Kommunales

Auch viele öffentliche Gebäude in Bayern sind schlecht isoliert. Das erhöht den Wärmeverbrauch. (Foto: BSZ)

31.01.2014

Öko-Nachhilfe für Kommunen

Acht Monate lang konnten sich 234 Gemeinden in Bayern kostenlos von Energiecoaches beraten lassen

Energiewende ist – so lautet wohl die neue Prämisse der Staatsregierung – was man darunter verstehen möchte. Bei der Auswertung des Energiecoachings für oberbayerische Kommunen verkündete Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) die Marschroute: „Die beste Energie ist jene, die man gar nicht erst verbraucht.“

Angeschoben hatte das Energiecoaching vor acht Monaten noch der bei den Kommunen nicht eben wohlgelittene frühere Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Er stellte für 234 zumeist kleinere Gemeinden – das ist immerhin mehr als jede zehnte im Freistaat – insgesamt rund eine Million Euro zur Verfügung, einen Eigenanteil der Kommunen forderte das Ministerium nicht. Davon bezahlt wurden so genannte Energiecoaches, die den Bürgermeistern erklärten, wo und wie sich in ihrem Ort effizient Energie sparen oder aus regenerativen Quellen zusätzlich gewinnen lässt. In Oberbayern nahmen 35 Gemeinden an dem Projekt teil, allerdings waren nicht alle Landkreise vertreten. Jede Gemeinde konnte bis zu 5000 Euro für den Coach ausgeben.
Die Koordinierung lag bei der jeweiligen Bezirksregierung und zur immerhin knapp dreistündigen Präsentation der Ergebnisse ließ sich Regierungspräsident Christoph Hillenbrand nicht lumpen: Üppiges Buffet, hunderte Bürgermeister im Saal versammelt, die BR-Moderatorin Ursula Heller führte durchs Programm. Dazu gehörte auch eine Gesprächsrunde mit Aigner, Hillenbrand, Gemeindetagspräsident Uwe Brandl und als „Betroffenen“ dem Seeshaupter Bürgermeister Michael Bernwieser (parteilos).
Der Tenor fiel überwiegend positiv aus. Man habe „neue Impulse verliehen“, befand etwa, wenig überraschend, Ilse Aigner. Zur definitiven Zusage einer Fortsetzung des Projekts – wie von den Gemeinden befürwortet – wollte sich die Ministerin dann aber noch nicht durchringen.

Die Aufbruchsstimmung beim Bürger geht verloren


Doch es gab auch kritische Töne. So befand etwa Uwe Brandl: „Es ist die Frage, wie lange beim Bürger die Aufbruchsstimmung noch anhalten wird. Sie sollen Geld dafür ausgeben – aber der Ertrag lässt lange auf sich warten. Es fehlt ein monetärer Anreiz für die Energiewende.“ Und auch Bürgermeister Bernwieser beklagte, der „anfängliche Schwung“ in der Bevölkerung sei inzwischen verloren gegangen.
Das mag vielleicht auch damit zu tun haben, dass die Gemeinden sich im Dschungel der Angebote immer schwerer zurechtfinden. Inzwischen stehen 160 verschiedene Energienutzungspläne zur Verfügung. Jeder Rathauschef erhält also auf Nachfrage zunächst mal viel bedrucktes Papier. Doch die Gemeindeveraltungen wünschen sich vor allem eine qualitative Begleitung, passgenaue Konzepte – und vor allem einen wasserdichten Kostenplan, was sie sich konkret leisten können. Was immer noch fehlt: Eine Bestandsaufnahme der energetischen Situation für ganz Bayern.
Obligatorisch für solche Veranstaltungen sind die Best-Pracice-Beispiele. Hierfür zur Verfügung gestellt hatte sich Georg Hohmann (SPD), Bürgermeister der 12 500 Einwohner zählenden Gemeinde Markt Schwaben im Landkreis Ebersberg. Seit 2009 schon, berichtete der Rathauschef, habe man im Ort über eine Nahwärmeversorgung nachgedacht. Ziel sei es vor allem, die Ausgaben für den Sportpark und das Hallenbad zu senken. Verschiedene Überlegungen kursierten, doch ein konstruktives Ergebnis sei nicht herausgekommen. „Was fehlte, war eine Klammerfunktion, eine professionelle, unabhängige Sicht“, meint der Bürgermeister.
Die lieferte ihm jetzt der Energiecoach Erich Monhart von der Münchner Firma K.Greentech, den die Regierung von Oberbayern mit dem Coaching beauftragt hatte. Er erstellte für Markt Schwaben ein Zehn-Punkte-Programm. „Es wurde aber nötig, das Zeitfenster für eine Realisierung schließt sich“, resümiert Hohmann, „denn die Skepsis beim Bürger gegenüber der Energiewende wächst.“
Nun soll es aber im Laufschritt vorangehen in Markt Schwaben. Am Dienstag, 4. Februar, will der Gemeinderat über die Gründung eines neuen Kommunalunternehmens abstimmen, dass aber auch Möglichkeiten einer direkten finanziellen Beteiligung der Bürger bietet, eine Genossenschaft hat sich gegründet. Im Herbst 2015 soll dann Baubeginn für die entsprechende Anlage zur Wärmeversorgung sein. Rund 12,7 Millionen Euro möchte die Gemeinde in die Anlage investieren. (André Paul)

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