Kommunales

Fast jede Region in Bayern hat ihre eigene historische Kleidung. ( Foto: dpa)

19.09.2014

In Vielfalt schick gekleidet

Die bayerische Tracht liegt voll im Trend

Zur Wiesn-Zeit sieht man sie in allen Farben, Längen und Varianten: Dirndl und Lederhosen – die Inbegriffe der bayerischen Tracht. Oder? „Eigentlich ist das Dirndl eine Arbeitskleidung gewesen. Erst im Zuge des Alpentourismus hat es sich in der breiten Bevölkerung etabliert und wird mittlerweile sogar als Hochzeitskleid getragen“, erklärt Monika Hoede, Schneidermeisterin und Trachtenberaterin beim Bezirk Schwaben.
Fast jede Region in Bayern habe ihre eigene historische Kleidung und setze unterschiedliche Akzente, so die Expertin. In den Trachtenberatungsstellen wird dieses Wissen gesammelt, in Schnittmustern bewahrt, in Kursen lebendig gehalten und manchmal sogar weiterentwickelt. „Trachten liegen im Trend“, so Hoede. Hochwertig und möglichst authentisch sollen sie sein und wer sich traditionell kleidet, interessiert sich oft auch für die Herkunft und Historie seiner Tracht. Als Beispiel hierfür nennt die Expertin das wachsende Interesse an den Märkten rund um das Thema „Mittelalter“.
Dass Geschichte äußerst schick sein kann, zeigt Evelyn Gillmeister-Geisenhof, Leiterin der Trachtenforschungs- und -beratungsstelle des Bezirks Mittelfranken. Seit der Eröffnung der damals einzigartigen Einrichtung im Jahr 1986 erforscht die Textil-Ingenieurin regionale Kleidungsgewohnheiten und greift dabei schon mal tief in die historische Klamottenkiste: Bis zu 200 Jahre alt sind die Trachten, die sie sammelt und untersucht.
Mit ihren eigenen Entwürfen, in denen sie Altes mit Neuem kombiniert, setzt sie neue Trends. Gefertigt von heimischen Schneiderinnen entstehen modische Stücke mit historischem Flair. Auch der „Mann von Welt“ zeigt Mut zur Tracht und kann etwa mit Gehröcken ganz im Stil des frühen 19. Jahrhunderts wandeln. Die Schnittmusterbögen zu einzelnen Modellen stellt die Trachtenforschungs- und -beratungsstelle gegen ein kleines Entgelt zur Verfügung. Seit März 2010 gibt es sogar die geschützte Marke „Pro Tracht“ und zwischenzeitlich den vierten Katalog mit Damen-, Herren- und Kindertrachten.
Gerade in Mittelfranken präsentiert sich die Trachtenlandschaft seit jeher besonders bunt und abwechslungsreich: Prächtige Patriziermode, in der die Nürnbergerinnen nachweislich schon im 16. Jahrhundert durch die Stadt flanierten, protestantische, schlichte Kleider mit ihren typischen großen Kragen oder die roten Roben der Katholikinnen – um nur einige Beispiele zu nennen. Zu betonen, dass das Dirndl nur ein winziges Teilchen in der weiten Trachtenlandschaft ist, darauf legen Evelyn Gillmeister-Geisenhof und Monika Hoede als Beraterinnen großen Wert. Gruppen, Musikanten und auch viele Privatleute suchen in den Einrichtungen der Bezirke nach neuen Anstößen in Sachen Kleidung.
Ein Tipp für Trendsetter: Mut zur Individualität. „Man darf ruhig mal spielerisch kombinieren“, so Hoede. Das ungebrochene Interesse für das historische Gewand trägt übrigens dazu bei, dass altes Handwerk erhalten bleibt. Denn Säckler oder Goldschmiede steuern die klassischen Accessoires bei und steigern somit die Echtheit jeder Tracht. (Katrin Mormann)

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