Kommunales

Der Signalkrebs stammt nicht aus Oberfranken, macht sich aber dort immer mehr breit. Jetzt rückt man ihm kulinarisch zu Leibe. (Foto: BSZ)

28.11.2014

"Krebse essen ist nicht das Gleiche wie ein Schäufela"

Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken schult angehende Gourmets

Krebse aus Franken sind eine Delikatesse. Allerdings ist bei einem Krebsessen Geduld angesagt. Das Motto lautet zum einen: Klasse statt Masse; zum anderen: Feinde werden mit Genuss aufgegessen. In diesem Jahr hat die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken in ihrer Lehranstalt in Aufseß erstmals „Krebskurse“ angeboten. Wegen des großen Interesses werden auch im neuen Fortbildungsprogramm der Lehranstalt für Fischerei solche Angebote vorgehalten. Freilich, so Thomas Speierl, Leiter der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken, sei so ein Krebs „kein Schäufela“.
Der eingewanderte Signalkrebs, dezimiert die heimischen Arten durch die Übertragung der für den Menschen ungefährlichen Krebspest. Ihn kulinarisch zu dezimieren, ist also auch aktiver Umweltschutz. Fischwirtschaftsmeister Ronny Seyfried hat mit seinem Team am Vortag des Kurses in der Talsperre Mauthaus im Landkreis Kronach über 800 Krebse aus den Reusen geholt – ausschließlich Signalkrebse. In der Talsperre lebt schließlich auch noch der heimische Edelkrebs.
Welchen Krebs habe ich in meinem Teich gefunden? Sind es heimische Arten oder „Einwanderer“? Wie gehe ich damit um? Wie bereite ich den Fang richtig zu? Diese Fragen stellen die Kursteilnehmer regelmäßig an ihn. Viele von ihnen sind Profis in Sachen Fischerei oder Teichwirtschaft und manch einer interessiert sich dafür, vielleicht selbst Edelkrebse zu züchten.

Früher war es ein Arme-Leute-Essen


„Während Krebse bis vor 150 Jahren noch so häufig vorkamen, dass sie ein Arme-Leute-Essen waren, änderte sich die Lage Ende des 19. Jahrhunderts grundlegend. Mehr als 90 Prozent der einst dichten Edelkrebsbestände fallen der Krebspest zum Opfer. Bis heute haben sich die Bestände nicht erholt“, berichtet Thomas Speierl. Zum einen bildet der Pilz der Krebspest Sporen aus, die über viele Jahre überleben können. Er greift zuerst die Gelenke der Tiere an, die Krebse können sich dann nicht mehr richtig bewegen, sie ändern ihr Verhalten und sterben schließlich. Zum anderen tritt der aus Nordamerika stammende Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) immer häufiger auf und besetzt damit den Lebensraum der einheimischen Art. Die Einwanderer – Signalkrebs und Kamberkrebs – waren obendrein gegen die Krebspest so gut wie immun. Sie übertrugen diesen Virus jedoch fatalerweise auf einheimische Krebsarten. So beschleunigten sie die Dezimierung der heimischen Krebsbestände auch in Oberfranken. Gerade der Steinkrebsbestand hat unter der Krebspest sehr gelitten: Nach zwei Jahrzehnten sind viele der einst nachgewiesenen Vorkommen im Regierungsbezirk verschwunden. Spezielle Hilfsmaßnahmen werden hier zukünftig unerlässlich sein.
(Christian Porsch)

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