Kommunales

08.04.2011

Kooperationen sichern das Überleben

Vor fünf Jahren stand das Klinikum Ansbach vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch

In den vergangenen Jahren kämpften viele kommunale Kliniken um ihre wirtschaftliche Existenz und Zukunft. Zahlreiche Kliniken mussten schließen beziehungsweise schlossen sich zusammen, um durch Kooperationen Synergien entwickeln zu können.
Auch das Klinikum Ansbach, das der Stadt Ansbach und dem Landkreis gehört, stand vor fünf Jahren vor einer grundlegenden Richtungsentscheidung. Jedes Jahr erwirtschaftete das 390-Betten-Haus ein Minus, das die Träger nicht mehr bereit waren zu finanzieren. Auch der Zuspruch der Patienten schwand, die Zahl der Behandelten sank deutlich. „Wir standen 2006 am Scheideweg. Uns war klar, dass wir an zahlreichen Stellschrauben im Klinikum arbeiten müssten, um das Haus zukunftssicher machen zu können“, erläutert Vorstand Jürgen Matschke, der seit 2005 verantwortlich zeichnet. Gemeinsam entwickelte die Klinikumsleitung mit den Mitarbeitern einen Fahrplan, um die drängenden Probleme zu lösen.
Die Ausweitung des Leistungsangebots des Klinikums war dabei ein wesentlicher Baustein. Bestehende Abteilungen konnten ausgebaut werden, neue wurden geschaffen. Als Schlüssel für die Zukunft erkannte das Klinikum vier Maßnahmen: Kooperationen, Spezialisierung, Diversifizierung, Zertifizierung beziehungsweise Qualifizierung des Angebots.


Wichtig: Qualitätssicherung


Allein konnte das Klinikum sein Leistungsangebot und damit die Attraktivität für Patienten und Krankenkassen nicht steigern. Notwendig waren Kooperationspartner, die ihr Angebot ins Klinikum trugen. Im Jahr 2008 wurde die Kinderstation „Wald“ eröffnet, eine Dependance der Cnopf’schen Kinderklinik Nürnberg: Mit zehn Betten sichert die Station die Grundversorgung vor Ort. „Dieses Angebot für Kinder war ein Meilenstein für das Klinikum“, erläutert Vorstand Matschke.
Im selben Jahr eröffnete das Klinikum in Kooperation mit dem Bezirk Mittelfranken eine Schlaganfalleinheit. Die Zusammenarbeit mit dem Bezirk wurde in den folgenden Jahren ausgebaut: Im Jahr 2010 nahm die Akut-Geriatrie ihre Arbeit auf, heuer wird die Akut-Neurologie folgen. Bereits seit 2007 besteht eine Kooperation mit der Rangauklinik Ansbach, einer Fachklinik für Lungen- und Bronchialheilkunde unter der Trägerschaft der Diakonie Neuendettelsau. Neben gemeinsamen Tumorkonferenzen werden vom Klinikum anästhesiologische Leistungen übernommen und thoraxchirurgische Patienten postoperativ in die Rangauklinik verlegt. „Sinnvolle Kooperationen sind ein wichtiges Instrument, um die Handlungsfähigkeit und Attraktivität des Klinikums Ansbach langfristig zu steigern“, betont Matschke. Auch aus eigener Kraft entwickelte das Klinikum sein Handlungsspektrum weiter. Mit der Eröffnung der Klinik für Palliativmedizin in 2007 wurde nicht nur eine Versorgungslücke für die Stadt Ansbach geschlossen. Patienten fanden hier eine umfassende Versorgung und vertrauensvolle Begleitung in schwersten Stunden.
Immer mehr Bedeutung kommen der Qualitätssicherung und der Spezialisierung eines Klinikums zu. Ansbach verfolgte in den vergangenen Jahren einen konsequenten Weg, denn Patienten und Krankenkassen gleichermaßen urteilen nach diesem Kriterium. So wurden das Darmzentrum (2006) und das Brustzentrum (2007) Westmittelfranken erfolgreich zertifiziert. Auch dem gynäkologischen Krebszentrum Ansbach wurde die Zertifizierung 2010 verliehen. Ebenfalls 2010 erhielt das Klinikum die Anerkennung als Regionales Traumazentrum im Trauma-Netzwerk.
Die Weiterentwicklung des Klinikums nahmen die Patienten in den folgenden Jahren an. Alle drei Bereiche verzeichnen steigende Patientenzahlen. Auffällig ist dabei, dass die Patienten nicht nur aus der lokalen Umgebung kommen, sondern aus ganz Westfranken. Zwischen 2006 und 2009 steigerte das Klinikum die Fallzahlen um mehr als 15 Prozent.
Das 1973 eröffnete Krankenhaus wurde in den vergangenen Jahren konsequent saniert. Die notwendigen Umbaumaßnahmen betrafen das gesamte Haus. Das Ziel war es, nicht nur medizinisch up-to-date zu sein, sondern auch den Patienten ein offenes, modernes Krankenhaus bieten zu können. Abgeschlossen sind die Bauabschnitte 1 und 2, der Sanierungsprozess geht die nächsten Jahre kontinuierlich weiter. Bisher wurden über 40 Millionen Euro investiert. (Henner Lüttecke)

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