Kommunales

Das Passivhaus „südpunkt“ in Nürnberg zählt zu den Gewinnern des letztjährigen Bundeswettbewerbs „Kommunaler Klimaschutz“. (Foto: Michael Aust)

29.07.2011

Kommunaler Klimaschutz rechnet sich

Bayerische Gemeinden bieten bereits jetzt viele Projekte zur Energieeinsparung an

Jeder einzelne Bürger kann einen Beitrag dazu leisten, das Klima zu schützen. Sei es bei größeren Vorhaben wie einer energetischen Gebäudesanierung oder dem Neubau eines Hauses mit langfristig reduziertem Energiebedarf. Aber auch kleine Maßnahmen helfen oft schon weiter, wie der Einbau von Energiesparlampen oder die Anschaffung energiesparender Haushaltsgeräte.
Viele Kommunen haben längst erkannt, dass der Einsatz für den Klimaschutz eine der größten Herausforderungen der Zukunft darstellt. Mit vielfältigen Beratungs- und Begleitangeboten wollen sie das Thema Klimaschutz den Bürgern nicht nur schmackhaft machen, sondern auch aufzeigen, dass sich der Einsatz für den Klimaschutz rechnet. Klimaschutz auf eine breite Basis stellen, darauf setzt die Region Bayreuth. Der bereits 2007 von Stadt und Landkreis gemeinsam ins Leben gerufene und dauerhaft angelegten Klimaschutzkampagne mit dem Namen „Klimaregio Bayreuth“ haben sich mittlerweile mehr als 80 Unternehmen, Institutionen und Verwaltungen angeschlossen.
Zu den Zielen gehören unter anderem die Steigerung der Effizienz in Haushalten und Gewerbebetrieben, die Entwicklung energieeffizienter Bau- und Siedlungsstrukturen sowie die Bereitstellung energieeffizienter Mobilität und entsprechender Verkehrssysteme. 2008 wurde die Initiative unter dem Dach des damals neu geschaffenen Regionalmanagements fortgeführt. Bereits im Jahr darauf war die „Bioenergieregion Bayreuth“ als eines der Teilprojekte in einem entsprechenden Wettbewerb des Bundeslandwirtschaftsministeriums als einer der bayerischen Sieger hervorgegangen.

400.000 Euro Förderung gehen nach Bayreuth


Bis zu 400.000 Euro an Fördergeldern sollen nun bis Mitte 2012 in Stadt und Landkreis Bayreuth sowie einige Gemeinden darüber hinaus fließen, um eine von bundesweit 25 selbstständigen Modellregionen zu schaffen, deren Konzepte künftig auch auf andere Regionen übertragen werden können. Langfristige Ziele sind es, die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern, die Wertschöpfung vor Ort zu erhöhen und den ländlichen Raum zu stärken.
2010 erreichte die „Klimaregio Bayreuth“ bereits einen der Spitzenplätze im Wettbewerb Kommunaler Klimaschutz des Deutschen Instituts für Urbanistik und wurde dafür mit 20.000 Euro belohnt. Dabei sei insbesondere die Kampagne „Frei von CO2“ ausgezeichnet worden, sagt Regionalmanagerin Eva Rundholz.
„Wir wollen die Bürger ermutigen, Kohlendioxid einzusparen, und zwar mit ganz einfachen Alltagshandlungen, ohne großen finanziellen Aufwand“, sagt Rundholz. Alle Teilnehmer müssen dabei eine Klimaschutzvereinbarung unterzeichnen, in der sie sich unter anderem verpflichten, Stand-by-Betrieb bei Elektrogeräten zu vermeiden, pro Woche mehrere Kurzstrecken zu Fuß oder mit Rad statt mit dem Auto zurückzulegen und beim Kauf von Obst und Gemüse auf regionale Produkte zu setzen.
„Wir wollen damit das Bewusstsein der Bürger in ganz kleinen Schritten verändern“, sagt Rundholz. Alle Teilnehmer werden mit einem Gutscheinpaket und einer Urkunde belohnt und nehmen Monat für Monat an einem Gewinnspiel teil.
Ein weiteres Projekt zielt unter dem Motto „Kleine Klimaschützer unterwegs“ auf Umwelterziehung in Schulen und Kindergärten ab. Seit 2008 wurden bereits über 2600 Kinder angesprochen, die das Thema als eine Art Multiplikatoren meist auch in das Elternhaus tragen.
Daneben wird in einer „Solarbundesliga“ die Solarleistung einzelner Gemeinden aus dem Landkreis Bayreuth erfasst und veröffentlicht. Ebenfalls zu den Gewinnern des Bundeswettbewerbs „Kommunaler Klimaschutz 2010“, gehört die Stadt Nürnberg.
Die Frankenmetropole erhielt die Auszeichnung für den Neubau des Passivhauses „südpunkt - Forum für Bildung und Kultur“, eines multifunktionalen Stadtteilzentrums, das Bildung, Kultur und einen interkulturellen Stadtteiltreff mit vielfältigen Begegnungsmöglichkeiten verbindet.
Basierend auf einem innovativen Gesamtenergiekonzept zeichnet sich die viel genutzte städtische Einrichtung sowohl durch einen sehr niedrigen Energieverbrauch als auch durch sehr gute thermische, visuelle und akustische Eigenschaften aus. In dem Zentrum werden unter anderem Seminar- und Veranstaltungsräume komplett nach Süden und Osten ausgerichtet. Die EDV-Schulungsräume, die selbst viel Energie abgeben, seien dagegen an der Nordseite angesiedelt worden. Zusätzlich wurden hier die Betondecken als thermisch aktivierte Bauteile ausgeführt, die im Sommer über elf Erdsonden von je 70 Metern gekühlt werden. Holz-Aluminium-Verbundfenster mit einer Dreifach-Wärmeschutzverglasung tragen dazu bei, Tageslicht und Sonnenwärme bestens zu nutzen. Ein Langzeitmonitoring kontrolliert die rechnerischen Vorhersagen, ermittelt das Nutzerverhalten und deckt Schwachstellen auf. Darüber hinaus wird auch die Einhaltung der Grenzwerte für den Passivhausstandard überprüft.


Fürstenfeldbruck will Energiewende bis 2030

Auch der Landkreis Fürstenfeldbruck ist vielen Gemeinden weit voraus und hat somit Vorbildcharakter, was den Klimaschutz anbelangt. Als dritter bayerischer Preisträger wurde der Landkreis für sein Projekt „Fürstenfeldbrucker Energieresolution – 10 Jahre auf dem Weg zur Energiewende“ beim Bundeswettbewerb Kommunaler Klimaschutz 2010 ausgezeichnet.
Nach einer landkreisweiten Abschätzung über Energieeinsparpotenziale und den Einsatz erneuerbarer Energien hatte der Landkreis im Jahr 2000 beschlossen, seine Energieversorgung bis 2030 vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen und damit eine Energiewende einzuläuten.
Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Fürstenfeldbruck auf die schrittweise Halbierung des Energieverbrauchs und die nachhaltige Nutzung heimischer Ressourcen. So hatte der Landkreis bereits 2001 zusammen mit der Solidargemeinschaft Brucker Land und der ortsansässigen Sparkasse den Verein „ZIEL 21 – Zentrum Innovative Energien im Landkreis Fürstenfeldbruck e.V.“ ins Leben gerufen. Inzwischen ist ZIEL 21 zu einem Netzwerk aus staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen gewachsen. Mit der Ansiedlung der Geschäftsstelle im Landratsamt wurde eine zentrale Anlaufstelle für alle Akteure geschaffen.
Ein weiteres Ziel ist auch eine „Wende im Bewusstsein“. Bürgerinnen und Bürger sollen gut informiert und dadurch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Energie sowie einem verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien motiviert werden. Dazu organisiert der Verein Informations- und Aktionstage, berät private Haushalte und Gewerbeunternehmen sowie Kommunen und initiiert Bildungsprojekte an Schulen.
Der Landkreis übernimmt die Koordinierung und zu einem großen Teil die Finanzierung des Vereins. Zusammen mit seinen Gemeinden nimmt er darüber hinaus auf dem Weg zur Energiewende eine Vorbildfunktion ein und stößt regelmäßig Pilotprojekte an. So haben die landkreisangehörigen Kommunen bereits 2001 mit Unterstützung von ZIEL 21 begonnen, in jeder Kommune des Landkreises eine Bürgersolarstrom-Anlage auf einem öffentlichen Dach zu installieren. Da die geeigneten Dachflächen hierfür begrenzt sind, wurden zusätzlich mehrere Freiflächenanlagen errichtet.
Als kommunale Energieversorger betreiben die Stadtwerke Fürstenfeldbruck Wasserkraftwerke, Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, ein Biomasseheizkraftwerk sowie mehrere Fernwärmenetze. Der Anteil an erneuerbaren Energien im Versorgungsgebiet der Stadtwerke ist beim Strom auf 40 Prozent gestiegen. Der Landkreis Fürstenfeldbruck und die Projektbeteiligten sind zuversichtlich, ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen. „Wir schaffen die Energiewende!“ lautet das Motto, das auch auf dem Logo von ZIEL 21 zu finden ist.
(Stephan Herbert Fuchs)

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