Kommunales

Das Kfz-Kennzeichen per SMS an den Betreiber des Handypark-Systems senden, auf die elektronische Bestätigung warten – fertig. Die Abrechnung erfolgt dann mit der Mobilfunkrechnung oder wird mit dem Prepaid-Guthaben verrechnet. (Foto: DDP)

12.03.2010

Knöllchen ausgeschlossen

Handyparken wird immer beliebter in bayerischen Kommunen

Wer kennt diese Situation nicht: Der Termin drängt, in der wie immer zugeparkten Hauptstraße der Stadt hat man endlich ein freies Plätzchen ergattert, doch in der Geldbörse sind mal wieder die Münzen alle. Was nun? Bäcker, Boutiquen und andere Läden könnten zwar den 20-Euro-Schein wechseln, doch da muss man sich in der Schlange anstellen und das kann dauern. Schwarz parken geht auch nicht, in Zeiten leerer Stadtkassen kontrollieren die Politessen doppelt scharf. Immer mehr bayerische Kommunen bieten ihren Einwohnern und Besuchern deshalb Handyparken an: eine schnelle und bequeme Alternative – aber nicht ganz ohne Risiken.
Die Kommunen im Freistaat führen beim Handyparken, im Norden und Osten Deutschlands ist das Konzept noch nicht so stark verbreitet. Das erklärt sich unter anderem dadurch, dass in Bayern die Kaufkraft höher ist, also mehr Menschen zum Shoppen in die Innenstädte drängen. Zum anderen haben die Stadtväter hierzulande weniger Einzelhandel auf der parktechnisch bequemeren grünen Wiese gestattet. Und die Nachfrage ist offenbar vorhanden: Noch vor 1,5 Jahren kauften in den beteiligten Städten nur sieben Prozent aller Parker ihren Fahrschein per Mobiltelefon, inzwischen sind es schon 33 Prozent. Zu den Kommunen, die das System gerade erst eingeführt haben, gehört die Stadt Weilheim. Bürgermeister Markus Loth (Bürger für Weilheim) setzt dabei auf das Angebot von Sunhill Technologies aus Bubenreuth (Landkreis Erlangen-Höchstadt). Die Firma gehört zu den größeren Anbietern auf dem Markt und hat unter anderem schon Fürth, Erlangen, Amberg, Bad Aibling, Oberstdorf und Bernau umgerüstet. Der Bürgermeister versichert, dass man keineswegs daran denke, die gesamte Innenstadt in eine Handyparkzone umzurüsten, das Ganze sei nur „ein zusätzliches Angebot“, Kosten wären der Stadt damit auch nicht entstanden.
Anton Stammel, stellvertretender bayerischer Datenschutzbeauftragter, sieht das Handyparken trotzdem mit gemischten Gefühlen. Grundsätzlich sei zwar nichts einzuwenden, „aber die Bürger müssen genau wissen, an wen sie ihre Daten schicken.“ Denn der Adressat der SMS, der Betreiber des Handypark-Systems, kann theoretisch eine Verbindung zwischen der eingehenden Handynummer und dem Kfz-Kennzeichen herstellen. „Die Gemeinde muss sicherstellen, dass die Daten beim Betreiber ausschließlich zu Abrechnungszwecken gespeichert und anschließend sofort gelöscht werden“, fordert Stammel.
Denn alle großen Mobilfunkanbieter auf dem deutschen Markt – Vodafone, T-Mobile, E-Plus und O2 – sind mit von der Partie. Der Markt an Neukunden ist inzwischen verschwindend gering, Geschäfte lassen sich eher mit Abwerbungen fremder Kunden tätigen. Wer beispielsweise viel parkt, ist viel unterwegs und hat mutmaßlich ein höheres Einkommen, ist also grundsätzlich attraktiv. Aber auch Vater Staat erfährt so einiges über seinen Bürger, schließlich haben die Kontrolleure über ein Terminal jederzeit Zugang zu den gespeicherten Daten.

(André Paul)

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