Kommunales

Der Bezirk Oberbayern fördert aus eigenen Mitteln den Krisendienst mit 7,4 Millionen Euro pro Jahr. (Foto: dpa)

27.10.2017

Kompetente Hilfe vor Ort

Informationsveranstaltung zum neuen psychiatrischen Krisendienst des Bezirks Oberbayern

Mit 15 Jahren bemerkt Kerstin Schultes, dass sie nicht so ist wie andere Teenager. Statt fröhlich und hungrig auf das Leben zu sein, plagen sie Angstzustände und Depressionen. Über Jahre hinweg schlittert sie von Krise zu Krise. Irgendwann sucht die junge Frau Zuflucht in Alkohol und Drogen. Heute sagt sie: „Ich wollte ja leben, aber ich wusste nicht, wie das geht.“ Entlastung und Hilfe brachte ihr erst ein Anruf beim Krisendienst Psychiatrie. „Ich hatte sofort das Gefühl, ernst genommen zu werden“, erzählt die Münchnerin. „Mit Hilfe des Krisendienstes bin ich Stück für Stück in die Realität zurückgekehrt.“

Der Bezirk Oberbayern nutzte kürzlich die 6. Münchner Woche für seelische Gesundheit, um über den Krisendienst Psychiatrie zu informieren. Im Rahmen der Veranstaltung schildete nicht nur Kerstin Schultes eindrucksvoll ihren Aufbruch in ein stabiles Leben. Zu Wort kamen auch Mitarbeiter der Leitstelle und der aufsuchenden Einsatzteams sowie Angehörige und Menschen mit Krisenerfahrung. Bezirktagspräsident Mederer beschrieb den Krisendienst als kompetentes und wohnortnahes Hilfsangebot. „Wir müssen psychische Krankheiten genauso sehen wie somatische Leiden“, appellierte Mederer. „Es gibt keinen Grund, Menschen mit seelischen Erkrankungen auszugrenzen.“

Deshalb sei es immens wichtig, dass Menschen in seelischen Krisen ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Notrufsystem haben. „Das ist aus meiner Sicht ein Beitrag zur Inklusion“, sagte Mederer. Der Bezirk Oberbayern fördert aus eigenen Mitteln den Krisendienst mit 7,4 Millionen Euro pro Jahr. Mederer verbindet mit dem geplanten Psychisch Kranken-Hilfe-Gesetz die Hoffnung, „dass der Freistaat Bayern wenigstens die Kosten für die Leitstelle übernimmt“.

Täglich von 9 bis 24 Uhr


Diese ist seit 1. Oktober täglich von 9 bis 24 Uhr unter der Nummer 0180 / 655 3000 in ganz Oberbayern erreichbar. Der stufenweise Aufbau des Krisendienstes ist damit abgeschlossen. Bisher haben sich pro Monat bis zu 1730 Menschen an den Krisendienst gewandt – mit steigender Tendenz. „Wir drücken keine Hilfe auf, sondern befähigen eigene Wege aus der Krise zu finden“, erklärte Amona Woyde. Die Sozialpädagogin ist Mitglied eines mobilen Einsatzteams im Landkreis München, das Menschen in schweren psychiatrischen Notlagen zuhause aufsucht. Diskretion sei dabei oberstes Gebot. „Wir kommen anonym und ohne Blaulicht“, versprach Woyde. „Der Schutz der Betroffenen hat für uns Priorität.“ Doch das gelingt leider nicht immer. Manchmal verständigen Angehörige oder Nachbarn die Polizei, wenn sie bei einer seelischen Notlage in ihrem Umfeld nicht mehr weiter wissen, und wundern sich, wenn diese mit Blaulicht anrückt.

„Wir versuchen, immer Spannungen herauszunehmen und Gefahren zu beseitigen“, versicherte der Münchner Polizeivizepräsident Werner Feiler bei der Veranstaltung im Bezirk Oberbayern. „Damit leisten wir sozialpädagogische Hilfe, obwohl wir nicht dafür geschult sind.“ Deshalb wünsche sich die Polizei einen engen Kontakt zum Krisendienst. Wenn die Betroffenen es erlaubten, so Feiler, „sind wir froh, wenn wir den Krisendienst hinzuziehen können“. (Constanze Mauermayer)


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