Kommunales

Die konkreten Kosten für Biodiversitätsprojekte lassen sich nicht beziffern, häufig erfolgen entsprechende Maßnahmen im Rahmen anderer kommunaler Umweltschutzprojekte. (Foto: Christ)

17.07.2015

Gemeinden retten bedrohte Tier- und Pflanzenarten

Eine erste Bilanz des 2012 gegründeten Bündnisses "Kommunen für biologische Vielfalt"

Bei einer so wichtigen Sache wie dem Artenschutz dürfen Städte und Gemeinden auf keinen Fall außen vor bleiben: Aus diesem Gedanken heraus wurde vor drei Jahren das bundesweite Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ gegründet. 101 Mitglieder gibt es inzwischen. Aus Bayern sind 19 Kommunen mit dabei.

Die Tatsachen sind wenig erfreulich. „Der Mensch verursacht gerade das größte globale Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier“, erklärte Eberhard Brandes, Vorstand des World Wide Fund for Nature (WWF), als er Ende 2014 den Living Planet Report vorstellte. Zahlreiche Populationen seien existenziell bedroht. So stehen über die Hälfte der einheimischen Wildbienenarten auf der Roten Liste oder sind bereits ausgestorben.
Darauf reagiert das 2008 gestartete Projekt „Bad Grönenbach blüht auf für Biene, Hummel, Mensch & Co.“ Der Ort im Landkreis Unterallgäu wurde 2011 als „Biodiversitätskommune“ ausgezeichnet. Bürgermeister Bernhard Kerler (CSU) berichtet: „Seither haben wir viele Wildblumenblühflächen angelegt und zahlreiche Gartenbesitzer animiert, es uns gleich zu tun.“ Auch Landwirte seien interessiert: „Ihnen stellen wir Blumensaatgut zur Verfügung, damit sie Ackerränder mit Blühstreifen versehen können.“
Ab diesen Sommer soll ein Naturerlebnisweg in Bad Grönenbach den Zusammenhang zwischen Blütenökologie und Naturlandschaft vermitteln. „Mit unserer Initiative für Blühflächen im öffentlichen Grün wurden wir ein Vorreiter im Landkreis Unterallgäu und weit darüber hinaus“, freut sich Bürgermeister Kerler. Dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ sei die Gemeinde insbesondere deshalb beigetreten, um dem Anliegen „Biodiversität im öffentlichen Raum“ mehr Nachdruck zu verleihen.
Große Offenheit für das Thema Artenschutz trifft man auch in Langenzenn an. Die Stadt im mittelfränkischen Landkreis Fürth trat 2013 dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ bei. Bereits ein Jahr zuvor richtete Langenzenn ein Naturamt ein. Seitdem kümmert sich die diplomierte Landespflegerin Ulrike Ringel um Naturschutz, Landschaftspflege und Umweltbildung an der Zenn. Sie organisiert Vogelstimmenexkursionen, Pflanzaktionen und Märchenwanderungen in dem vor zwei Jahren entstandenen Naturerlebnisfeld Reutgraben. Im Reutgraben sollen vor allem Kinder erfahren, wie es in der Natur zugeht. Das Erlebnisfeld ist von allen Langenzenner Kindertagesstätten aus fußläufig zu erreichen. Die Kinder können hier selbst Gemüse anbauen und ernten, sie lernen die summenden Gäste des Insektenhotels kennen und beobachten, wie sich die Natur im Laufe der Jahreszeiten verändert. Laut Bürgermeister Jürgen Habel (CSU) schufen die Kinder inzwischen eine „Naschhecke“, ein Lesesteinhaufen sowie einen Kartoffelacker.

Gut für die menschliche Lebensqualität


In Langenzenn ist man überzeugt, dass eine hohe Artenvielfalt auch die Lebensqualität der Menschen steigert. „Denn was ist schon die Flur ohne Bäume und Hecken. Und wie gut schmecken Früchte von alten Obstbäumen“, meint Ulrike Ringel. Diese Überzeugung lässt sich die Fair-Trade Stadt auch etwas Kosten. Wie viel Geld für Biodvidersität ausgegeben wird, lasse sich allerdings nicht genau beziffern, so Habel: „Der Stadt entstehen Kosten für die Besetzung des Naturamts sowie die Ausführung von Pflanz- und Pflegemaßnahmen.“ Staatliche Zuschüsse gebe es für Streuobstpflanzungen und Heckenpflege. Weitere Förderprogramme habe der Staat jedoch auslaufen lassen.
Dass viele Pflanzen und Tiere in Gefahr sind, erkannte man auch im oberbayerischen Eichenau im Landkreis Fürstenfeldbruck. „Der Erhalt und die Steigerung der biologischen Vielfalt ist uns seit Jahren ein großes Anliegen“, sagt Karin Schmid vom Sachgebiet Umweltschutz in der Gemeindeverwaltung. Aus diesem Grund trat man auch dem Kommunalbündnis bei. Konkret engagiert sich Eichenau laut Schmid für die Bäche und Gräben im gemeindlichen Biotopverbundsystem: „Sie werden nach ökologischen Gesichtspunkten gepflegt und möglichst renaturiert.“ Bei der Ausweisung von Neubaugebieten, etwa unlängst am Evangelischen Pflegezentrum, werden Ausgleichsflächen nach Möglichkeit vor Ort angelegt. So schuf man am Starzelbach, der am Pflegezentrum vorbeifließt, ein neues Brutgebiet für Vögel. Dafür gewann Eichenau 2011 den 1. Preis beim Wettbewerb „Grüne Begegnungs- und Erlebnis(t)räume“.
Große Anstrengungen, Biotope für Tiere und Pflanzen zu schaffen, werden auch in Nürnberg unternommen. Die Stadt ist nicht nur Mitglied im nationalen Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“, sie gründete auch ein eigenes „Nürnberger Bündnis für Biodiversität“. Etliche Vereine sind dort Mitglied, angefangen von der AG Fledermausschutz über das Nürnberger Kindermuseum bis hin zum Stadtverband der Kleingärtner. Auch der Berufsverband der Ökologen Bayerns macht mit.

Viel wird über Ausgleichszahlungen umgesetzt


„Die anregenden Tagungen des nationalen Bündnisses waren inspirierend für die alltägliche Arbeit vor Ort“, beschreibt Hiltrud Gödelmann vom Umweltreferat der Frankenmetropole den Schritt hin zum eigenen Bündnis. Das will unter anderem eine 250 Hektar große Fläche im östlichen Pegnitztal vom Landschafts- in ein Naturschutzgebiet umwandeln. 38 Biotope und 90 Einzelflächen wurden auf dem Areal kartiert.
Bereits realisiert ist das Projekt „InsektenReich“. Dafür wurde die ehemalige, 1700 Quadratmeter große Staudenanlage im Volkspark Marienberg in einen artenreichen, insektenfreundlichen Garten umgewandelt. Hierfür sowie für weitere kleinere Projekte erhielt das Nürnberger Bündnis 2014 von der Zukunsftsstiftung der Sparkasse 18 000 Euro. Viele Biodiversitätsprojekte werden laut Gödelmann in Nürnberg über Ausgleichszahlungen umgesetzt. „Insgesamt fließt viel Zeit und Kraft in das Akquirieren von Mitteln“, sagt sie. Ein fester staatlicher Zuschuss etwa in Höhe des kommunalen Etats würde das Engagement für Biodiversität wesentlich erleichtern. (Pat Christ)

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