Kommunales

Das Kongresszentrum und das Nobelhotel sollen der neue Hingucker Ingolstadts werden. (Foto: Architekturbüro Kuehn Malvezzi)

30.11.2012

Ingolstadt baut seine City um

Auf einem früheren Industriegelände entstehen ein Fünf-Sterne-Hotel, ein Kongresszentrum und die Audi-Akademie

Ein 50 000 Quadratmeter großes Grundstück, in bester Lage, nur wenige Schritte vom Zentrum und der Fußgängerzone entfernt, soll der neue Stolz Ingolstadts werden. Denn auf einem früheren Industriegelände – einer Kanonengießerei – entsteht ein ehrgeiziges Prestigeobjekt in dreistelliger Millionenhöhe. Es gehört damit zu den größten innerstädtischen Baumaßnahmen in Bayern und ist eines der bedeutendsten Projekte in der jüngeren Ingolstädter Stadtgeschichte.
Hintergrund: Eine gefühlte halbe Ewigkeit – die Stadt kaufte den Grund und Boden Anfang der 1990er Jahre – lag das Gelände brach, niemand wusste mit dem so genannten Filetgrundstück etwas anzufangen. Unter den Bürgern wurde ob der Tatenlosigkeit der Stadt oft lautstark gemurrt und zuweilen auch heftig diskutiert – es passierte trotzdem nichts. Viele Gedankenspiele wurden genauso schnell verworfen wie sie geäußert wurden. Ob Einzelhandelszentrum oder ein großer Kinokomplex, alle Vorschläge entpuppten sich als ungeeignet.


2016 soll alles fertig sein


Unter Mithilfe der Audi AG und der direkt neben dem brachliegenden Baugelände untergebrachten Fachhochschule für angewandte Wissenschaften wurde nun durch die Stadt ein Konzept entwickelt, wie das Gelände gestaltet werden und aussehen könnte. Teile der alten Bausubstanz werden dabei erhalten, finden aber eine neue Bestimmung, der große Rest der Fläche wird neu bebaut. In die dann sanierte, alte Gießereihalle zieht das Museum für Konkrete Kunst und Design, in das historische Kavalier Dallwigk das Europäische Donaumuseum, und ein Teil der alten Eselsbastei soll renoviert und dadurch teilweise erhalten werden. Für Geschichtsfreunde: Die Eselsbastei ist deshalb etwas Besonderes, weil von dort aus der Schuss abgegeben wurde, der den Schimmel von Schwedenkönig Gustav Adolf im Dreißigjährigen Krieg tödlich getroffen hat. Der Monarch selbst überlebte freilich und fiel erst bei Lützen.
Den Großteil der Neubebauung teilen sich vier Objekte, die die Industriefördergesellschaft (IFG), ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadt, finanziell stemmt: eine großzügige Tiefgarage mit über 900 Stellplätzen (über 30 Millionen Euro/Fertigstellung 2014), ein Kongresszentrum (30 Millionen/2016), ein Fünf-Sterne-Hotel (30 Millionen/2016) und die Audi-Akademie (20 Millionen/2014). Die Erweiterung der Fachhochschule und der Bau eines Forschungs- und Testzentrums zum Thema Fahrsicherheit, genannt „Carissma“ verschlingt weitere 30 bis 40 Millionen; diese Kosten trägt der Freistaat Bayern. Ende 2016 sollen alle Bau- und Umbaumaßnahmen abgeschlossen sein.
Hinsichtlich des 180-Zimmer-Hotels und des Forschungszentrums gab und gibt es allerdings einige Bedenken. Kritiker monieren, dass durch die Höhe des achtstöckigen Hotels ein Teil des Neuen Schlosses so verdeckt wird, dass dessen optische Dominanz im Stadtbild entwertet wird. Dennoch: der Stadtrat hat den Bauplan bei acht Gegenstimmen akzeptiert.
IFG-Chef Herbert Lorenz zerstreut alle Bedenken: „Der freie Blick auf das Schloss wird weiter erhalten bleiben, wenn vielleicht auch nicht von allen Standorten aus.“ Kritiker sehen dies allerdings anders, was Lorenz freilich in seiner Verteidigung bestärkt: „Früher haben riesige Schornsteine, die höher als das Schloss waren, den Blick eingeschränkt. Das wird sich nicht wiederholen.”
Auch der Fassadenentwurf für das Hotel ist abgeschlossen. Eine Experten-Jury gab bei nur einer Stimmenthaltung (Grünen-Stadträtin Petra Kleine) grünes Licht und beauftragte ein Berliner Büro mit der Umsetzung. Der Clou dabei ist das Mansardendach. Dennoch: Vorbehalte wegen der Höhe des Hotels bleiben. Stellvertretend für alle Kritiker meint Stadtheimatpfleger Tobias Schönauer: „Wir bleiben skeptisch, denn das Grundsatzproblem lässt sich auch durch diese Fassade nicht kaschieren.“
Ein weiteres Problem könnte auf die IFG zukommen, wenn die als Bauträger und Investor vorgesehene Alpine Bau ihre momentane finanzielle Schieflage nicht zeitnah konsolidieren kann. Auch hier wiegelt IFG-Chef Lorenz optimistisch ab: „Ich bin mir sicher, dass Alpine seine Schwierigkeiten in den Griff bekommt und die bevorstehenden Baumaßnahmen abgewickelt werden können.“ Als Pächter und Hotelbetreiber konnte die Steigenberger-Gruppe gewonnen werden.
Uneinigkeit herrscht noch über den Standort der etwa 110 Meter langen, 30 Meter breiten und acht Meter hohen Forschungshalle „Carissma“. Zwei Varianten stehen zur Auswahl, wobei die FH eine andere Lösung bevorzugt als der Freistaat. Sicher ist nur, dass das Glacis, also der Grüngürtel, der an das Gelände grenzt, nicht beeinträchtigt wird. Im Frühjahr des kommenden Jahres soll eine Entscheidung herbeigeführt werden, und der Baubeginn noch im selben Jahr starten; die Fertigstellung ist 2015 vorgesehen.


Kein Platz für Luxus-Gäste


Dass es in Ingolstadt kein Luxus-Hotel gibt, ist der Stadt und Audi schon lange ein Dorn im Auge. Vor allem die Audi AG setzte sich vehement dafür ein, ein derartiges Vorzeigeobjekt in Ingolstadt zu installieren, sei es doch völlig abwegig, Gäste oder Kongressteilnehmer in Münchner Hotels unterzubringen. Unter Ingolstadts Hoteliers ist die Skepsis, welche die Pläne zu Beginn verursacht haben, gewichen; sie sehen das Luxus-Hotel mittlerweile als sinnvolle Ergänzung der bisher bestehenden Häuser.
Eines will Stadt-Sprecher Treffer nicht unerwähnt lassen – dass nämlich die Stadt generell und die Innenstadt im Speziellen von dem neuen Vorzeigeobjekt profitiert. „Hotelgäste und Kongressteilnehmer werden mit Sicherheit die Nähe zur Altstadt nutzen und dort für eine Belebung in allen Bereichen sorgen. Und genauso wichtig ist es, dass der Standort Audi gesichert ist. Außerdem werden Arbeitsplätze geschaffen!“ (Dieter Warnick)

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