Kommunales

Airbnb wirbt in Nürnberg mit roten Doppeldecker-Bussen. (Foto: Pelke)

22.08.2015

Örtliche Hoteliers klagen über "Wettbewerbsverzerrung"

Nach den Metropolen dieser Welt nimmt Airbnb, die Online-Börse für private Zimmervermittlung, auch die bayerische Provinz ins Visier

Ein roter Doppeldecker parkt auf dem Jakobsplatz in Nürnberg. Die Inneneinrichtung trifft genau den Nerv der Zielgruppe: Gemütliche Sessel, chillige Sofas und ein großes Bett sollen für das Airbnb-Gefühl sorgen. „Wir bieten einzigartige Unterkünfte auf der ganzen Welt an“, prahlt Max Klotter und nippt an seinem Kaffee aus dem stilechten Pappbecher. „Jede Unterkunft bei Airbnb ist ein Unikat. Jeder Gastgeber ist auch ein Unikat“, sagt Max und schwärmt von den unbegrenzten Möglichkeiten der weltweiten Online-Plattform zur privaten Zimmervermittlung. Vom teuren Penthouse bis zur billigen WG-Bude – bei dem 2008 im Silicon Valley gegründeten Unternehmen hätten die Urlauber die Qual der Wahl. „In Berlin, München, Frankfurt und Hamburg sind wir schon total angesagt. Aber abgesehen von diesen Top-Places haben wir in Deutschland noch einen relativ geringen Bekanntheitsgrad. Das wollen wir mit unserer aktuellen Werbetour durch mittelgroße Städte ändern“, sagt Klotter und zeigt auf seine Reiseroute.

In Bayern steuert der rote Doppeldecker gleich zwei Ziele an: Regensburg und Nürnberg. In der Frankenmetropole seien derzeit knapp 800 Unterkünfte bei Airbnb gelistet. Die Community wachse auch in Franken stetig. Immer mehr Besucher der alten Reichsstadt buchen eine private Unterkunft bei der Internet-Börse. Die Wachstumszahlen sind imposant. 172 Prozent mehr Airbnb-Gäste habe das Portal im Vergleich zum Vorjahr allein in der Frankenmetropole verzeichnet. Die meisten ausländischen Gäste, die über die boomende Internet-Plattform eine private Unterkunft in Nürnberg buchen, kommen aus England, Frankreich und den USA.

Bei jeder Buchung kassiert das Startup-Unternehmen aus Kalifornien fleißig mit. Drei Prozent muss der Gastgeber, zwischen sechs und zwölf Prozent der Gast bezahlen. Den Preis für die Übernachtung können die Airbnb-Anbieter selber festlegen. Auch in Regensburg „Ich war mit Airbnb schon in Budapest und Lissabon. Ich hatte voll coole Wohnungen mit Flair mitten in der Stadt“, erzählt Sonja, die mit ihren WG-Freunden Kristin und Dominik zum roten Doppeldecker gekommen ist. „Wir wollen natürlich die Weltreise gewinnen“, sagt Kristin und schnappt sich einen der bereitliegenden Tablett-Computer, um bei dem Gewinnspiel mitmachen zu können. Selber Gastgeber sind die drei Freunde noch nicht gewesen. „In Nürnberg wächst die Nachfrage aber auch bestimmt immer mehr. Bei uns in der WG ist leider nicht so viel Platz“, ärgert sich Sonja und träumt weiter von fernen Ländern und coolen Wohnungen.

Doch die Werbeoffensive der Online-Börse für private Unterkünfte ist besonders den Hoteliers ein Dorn im Auge. „Dieser Zweckentfremdung von Wohnraum sollte entgegengesteuert werden. Denn durch diese Zweckentfremdung geht wertvoller Wohnraum verloren“, fordert Claudia Heim vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband in einem aktuellen Positionspapier.

Die professionellen Anbieter beklagen sich über eine „Wettbewerbsverzerrung“. Schließlich müssten die Privatvermieter keine Sicherheitsstandards einhalten und würden meistens auch keine Steuern auf ihre Einkünfte durch Vermietung bezahlen. „Dieser Missbrauch muss stärker kontrolliert werden“, fordert Heim.

„Es drohen Konflikte mit Hausbewohnern“

In der Nürnberger Congress- und Tourismuszentrale sieht man die Sache dagegen entspannter. „Jeder Gast der nach Nürnberg kommt, um sich die Stadt anzuschauen, ist mir lieb und teuer“, sagt Yvonne Coulin. Die Geschäftsführerin des Nürnberger Verkehrsvereins glaubt nicht, dass die Airbnb-Gäste eine Konkurrenz für die „normalen Hotels“ sind. Schließlich würde diese Zielgruppe besonders die private Atmosphäre und den persönlichen Kontakt zu den Gastgebern suchen und schätzen.

Freilich sei es ein Problem, räumt Coulin ein, wenn Wohnraum via Airbnb dauerhaft und professionell als Ferienunterkunft vermarktet wird. Dann seien schnell Konflikte mit anderen Hausbewohnern vorprogrammiert. In Nürnberg sei dies aber nicht der Fall. In der Frankenmetropole bilden die Geschäftsreisenden mit 70 Prozent der rund 2,8 Millionen Übernachtungen pro Jahr den Löwenanteil der Gäste. Diese würden weiterhin die professionellen Anbieter bevorzugen, ist sich Coulin sicher. Probleme, wie sie die Top-Städte im Tourismus wie Berlin oder New York derzeit erleben, befürchtet Coulin für Nürnberg nicht.

In Berlin und New York hätten die Stadtverwaltungen bereits Vorschriften erlassen, die diesen Missbrauch von Airbnb eindämmen sollen. In der Landeshaupt sind nach Firmenangaben von Airbnb aktuell bereits über 5000 Unterkünfte gelistet. Damit gehört München zu den Top-Standorten in Bayern. Zum Oktoberfest dürfte die Online-Börse besonders brummen. Aber auch in Regensburg haben Reisende mit120 Wohnungen bereits die Qual der Wahl.

Max Klotter genießt den Ausflug in die bayerischen Landen. Er ist sich sicher, dass der neue Reisetrend auch die Provinz erfassen wird. „Airbnb erfreut sich eines riesigen Zulaufs überall in Deutschland. Die Leute finden diese Art des Reisen derzeit einfach cool“, sagt Klotter. (Nikolas Pelke)

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