Kommunales

Schon häufiger hat ein dramatischer Anstieg des Wasserpegels die Gemeinde Isarmünd bedroht. Eine Erhöhung der kilometerlangen Isar-, Donau- und Stögermühlbachdeiche wäre im dünn besiedelten Gebiet jedoch extrem teuer.

30.07.2010

Fluten weichen Dorfgemeinschaft auf

Die Gemeinde Isarmünd soll wegen ständiger Hochwassergefahr umgesiedelt werden – nicht alle Einwohner wollen das akzeptieren

In Isarmünd verstehen die Bewohner, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Von der urigen Glühweinparty in trauter Runde am kältesten Tag des Winters über das feucht-fröhliche Starkbierfest bis drei Uhr morgens bis zur traditionellen Sonnwendfeier an Johanni rund um das knisternde Feuer: Die Menschen der sieben Anwesen zählenden Ortschaft in der Gemeinde Moos, in der die Isar in die Donau fließt, kommen gerne und häufig zusammen. Man schätzt sich, man kennt sich in- und auswendig, und vor allem packt man zusammen an, wenn irgendwo Not am Mann ist. Genau dieser Zusammenhalt ist es, der Heinrich Mutz so gefällt an Isarmünd.
Umso schwerer fiele es dem 49-Jährigen, der wie seine Kinder in Isarmünd mitten im Landkreis Deggendorf geboren und aufgewachsen ist, von hier wegzugehen. Doch genau dazu muss sich Heinrich Mutz, ebenso wie alle anderen Bewohner des Polders, seine Gedanken machen. Denn die Siedlungen im Polder Isarmünd liegen im Überschwemmungsgebiet der Donau und der Isar. „Die bestehenden Hochwasserdeiche wurden vor Jahrzehnten für den Schutz landwirtschaftlicher Flächen gebaut. Der Hochwasserschutz reicht daher nach den heutigen Anforderungen nicht aus“, erklärt Michael Kühberger, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Deggendorf.

Und hier liegt das Problem. Denn eine Erhöhung der kilometerlangen Isar-, Donau- und Stögermühlbachdeiche würden im dünn besiedelten Gebiet einen großen baulichen und finanziellen Aufwand erfordern. „Dies wäre enorm kostspielig“, sagt Kühberger und führt als weiteres Argument gegen den Deichbau die Tatsache an, dass die Baumaßnahme außerdem empfindliche Eingriffe in das ökologisch sehr sensible und überregional bedeutsame Isarmündungsgebiet bedeute.
Der Freistaat bietet den Anwohnern daher die Option, deren Anwesen zu kaufen, so dass die Isarmünder umsiedeln können – um sich eine neue Existenz zu schaffen, ohne drohende Hochwasserkatastrophen. Dies ist Kühberger zufolge ein reines Kann und kein Muss. „Das war uns sehr wichtig. Es handelt sich um eine langfristige Maßnahme. Zum Beispiel können ältere Menschen sich dazu entscheiden, hierzubleiben und die Kinder siedeln in zehn oder 20 Jahren um“, erläutert der Wasserwirtschaftsamtsleiter.
Heinrich Mutz sieht dieses Angebot ähnlich wie sein Nachbar Konrad Eder dennoch mit gemischten Gefühlen. Immerhin würde es für beide bedeuten, den geliebten Hof zu verlassen – etwas, in das sie ihr Leben lang Geld, Arbeit, Herzblut gesteckt haben. „Unsere Familien leben hier seit Hunderten von Jahren. Das gibt man nicht einfach so auf“, weiß Mutz. Die Höfe und Anwesen in Isarmünd sind gepflegt. Hellrote Geranien schmücken als Farbtupfer die Balkone, vor den Häusern stehen Bänke, die zur Rast im Schatten einladen, zum Plausch mit den Nachbarn, zu einem Bier am Feierabend, nach getaner Arbeit. Herzstück ist die Kapelle des Polders, ein schmucker Bau, getüncht mit freundlichem Gelb. Um Isarmünd herum locken Maisfelder, Wiesen und Wälder, und hinter dem Damm plätschert lauschig der Stögermühlbach. Es ist ein ländliches Idyll, das die Anwohner zu schätzen wissen, das auch „Zugereiste“ dazu veranlasste, sich hier niederzulassen.
Und doch denken Bürger wie Heinrich Mutz und Konrad Eder ernsthaft darüber nach, das Angebot des Freistaates anzunehmen – mit einer Voraussetzung: dass die finanziellen Gegebenheiten passen. Ein unabhängiger Sachverständiger wurde beauftragt, die Gehöfte und Häuser zu schätzen und so zu ermitteln, welche Summe den Eigentümern im Falle eines Verkaufs an den Freistaat zustünde. Letztendlich hänge auch davon die Entscheidung größtenteils ab, sagt Heinrich Mutz: „Der Neuanfang müsste zu schultern sein. Deshalb warten wir jetzt alle erstmal ganz in Ruhe das Angebot ab.“ (Melanie Bäumel)

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