Kommunales

22.01.2010

Helfen im Schnee immer beliebter

Auf dem Nebelhorn bei Oberstdorf prüft die Bergwacht ihre Rettungsanwärter

Vorsichtig wird die „Verletzte“ in den Wannenschlitten gehoben, den so genannten Akja. Die beiden jungen Retter schauen ernst – aber überhaupt nicht besorgt. Und auch das Opfer wirkt nicht so, als ob es echte Schmerzen hätte. Trotzdem ist Lehrgangsleiter Hannes Rädler mit diesem Übungsteil für junge Bergwachtanwärter ganz zufrieden.
Das Wetter könnte nicht besser sein an diesem Morgen auf dem Nebelhorn bei Oberstdorf. Die wenigen Wolken haben sich rasch verzogen und geben einen stahlblauen Himmel frei, das Thermometer zeigt minus 8 Grad, der Wind weht nicht zu stark. „Außerdem ist der Schnee schön kompakt, pulverhart und nicht vereist“, freut sich Hannes Rädler, ein kerniger Allgäuer mit sonnenverbranntem Gesicht. Optimale Bedingungen also, um die 32 jungen Männer und Frauen in die Kunst der Bergrettung einzuweisen.
Eine Woche dauert das Programm, das Rädler und seine zehn Ausbilder zusammengestellt haben. Und es ist ersichtlich gut nachgefragt, in der ganzen Welt. Neben den Deutschen haben sich auch zwei Bulgaren, zwei Südtiroler und sogar zwei Kanadier angemeldet: die Allgäuer Alpen als Testfall für die Rocky Mountains. Pro Teilnehmer kostet der Lehrgang 2000 Euro, für die Deutschen übernimmt die Bergwacht die Kosten. Anschließend wird aber auch erwartet, dass man sich in den Bereitschaftsdiensten zur Verfügung stellt.
Die Motivation der jungen Leute, die meisten sind zwischen 20 und 25 Jahre alt, lässt zumindest nichts zu wünschen übrig. Felicia Beyerhof aus Immendorf beispielsweise freut sich, hier ihr Hobby – das Skifahren und den Aufenthalt in den Bergen – mit gesellschaftlichem Engagement verbinden zu können. Johannes Weise aus Landshut wiederum findet es toll, die hier erworbenen Kenntnisse „auch privat verwenden zu können“. Außerdem sei das Team von der Bergwacht „ein super Haufen“. Das Gemeinschaftsgefühl wird schon durch das einheitliche Outfit gestärkt: Rot-blau sind alle gekleidet, gut zu erkennen in der schier endlosen Schneeweite ein Stück oberhalb des Höfatsblicks auf gut 2000 Metern Höhe.
Jetzt steht das Einweisen eines Hubschraubers auf dem Programm. Der nähert sich mit ohrenbetäubendem Lärm und soll exakt auf dem kleinen Hochplateau landen. Am Anfang sehen die Winkbewegungen der Teilnehmer noch etwas unbeholfen aus, aber das klärt sich schnell. Immer und immer wieder nimmt der Pilot den simulierten Unfallplatz in Anflug, jeder soll mal an der Reihe sein. „Nachwuchssorgen haben wir keine“, kann Rädler zufrieden mitteilen – nur mit dem Geschlechterverhältnis hapert es noch etwas. Zu den derzeit 3500 aktiven Mitgliedern der Bergwacht in Bayern gehören gerade mal 60 Frauen. Und die ersten kamen auch erst Anfang der 1990er Jahre dazu. Ziemlich spät, wenn man bedenkt, dass die Bergwacht schon 1920 gegründet wurde. „Das war früher eine Männerdomäne, das wirkt noch nach“, meint der Lehrgangsleiter.

(André Paul)

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