Kommunales

Krimi-Autor Robert Hültner während einer Lesung mit Schauspielerin Luisa Wöllisch von der Freien Bühne München. (Foto: Bechmann)

08.12.2017

Lesespaß dank Krimi in „einfacher Sprache“

Projekt des Bezirks Oberbayern

Millionen Menschen in Deutschland fällt das Lesen schwer, weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist; oder wegen einer Behinderung beziehungsweise Lernschwierigkeit. Damit auch für sie Literatur zum Vergnügen wird, hat der Bezirk Oberbayern den Krimi Am Ende des Tages von Robert Hültner (auf dem Foto während einer Lesung mit Schauspielerin Luisa Wöllisch von der Freien Bühne München) in Einfache Sprache übersetzen lassen. Über 17 000 Euro stellte er für das inklusive Kulturprojekt zur Verfügung. Erschienen ist das Buch soeben in einer Auflage von 700 Exemplaren im Spaß-am Lesen-Verlag, der seit 2009 Zeitschriften und Bücher speziell für diese Zielgruppe auf den Markt bringt.

Das Niveau liegt zwischen der Standardsprache und der noch stärker vereinfachten und reglementierten Leichten Sprache. „Menschen, für die das Lesen nicht selbstverständlich ist, bekommen nun einen Zugang in die Welt der Bücher“, betont der Präsident des Bezirks Oberbayern, Josef Mederer.

Das Originalmanuskript wurde um mehr als die Hälfte reduziert


Im Original umfasst Hültners Roman 360 eng bedruckte Seiten. Nach der Übersetzung durch Eva Dix sind es weniger als die Hälfte. Der roten Faden und die Spannung wurde beibehalten, Fremdwörter, lange Sätze und komplizierte grammatische Strukturen aber verändert. Kein Satz darf mehr als zehn Wörter haben, nicht mehr als ein Komma. Nebenschauplätze der Handlung mussten ebenso entfallen wie Ausführungen zur Historie des Romans, der in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen spielt. Den Einstieg erleichtern ein Vorwort und die zehn Bilder der Illustratorin Rosemarie Zacher. Akribisch hat sie darauf geachtet, Kleidung, Möbel und Ausstattungsgegenstände der 1920er Jahre detailgetreu zu zeigen. Robert Hültner, der für seine Werke schon drei Mal den Deutschen Krimipreis erhalten hatte, ist begeistert vom „hervorragenden Ergebnis der präzisen und mitreißenden Übersetzung“.

Dass auch Menschen mit einer geistigen Behinderung Freude an seinem Krimi haben werden, das hofft Mareike Gottschalk. Sie ist Prüferin für Einfache Sprache bei der Lebenshilfe Bamberg und hat das Buch vor der Drucklegung nochmals kritisch überprüft. „Schön ist es geworden, traurig und interessant zugleich.“
„Der Bezirk Oberbayern hat mit diesem Projekt, das Spaß am Lesen für alle zum Ziel hat, eine Vorreiterrolle eingenommen“, resümiert Mederer. Undverweist darauf, dass es in Deutschland fast sechs Millionen funktionale Analphabeten gibt, die in der Schule nur rudimentär Lesen und Schreiben gelernt haben. „Auch diese Menschen sollten künftig mehr anspruchsvolle Bücher ohne sprachliche Barrieren genießen können.“
(Werner Kraus)


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