Kommunales

Bad Hindelangs Bürgermeister Adalbert Martin (CSU, rechts) und der Geschäftsführer der Elektrizitätswerke Hindelang, Jochen Damm, präsentieren im Hintersteiner Tal an der Ostrach den Bauplan für das geplante Wasserkraftwerk. Naturschützern ist das Projekt ein Dorn im Auge. (Foto: dpa)

13.11.2017

Kommune zofft sich an der Ostrach mit Naturschützern

Jetzt verhandelt das Gericht über ein umstrittenes Kraftwerk an Alpenwildfluss

Die Klamm Eisenbreche im Allgäu ist gleich mehrfach als Naturschutzgebiet eingestuft. Dennoch soll dort ein Wasserkraftwerk gebaut werden. Umweltschützer sind fassungslos und haben geklagt. Nun treffen sich Kritiker und Befürworter vor Gericht.

Der Streit um ein geplantes Wasserkraftwerk in einem Allgäuer Naturschutzgebiet soll nun von dem Verwaltungsgericht in Augsburg entschieden werden. Das Gericht wird am Dienstag, 14. November, die Klage von zwei Umweltschutzverbänden verhandeln. Das Projekt bedroht nach ihrer Einschätzung das Naturdenkmal Eisenbreche, eine tiefe Schlucht. Das Areal ist mehrfach geschützt, als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet, als Vogelschutzgebiet und als Landschaftsschutzgebiet Allgäuer Hochalpen.

Die Marktgemeinde Bad Hindelang will das Kraftwerk Älpele mit drei weiteren Gesellschaftern zusammen errichten. Die Kommune betont, dass das Projekt naturschutzgerecht sei. Die Eingriffe in die Natur würden so gering wie möglich erfolgen. In der Kritik steht insbesondere der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU), der den Kraftwerksbau genehmigt hat. Er räumte ein, dass dies rechtlich schwierig gewesen sei. "Ich habe das Recht, entgegen der Gesetzeslage diesen Bescheid zu genehmigen, wenn übergeordnete Belange dies rechtfertigen", sagte Klotz dazu früher einmal. Die Wasserkraftanlage sei nötig, um die Ziele von Klimaschutz und Energiewende zu erreichen.

Geplant sind pro Jahr neun Millionen Kilowattstunden Strom


"Die Ostrach ist im beplanten Bereich eine der letzten naturnahen Alpenwildflusslandschaften und damit Lebensraum für viele geschützte Tier- und Pflanzenarten", begründete der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Norbert Schäffer, die Klage seines Verbandes. Auch der Bund Naturschutz (BN) hat geklagt. "Hier hat der Naturschutz eindeutig Vorrang vor der Energieerzeugung", sagte BN-Landeschef Hubert Weiger.

Die Klage liegt bereits seit etwa zwei Jahren in Augsburg. Das Verfahren hat bisher so lange gedauert, weil die Richter schon vor der öffentlichen Verhandlung das Fehlen der sogenannten Umweltverträglichkeitsprüfung gerügt haben. Diese Prüfung sei dann nachgeholt und in die Genehmigung nachträglich eingearbeitet worden, erklärte ein Gerichtssprecher.

Das Wasserkraftwerk Älpele an der Ostrach im Hintersteiner Tal soll künftig pro Jahr neun Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Damit könnten 2700 Durchschnittshaushalte versorgt werden, erklärte das Elektrizitätswerk Hindelang, das mit der Gemeinde und zwei Genossenschaften das Projekt verwirklichen will. Stromerzeugung aus Wasser hat in Bad Hindelang eine lange Tradition. Es gibt bereits 17 Wasserkraftanlagen in der 5000-Einwohner-Gemeinde, teils auch in dem bestehenden Naturschutzgebiet.
(Ulf Vogler, dpa)

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