Kommunales

Trügerische Idylle: Im Nationalpark geht es derzeit hoch her. (Foto: dpa)

25.07.2014

Ökozonen-Krieg im Bayerwald

Der Nationalparkleiter und der Regener Landrat überziehen sich mit Vorwürfen

Würde unter Bergfichten, Buchen, Ebereschen und Ahorn im Nationalpark Bayerischer Wald auch ein Apfelbaum stehen, so könnte es sich nur um die wilde Sorte „Zankapfel“ handeln. Unter dem ersten Nationalpark-Leiter war der Streit um Naturwald-Entwicklung wegen unterlassener Borkenkäfer-Bekämpfung ausgebrochen; der zweite hat den Aufstand der Bevölkerung gegen „Wildnis“ mühsam mit Gesprächen und Kontakten zu Kommu-nalpolitikern befriedet; unter dem dritten und aktuellen Nationalpark-Chef Franz Leibl ist nun der alte Streit wieder entfacht worden wie ein Schwelbrand von starkem Wind. Den hat Regens Landrat Michael Adam (SPD) hineingeblasen, der schon in der Vergangenheit – Stichwort: Sexaffäre im Dienstzimmer – für mediale Provokationen durchaus Geschick hat.
Gegenstand der letzte Woche eskalierten Wortgefechte war ursprünglich der Plan der Nationalpark-Verwaltung, Veränderungen bei der gesetzlich geregelten Ausweisung von „Naturzonen“ (ohne menschliche Eingriffe) vorzunehmen. Der Vorschlag ist dann der Sache nach eher in den Hintergrund getreten und hat der Auseinandersetzung um den Umgangs-Stil Leibls mit der Nationalpark-Verordnung und dem Kommunalen Nationalparkauschuss Platz gemacht. Dem gehören die Landräte von Freyung-Grafenau und Regen an, sowie die Bürgermeister der Nationalparkgemeinden. Der Vorsitzende des Ausschusses ist derzeit Landrat Adam. Offenbar um sich bei dem recht unselbstständigen und zu stark von den Naturschutz-Ideologen im bayerischen Umweltministerium ferngesteuerten Nationalparkleiter Gehör zu verschaffen, ist Michael Adam der „Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes“ beigetreten. Das wirkte als Paukenschlag, denn diese Gruppierung wird seitens der Umweltschutzlobby als „nationalparkfeindlich“ eingeschätzt.

Gegen einen natürlichen Wald ohne Förster


In Wirklichkeit ist sie natürlich nicht gegen den Park, nur gegen natürlichen Wald ohne Förster. Die Mitglieder schreiben seit gut 20 Jahren immer gleiche Leserbriefe gegen das Konzept „Natur Natur sein lassen“ mit aktueller Abwandlung in der Lokalzeitung – im Wettstreit mit dem Bund Naturschutz.
Um Naturzonen geht es auch jetzt. Im Gesetz ist geregelt, dass diese bis 2027 in kleinen Schritten ohne forstliche Eingriffe 75 Pro-zent der Nationalparkfläche aus-machen müssen; der Wald in den Hochlagen um den Falkenstein soll derweil unter besonderem Schutz stehen. Davon ist aber wegen Stürmen und Borkenkäfern nicht mehr viel übrig geblieben. Deshalb will Nationalparkchef Leibl diese großen Kahlflächen zur Naturzone erklären, um anderswo in Fichtenbeständen den Borkenkäfer länger bekämpfen zu können. Dagegen wiederum hat Landrat Adam hat mit einem Antrag den bayerischen Landtag angerufen, Leibl hat ihm dafür rechtliche Schritte wegen falscher Vorwürfe angedroht. Umweltminister Marcel Huber (CSU) startete einen Schlichtungsversuch. Doch die eigentlichen „Pflanzer“ des Zankapfelbaumes sitzen weiter in seinem Ministerium. (Hannes Burger)

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