Kommunales

Im Oberland nennen sie ihn "den Jack": Jakob Kreidl in einer Uniform der Gebirgsschützen. (Foto: DPA)

14.02.2014

Jakob Kreidl tritt als Landkreistagspräsident zurück

Umstrittener CSU-Politiker möchte aber erneut als Landrat von Miesbach kandidieren

Der Druck war dann wohl doch zu groß für Jakob Kreidl: Nachdem sich in den vergangenen Tagen erst die oberbayerische CSU-Bezirksvorsitzende Ilse Aigner und dann auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer von Kreidl aufgrund der weit über 100.000 Euro teuren Feier im Bauernhofmuseum von Schliersee zu seinem 60. Geburtstag – die zum überwiegenden Teil vom Landkreis und von der örtlichen Sparkasse finanziert worden war –  öffentlich von ihm distanziert hatten, gab der umstrittene CSU-Politiker  auf: Mit sofortiger Wirkung trat der 61-Jährige am Freitag, 14. Februar, von seinem Amt als bayerischer Landkreistagspräsident zurück.
Der „mediale Wirbel“ um seine Person habe „gravierende Ausmaße“ erreicht, teilt er in einem Schreiben an alle bayerischen Landräte mit. Erstmals seit Aufkommen der Kritik räumt Kreidl „persönliche Fehler“ ein: „Auch wenn ich nicht Ausrichter der Feier war, hätte ich mehr Sensibilität an den Tag legen müssen und mich aktiv in die Organisation einmischen müssen. Ich bedaure das.“
Kreidl bleibt aber weiterhin Landrat des Landkreises Miesbach und tritt für dieses Amt auch zu den Kommunalwahlen am Sonntag, 16. März, wieder an. Täte er das nicht, so ein Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Landkreistags zur "Staatszeitung", hätte das womöglich Auswirkungen auf seine Pensionsansprüche. Kreidl, der bisher nur eine Amtszeit (seit 2008) im Amt war hat das offizielle Pensionsalter für kommunale Wahlbeamte noch nicht erreicht. Auch dem bayerischen Landtag – dort war er Abgeordneter bis zum Frühjahr 2008 – gehörte er zuvor nicht mindestens drei volle Legislaturperioden an.

Zoff um die Doktorarbeit und
die Beschäftigung der Ehefrau


Jakob Kreidl ist aber nicht nur über die teure Geburtstagsfeier zu seinem 60. gestürzt. Bereits im vergangenen Jahr gab es Zoff um seine Doktorarbeit an der Universität der Bundeswehr in München. Angeblich soll er weite Teile der Arbeit – Thema war der Kosovokonflikt – abgeschrieben und die Quellen nicht korrekt gekennzeichnet haben. Im Verlauf des Prüfverfahrens der Universität hatte Kreidl seinen Doktortitel freiwillig abgeben. Darüber hinaus war der Miesbacher durch seine Verwicklung in die so genannte Verwandtenaffäre des Bayerischen Landtags in die Kritik geraten. Er soll seine Frau auch nach dem Ausscheiden aus dem Parlament weiterhin auf Steuerzahlerkosten beschäftigt haben.
Für die Zeit nach der Kommunalwahl hätte turnusgemäß ohnehin eine Neuwahl des Landkreistagspräsidenten angestanden, ursprünglich wollte Kreidl dafür auch kandidieren. Bis zum regulären Termin führen jetzt die Landräte Roland Schwing (CSU) aus Miltenberg, Herbert Eckstein (SPD) aus Roth und Hubert Faltermeier (FW) aus Kelheim gemeinsam interimistisch den Bayerischen Landkreistag, teilte die Verbandsgeschäftsstelle mit. (André Paul)

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Kommentare (1)

  1. Zitrone am 16.02.2014
    Immer die Schwarzen! Im Landkreis Miltenberg gab es 1999 eine ähnliche Aufregung um die Kosten für die Feier zum 50. Geburtstag des damaligen Landrats. Die tatsächlichen Kosten wurden nie veröffentlicht.

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