Kommunales

Hausbesuche in entlegenen Orten und teure Fahrten zur Praxis könnten bald wegfallen. (Foto: DDP)

04.06.2010

Krankheiten online behandeln

In Regionen ohne Hausärzte könnten die Menschen die Mediziner künftig per Internet-Schaltung konsultieren

Arztbesuch per Internet: Was zunächst wie eine Zukunftsvision klingt, will ein Bayreuther Unternehmen schon bald in Oberfranken in die Praxis umsetzen. „Natürlich kann auch die modernste Technik den persönlichen Kontakt nicht ersetzen“, sagt Matthias Fischer, Geschäftsführer der Agentur für Kommunikation und Marketing (a.k.m.). Einfache Diagnosen, die Übermittlung und Überwachung bestimmter Werte oder simple Verordnungen für chronisch kranke Patienten könnten dank IT-gestützter Videokonferenzen aber schon bald aus der Ferne erfolgen.
Natürlich werde sich ein derartiges Konzept nicht von heute auf morgen durchsetzen, weiß auch Fischer. Er hatte das Projekt zusammen mit dem Lehrstuhl für Regionalentwicklung und Raumordnung an der TU Kaiserslautern sowie mit einer Bayreuther Internetagentur und einer Videoproduktionsfirma kürzlich auf der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover vorgestellt und war dabei auf große Resonanz gestoßen. Selbst Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte sein Interesse bekundet.
Ausgangspunkt sei zum einen der demographische Wandel gewesen sowie zum anderen die Tatsache, dass sich immer mehr Ärzte in ländlichen Regionen zur Ruhe setzen, ohne einen Nachfolger für ihre Praxis zu haben. „Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung anhält und sich die ärztliche Versorgung auf dem Land weiter verschlechtern wird“, sagt Fischer. Die Lösung sieht er in der Kontaktaufnahme zwischen Patienten und Arzt in einer Art Videokonferenz. Als Zielgruppe haben Fischer und sein Team vor allem Reha-Patienten und chronisch Kranke im Blick. So wurde bereits eine spezielle Hardware entwickelt, mit deren Hilfe Diabetiker die Werte ihres Blutzuckermessgeräts direkt vom heimischen Computer in die Praxis senden können. Der Arzt habe dann die Möglichkeit, per Videosprechstunde entsprechende Empfehlungen oder Änderungen der Medikation an den Patienten durchzugeben.
Denkbar seien auch Videoschulungen bei Krankengymnastik oder Ernährungsberatungen. Nicht zuletzt könne das System zur Kostensenkung im Gesundheitswesen beitragen, da die Bürokratie zurückgefahren wird und längere Anfahrtswege entfallen. Probleme, wie etwa die fehlende flächendeckende DSL-Versorgung oder der Schutz sensibler Patientendaten vor unerlaubtem Zugriff müssten freilich noch gelöst werden.

(Stephan Herbert Fuchs)

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