bayerischen Aktionswoche der Geodäsie. Dazu werden acht Standpunkte – vom Karlsplatz über die Neuhauser Straße bis zum Viktualienmarkt – von jeweils einem Messtrupp besetzt, um von dort aus die Turmhöhen zu bestimmen. In diese jeweiligen Aktionen sollen interessierte Passanten einbezogen und über den Vermessungsberuf informiert werden.
Man tut der Geodäsie kein Unrecht, wenn man sie als eine der weniger bekannten Wissenschaften einstuft. Das haben die Vertreter dieser Forschungsrichtung von der Vermessung inzwischen auch erkannt und wollen – drohenden Fachkräftemangel und die härter werdenden Verteilungskämpfe um Drittmittel vor Augen – in der breiten Öffentlichkeit populärer werden. Schließlich war Geschichte vor der Ära von Guido Knopp und Terra X auch eher was für graue Aktenfresser und kein Quotenhit im Fernsehen.
„Denn grundsätzlich haben die Absolventen entsprechender Studiengänge der Geodäsie vielseitige und exzellente Aussichten im Beruf“, meint Gert Karner, der Landesvorsitzende des Verbands Beratender Ingenieure (VBI) in Bayern. Dank Galileo, des neuen europäischen Satellitennavigationssystems, könnten in der EU in den nächsten Jahren bis zu 160 000 neue Jobs in der Branche entstehen, schätzen Arbeitsmarktforscher. Gemeinsam mit diversen Hochschulen, der bayerischen Vermessungsverwaltung, der Verwaltung für ländliche Entwicklung und der Ingenieurekammer organisiert Karners Verband auch deshalb die Aktionswoche.


Hohe Nachfrage in den Kommunen


„Die Geodäsie agiert global, regional und lokal“, erläutert Karner – „vom Überwachen des Meeresspiegels über die Kartierung fremder Planeten bis zur Navigation von Maschinen und der Absteckung kühner Bauwerke“. Geodäten müssen dabei naturwissenschaftlich ebenso bewandert sein wie technisch, etwas von Archäologie verstehen, von Architektur und auch von Geschichte. „Aufgrund der breit gefächerten Einzeldisziplinen lässt sich jede berufliche Neigung ausleben – von der Bestimmung des Schwerefeldes der Erde mit selbst entworfenen Satelliten bis zur Festlegung von Grundstücksgrenzen“, wirbt der Ingenieur den Nachwuchs. Gerade in den bayerischen Kommunen ist es aktuell ein wichtiges Thema, bauen diese doch ihre Geoinformationssysteme aus.
Zusätzlich zu der Aktion um die Frauenkirche wird ein Informationsstand am Stachus eingerichtet. Interessenten haben dort Gelegenheit, mit Experten zu sprechen, aktuelle Forschungen und Instrumente zu begutachten und sich über die verschieden Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Interessierte Schüler können von den Dächern der Technischen Universität München, der Hochschule München und des Landesamts für Vermessung und Geoinformation aus die Höhenbestimmung – unter entsprechender Anleitung – durchführen.
Die Regelstudienzeit für ein Geodäsie-Studium beträgt übrigens zehn Semester, unterteilt in sechs Semester bis zum Bachelor- und vier Semester bis zum Master-Abschluss. (André Paul)

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