Kommunales

Wenn Investoren derzeit noch in gut nachgefragten Kommunen neue Wohnungen bauen, dann vorzugsweise im Luxussegment – weil da noch die Rendite stimmt. (Foto: dpa)

13.03.2015

Gegen Betongold hilft keine Mietpreisbremse

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden Wohnraum in beliebten Kommunen auf Dauer teurer statt günstiger machen

Er möchte, verkündete jetzt Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, für Staatsanleihen zur Not auch negative Zinsen zahlen. Das ärgert nicht nur die Sparer, sondern dürfte langfristig auch die neue Mietpreisbremse ad absurdum führen. Wohnen in gut nachgefragten Metropolen wird also auf Dauer teurer statt günstiger.

Girokonten werfen kaum noch Zinsen ab, Lebensversicherungen sind ein Verlustgeschäft geworden und ein Volk von Aktienspekulanten waren die Deutschen noch nie. Was bleibt, ist das so genannte Betongold, also die Investition in Immobilien. Das Problem damit: Es lohnt sich nur in boomenden Regionen mit wachsender Bevölkerung – in Bayern also beispielsweise im Großraum München, in Ingolstadt oder in Regensburg, weniger im Nordosten des Freistaats.
In den gut nachgefragten Städten ist die Ausweisung von neuem Bauland aber kaum noch möglich. Wer Häuser oder Wohnungen kaufen möchte, wird also bereits bestehende Immobilien erwerben müssen. Dass treibt natürlich die Preise für diese Objekte massiv nach oben – schließlich wollen nicht nur Deutsche auf der Suche nach einer sicheren Anlage kaufen, sondern immer häufiger auch Ausländer. Von den zehn teuersten Wohnimmobilien, so ist aus Maklerkreisen zu erfahren, die im vergangenen Jahr in der Landeshaupstadt den Besitzer wechselten, ging die Hälfte an Besitzer ohne deutschen Pass. Neben reichen Griechen, die ihr Vermögen außer Landes bringen wollen, zählen dazu immer häufiger Russen. Rund zwölf Millionen Euro kostete 2014 die teuerste Münchner Wohnung. Selbst 20 Jahre alte Zwei-Zimmer-Wohnungen im Hasenbergl bringen inzwischen locker eine Viertelmillion und mehr.

Nicht die "Miethaie" sind schuld


Warum also sollte da auf dem freien Markt noch jemand Wohnungen vermieten? Schließlich darf, so will es die Mietpreisbremse, bei Neuvermietungen die ortsübliche Vergleichsmiete nur noch um maximal zehn Prozent überschritten werden. Vermieter sind also gut beraten, wenn sie die Miete für Alt-Mieter künftig in regelmäßigen Abständen erhöhen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Im sozialen Wohnungsbau, also bis zirka zwölf Euro Kaltmiete, kann längst nicht mehr kostendeckend vermietet werden.
Doch diese Nebenwirkungen werden von den Fans der Mietpreisbremse ebenso ungern thematisiert wie die eigentlichen Ursachen des massiven Preisanstiegs in den vergangenen Jahren. Dafür waren nämlich weniger skrupellose Miethaie verantwortlich, sondern die Politik selbst. Zum einen wurden Neubauten durch zahlreiche energetische Vorgaben immer unattraktiver. Zweitens verschliefen die Entscheider in den Kommunen einen Trend, den Wissenschaftler schon vor längerer Zeit beschrieben: die Rückkehr, vor allem Älterer, vom Land in die Stadt. Das Letztere hat auch nicht nur mit dem – durchaus berechtigten – Hang zu urbanem Komfort zu tun, sondern auch mit dem Anstieg von Energie- und Mobilitätskosten. Sprit für Pendler soll immer teurer werden und die Erstattung des Kilometergelds (derzeit 30 Cent) ist seit mehr als 20 Jahren nicht mehr angehoben worden. Die derzeit in vielen Gemeinden geplante Erhöhung der Grundsteuer und der Umlagen für Strom, Gas, Wasser und Müllentsorgung tut ein Übriges. (André Paul)

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Kommentare (1)

  1. Hai am 13.03.2015
    Mietbremse was ist das?
    Bei Neuvermietung 10 % drauf,
    wer nicht will hat eben keine Wohnung!

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