Kommunales

Der Screenshot aus einem aktuellen Video zeigt einen Wolf an einer Straße bei Lindberg im Bayerischen Wald. (Foto: dpa)

10.10.2017

Gejagter Jäger

Dritter Wolf erschossen: Der Ausflug in die Freiheit endet für immer mehr Wölfe im Bayerischen Wald mit dem Tod

Ein weiterer der sechs entlaufenen Wölfe im Bayerischen Wald ist erschossen worden. Ein Suchtrupp spürte das Tier am Dienstag nahe Frauenau im Landkreis Regen auf und erlegte es. Es handele sich zweifelsfrei um eines der Tiere aus dem Gehege, sagte der stellvertretende Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Jörg Müller. Damit sind noch drei der Wölfe in Freiheit.

Es sei leider nicht gelungen, das Tier einzufangen, teilte der Nationalpark mit. Mit einem Narkosegewehr hätte der Wolf nicht betäubt werden können, denn er sei zu weit entfernt gewesen. Der Suchtrupp habe daher keine Alternative gehabt, als das Tier abzuschießen, sagte Müller.

Sechs Wölfe waren in der Nacht zum Freitag aus einem sechs Hektar großen Freigehege des Nationalparks bei Lindberg (Landkreis Regen) gelangt. Unbekannte hatten nach Angaben der Polizei ein Vorhängeschloss an einem Tor entfernt. Das Gehege war mit einem durchgehenden, vier Meter hohen Zaun gesichert, der im unteren Bereich unter Strom stand.

Ein Wolf wurde am Sonntag erschossen, ein anderer war wenige Stunden nach seinem Entwischen von einem Zug erfasst worden. Drei weitere Wölfe waren nicht entlaufen und leben weiter in dem Gehege.

Wo sich die verbliebenen drei Wölfe zuletzt aufhielten, wollte Müller nicht sagen. Man wolle keine Schaulustigen, die die Suche möglicherweise behinderten. Der Verwaltung lägen ungefähre Aufenthaltsorte vor. Müller wies aber darauf hin, dass ein Wolf pro Nacht etwa 50 Kilometer weit laufen könne. Das erschwere die Suche.

Experten sind sich uneins, wie viel Gefahr von den Tieren ausgeht

Ein Tier war zuletzt im tschechischen Nationalpark Šumava vermutet worden, der Nationalpark Bayerischer Wald liegt nur wenige Kilometer entfernt. Mitarbeiter der Nationalparks Šumava und Berchtesgaden sind in die Suche involviert. Die Zahl der Lebendfallen wurde erhöht.

Nach Angaben Müller sind rund 30 Menschen im Einsatz, um die Wölfe aufzuspüren. Das sei für die Größe des Suchgebiets ausreichend. Idealerweise bestünden die Suchtrupps aus zwei Menschen, die mit einem Blasrohr mit Narkose-Pfeilen, einem Narkose-Gewehr oder mit einer scharfen Waffe ausgestattet seien. Ziel bleibe es, die Tiere lebend einzufangen. Aber notfalls sei auch der Abschuss möglich.

Die Nationalparkverwaltung warnte erneut vor den Wölfen: Den Tieren solle mit Respekt begegnet werden. Man sollte nicht weglaufen, sondern sich langsam zurückziehen. Sie seien «nicht scheu und nähern sich den Menschen», sagte Leiter Franz Leibl. Das sei ein typisches Verhaltensmuster. Gehegewölfe würden Menschen mit Futter assoziieren und dieses Verhalten auch nie vollständig ablegen. Daher stellten sie «über kurz oder lang ein Problem» dar. Menschen sollten dem Wolf nicht nachlaufen, kein Futter anbieten oder Fotos machen.

Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky dagegen sieht keine ernsthafte Gefahr, die von den Wölfen ausgeht: «Die gucken Menschen vielleicht neugierig an, aber angreifen tun sie nicht.» Ob die herumirrenden Vierbeiner an Menschen gewöhnt seien oder nicht, könne man nicht beurteilen. Zwar hätten sie regelmäßig Kontakt zu Menschen gehabt. «Da sie ihr Futter aber nicht aus der Hand, sondern über den Zaun bekommen, sind sie nicht futterkonditioniert.»

Auch Brigitte Sommer vom Verein Wolfsschutz Deutschland geht davon aus, dass die Tiere scheu auf fremde Menschen reagieren - selbst wenn die Tiere an Pfleger gewöhnt sind. Die entlaufenen Tiere verglich sie mit gehaltenen Wolfshunden, die flüchteten, wenn sie bei Spaziergängen fremden Menschen begegneten.

Das Video eines Ehepaars jedoch zeigte zwei Wölfe, die am vergangenen Freitag an einer Bundesstraße nahe Lindberg unterwegs waren. Sie ließen sich von dem Auto des Paares nicht beeindrucken, liefen immer wieder auf die Fahrbahn und machten einen desorientierten Eindruck.

In Mittelfranken wurde unterdessen erneut ein Wolf nachgewiesen. Wie das Landesamt für Umwelt mitteilte, war das Tier bereits Ende Juli im Landkreis Ansbach von einer automatischen Fotofalle aufgenommen worden. Wo der Wolf inzwischen ist, ist nicht bekannt. Das Landesamt geht davon aus, dass es sich um ein einzelnes durchziehendes Tier handelt. (dpa)

INFO: Belohnung für Hinweise
Das bayerische Umweltministerium setzt für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, der das Freigehe der Wölfe im Bayerischen Wald geöffnet haben soll, eine Belohnung von 10.000 Euro aus.

"Es steht weiterhin der ungeheuerliche Verdacht im Raum, dass die Tiere gezielt freigelassen wurden. Das ist in keinster Weise hinnehmbar. Damit wurde in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen, zum Beispiel bei einem Wildunfall. Letztlich wurde damit der Tod der entkommenen Gehegewölfe verursacht. Ich hoffe auf eine schnelle Aufklärung der konkreten Tatumstände. Die Polizei wird bei der Aufklärung jede nötige Unterstützung von Seiten der Naturschutzverwaltung erhalten. Die Belohnung soll helfen, die Aufklärung der Tat entscheidend voranzubringen",  betonte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf am Donnerstag in München.

Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Zwiesel (09922/84060) oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. Inzwischen wurden die Sicherheitsmaßnahmen im Tier-Freigelände weiter verschärft und zusätzliche Sicherungen an den Gehegen installiert. (BSZ)

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