Kommunales

„Seit 1950 hat sich die Zahl der Völker in Bayern halbiert“, klagt Bienenexperte Arno Bruder. (Foto: Jalsovec)

11.06.2010

„In vielen Stöcken herrscht Totenstille“

Arno Bruder, Fachberater für Imkerei bei der oberbayerischen Bezirksverwaltung, über Ursachen und Folgen des Bienensterbens

Das Bienensterben im Freistaat geht unaufhörlich weiter, besonders betroffen ist Oberbayern. Die Völker werden laufend schwächer. Verantwortlich sind vor allem Pestizide, Parasiten, Virenbefall und Stress. Arno Bruder ist Fachbe- rater für Imkerei bei der Bezirksverwaltung und berichtet von „Totenstille“ in immer mehr Bienenstöcken.

BSZ Wie sehr sind die Imker vom Bienensterben betroffen?
Bruder Ganz unterschiedlich. Wir haben Imker, die sind mit der Auswinterung zufrieden und beklagen keine Verluste. In anderen Fällen gibt es Totalverluste. Insgesamt haben wir überproportional hohe Winterausfälle. Früher lagen sie im Schnitt bei rund 10 Prozent – heute sind es teils 30 Prozent und mehr. Es gibt manche Gebiete in Oberbayern, wo überhaupt kein Bienenvolk mehr fliegt. Das schmerzt besonders, wenn auf dem Bienenstand Totenstille herrscht.

BSZ War der strenge Winter schuld?
Bruder Lange und harte Winter hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Um sie zu überstehen, haben die Bienen entsprechende Fähigkeiten entwickelt. So bilden sie unter anderem eine „Wintertraube“ – eine Kugel, in deren Innern sich die Königin warm hält. Die Bienen reduzieren dabei den Stoffwechsel und heizen bei Bedarf. Allerdings funktioniert das nur dann optimal, wenn die Bienenvölker mit einer großen Anzahl an Individuen in den Winter gehen. Bisher galt als Grundregel: Je stärker die Bienenvölker in den Winter gegangen sind, desto geringer waren Ausfälle bei harten Wintern.

BSZ Was ist jetzt anders als früher?
Bruder Heutzutage sind die Bienenvölker oft geschwächt. Ursachen sind Pestizide, Parasiten, Virenbefall und Stress, der das Immunsystem der Tiere angreift. Gehen die Völker aber geschwächt in den Winter, und geht dies mit einem hohen Befall an Varroamilben einher, dann kann das zu katastrophalen Auswirkungen führen.

BSZ Ist das Bienensterben ein bayernweites Phänomen?
Bruder Wir beobachten das sogar bundes- und europaweit. Die offiziellen Verlustzahlen liegen hier bei 25 bis 30 Prozent. Allerdings traue ich diesen Zahlen nicht. Kein Imker gibt gerne zu, dass er seine Bienen verloren hat. Meist werden daher geringere Verluste angeführt als tatsächlich eingetreten sind.

BSZ Wie kann man die richtigen Zahlen abschätzen?
Bruder Ein guter Indikator ist der Bienenmarkt. Die Nachfrage nach Bienenvölkern ist im Moment sehr hoch. Das Angebot reicht dafür aber in keiner Weise aus. Es werden Bienenvölker aus Spanien, Frankreich, Italien und anderen Ländern geordert. Die Händler sagen mir, der Markt sei absolut leergefegt. Man muss Glück haben, wenn man überhaupt noch Bienenvölker bekommt.

Interview: Andreas Jalsovec

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